​Er hatte es ja bereits vor längerer Zeit verkündet: nein, an den direkten Aufstieg glaube er nicht mehr. Doch auch das Schlupfloch Relegation, mit dem ​Klaus-Michael Kühne noch irgendwie gerechnet hatte ("Der ​HSV ist Spezialist in Relegation") ist im Schlussspurt der Saison noch verfehlt worden. Entsprechend enttäuscht meldet sich der Investor jetzt per Twitter zu Wort - mit durchaus berechtigten Forderungen. 


Selbstverständlich konnte es sich der Milliardär nicht verkneifen, nochmals zu verkünden, dass er es schon alles hatte kommen sehen:

 

"Ich habe Aufsichtsrat und Vorstand der HSV Fussball AG sowie den Präsidenten des Hamburger Sportverein e.V. am 26. Februar ds. Js. schriftlich empfohlen, den Trainer auszuwechseln, weil sich mit dem in Regensburg verlorenen Spiel der Niedergang für mich abzeichnete und er durch falsche Entscheidungen des Trainer gekennzeichnet war. Ich habe das Erfordernis eines Trainerwechsels anschliessend mehrfach thematisiert. Die fehlende Handlungsbereitschaft der einschlägigen Gremien war aus meiner Sicht verhängnisvoll. Dass der Aufstieg nicht gelingen würde, war mir schon vor mehreren Wochen klar."  


Rumms! Ein verbaler Rundumschlag gegen alle Verantwortlichen im Klub - aber von der Tonart her akzeptabel, und in der Sache sowieso absolut berechtigt. Interessanter ist da schon der zweite Teil seiner Ausführungen. Der lässt nämlich durchschimmern, dass er auch weiterhin in das Projekt involviert sein wird: 

"Ich hoffe, dass nach mutigen Personalentscheidungen eine gänzlich neue Mannschaft aufgebaut wird. Das wird ein hartes Stück Arbeit werden, denn die Konkurrenz ist auch in der ​2. Bundesliga sehr gross. Aber nur ein Neuanfang mit vielen frischen, engagierten Spielern kann zu Aufbruchstimmung und einer neuen Moral führen." 


Recht hat er auch da. Wer Kühnes Einfluss nicht gut findet, soll gefälligst Alternativen benennen. Bis dahin muss man mit dem vorlieb nehmen, was man hat. Immerhin hat der Logistikunternehmer zuletzt schon unter Beweis gestellt, dass es ihm nicht um Rendite allein geht. Wäre bei einem geschätzten Privatvermögen von mehreren Milliarden Euro auch irgendwie seltsam. Man spürt schon: dieser Mann will auch nur das, was alle Fans wollen - einen erfolgreichen HSV, der der Stadt und seinen zahlreichen Fans im In- und Ausland wieder Spaß bereitet. Und alle seine Forderungen (radikaler Umbruch, Mut zu unpopulären Entscheidungen) finden sich auch in den meisten Kommentaren der Sport-Redaktionen dieses Landes wieder.