​Ein Freistoß im Fußball ist ein großes Paradoxon. Während man sportfremden Menschen kaum glaubhaft erklären kann, warum so mancher Spieler bei einem ruhenden Ball, der am Ende in die Wolken, in die Pommesbude im Oberrang oder in der Mauer landet, meist einen minutenlangen Terz veranstaltet, gibt es einige Künstler unter den Schützen, die mit solchen Situationen Fantastisches anstellen konnten. Wir stellen euch die zehn besten Freistoßschützen aller Zeiten vor.


Roberto Carlos

Der brasilianische Außenverteidiger wurde über Nacht berühmt, als ihm im Trikot der Selecao das Freistoßtor gegen Frankreich gelang. Mit über 30 Meter Entfernung nahm der Ball eine Flugkurve, die jeder Physik spottete. Fortan versuchte jeder, Freistöße wie Carlos zu erzielen, und die Bälle wurden reihenweise an die Eckfahnen gejagt.


Jose Luis Chilavert

Der ehemalige paraguayische Nationalkeeper hat eine Vielzahl an Treffern erzielt. Ein Keeper als Goalgetter? Geht auch nur in Südamerika, dort aber umso erfolgreicher. Sein Geheimnis waren angeblich seine kleinen Füße, über die er mal sagte, dass man mit kleineren Füßen angeblich genauer trifft. Am Ende kommt er auf eine dreistellige Anzahl an Treffern, den Großteil davon nach ruhenden Bällen.

FUSSBALL: WM 1998 in FRANKREICH, ESP - PAR 0:0


Lionel Messi

Wenig überraschend, dass der kleine Argentinier auch das kann. Zuletzt zeigte er im Halbfinale der Champions League beim 3:0 gegen den FC Liverpool., wie punkt- und zielgenau er ruhende Bälle treten kann. Auch gegen Atletico Madrid zeigte er Anfang März beim Duell mit seinem FC Barcelona, wie man die Konkurrenz mit Freistößen zermürbt.


Juan Arango

Der "Hurrikan der Karibik", wie er einst genannt wurde, hatte einen begnadeten linken Fuß, den man nicht nur in der Bundesliga fürchtete. Für ​Borussia Mönchengladbach trat er in der Bundesliga die ruhenden Bälle, meist blieb den Torhütern nur der Blick hinterher. Sowohl Hannover 96 als auch der FC Schalke 04 haben schon sehr schlechte Bekanntschaft mit dem Venezolaner machen dürfen.

Juan Arango


Zico

Der Brasilianer Zico, der mit bürgerlichem Namen Arthur Antunes Coimbra heißt, war Brasiliens Freistoßspezialist, bevor es Ronaldinho gab. Sein brasilianischer Teamkollege Leonardo Nascimento de Araujo sagte einst: "Für uns war ein Freistoß vom Rand des Strafraums fast wie ein Elfmeter." Denn wenn Zico antrat, wusste man meist, was die Stunde geschlagen hatte. Die Zahlen über seine wirklichen Erfolge gehen weit auseinander, aber das Minimum von 62 Freistoßtoren spricht bereits Bände.


Andrea Pirlo

Der italienische Dirigent hängte vor wenigen Jahren die Fußballschuhe final an den Nagel, aber was er mit dem Ball anstellen konnte, ließ dem wahren Fußballfan den Atem stocken. So sehr seine taktischen Fähigkeiten und seine Übersicht im Spiel gefragt waren, so sehr behielt er die Ruhe bei Freistößen und guckte seine Gegenspieler dabei genau aus. Dabei schaute er sich die Technik von Juninho an, kopierte sie und fügte seinen eigenen Stil hinzu. Er nannte ihn "Maldetta", was übersetzt soviel wie "der Verfluchte" bedeutete.

Andrea Pirlo


Ronaldinho

Auch der zweite Brasilianer in dieser Reihe hat bereits abgedankt, aber seine Tore und insbesondere seine Freistöße werden immer in Erinnerung bleiben. Unvergessen sein Freistoß gegen England bei der WM 2002, als er David Seaman düpierte, oder auch sein Freistoß gegen Werder Bremen in der Königsklasse mit dem ​FC Barcelona, als alle Spielerhochsprangen und er den Schuss frech unter der Mauer mit der lächerlichen Geschwindigkeit von 64 Stundenkilometer durchschob. Tim Wiese träumt heute noch schlecht von diesem Tor.


David Beckham

Der Engländer war alles andere als ein überragender Fußballer, das sagte selbst sein ehemaliger Trainer Sir Alex Ferguson über 'Becks'. Was er aber mit ruhenden Bällen anstellte, brachte ihm letztlich den Kultstatus ein, den er heute hat und pflegt. Kein Engländer hat mehr Standardtore erzielt als der Glamourman. Und ohne diese wäre er tatsächlich nur ein Fußballer unter vielen.

Peter Lim,David Beckham


Sinisa Mihajlovic

Der frühere Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien ist heute Trainer in Italien bei Bologna, war aber während seiner Karriere als Freistoßschütze gefürchtet. Nicht umsonst hält er den Rekord für die meisten Freistoßtore der italienischen Serie A. Sein Meisterstück gelang ihm, als er in einem Meisterschaftsspiel gegen Sampdoria Genua drei Freistoßtore erzielte, was bis heute unerreicht ist.


Juninho

Der Brasilianer, der auch als Juninho Pernambucano bekannt ist, ist nach wie vor der größte Schütze aller Zeiten. 77 Tore sind überliefert, am Ende waren es sicher noch viel mehr. Während Cristiano Ronaldo sich für einen oder zwei Freistoßtreffer in der Saison abfeiern lässt und sich für den besten Schützen der Welt hält, zelebrierte der Brasilianer dieses Gefühl und diese Genauigkeit Spieltag für Spieltag. Mit Olympique Lyon wurde er siebenmal Meister, mit Fußball hat der 44-Jährige aber heute nichts mehr zu tun.

Juninho Pernanbucano