Max Kruse hat in seiner Karriere schon sehr viel erlebt. Von der Nationalmannschaft bis zu den ganz großen Fehltritten war schon alles dabei. Vor drei Jahren begann dann ein neues Kapitel, was sich auch deutlich von seiner restlichen Laufbahn abhebt. Nun steht allerdings die große Frage im Raum, ob Kruse nach diesem Sommer noch eine Zukunft in Bremen hat und haben will. Unter Betrachtung aller Faktoren, gibt es auf diese Ungewissheit aber nur eine logische Antwort.


Seit Monaten beschäftigt man sich in ganz Bremen mit dem Thema Max Kruse. Im Vordergrund stehen aber nicht etwa disziplinarische Verfehlungen, oder schlechte Leistungen wie es schon öfter in Kruses Karriere vorkam. Ganz im Gegenteil, der SVW hofft sehnlichst auf eine mögliche Verlängerung des Vertrags von Kruse, seit einer langen Zeit wird nämlich schon über die Zukunft des 31-Jährigen gerätselt.


Eine Antwort auf die Frage blieb allerdings lange offen, und wird auch in den nächsten Tagen noch nicht komplett geklärt sein. Kruse deutete nämlich an, dass er mit einer Entscheidung noch abwarten will, bis ihn Angebote von Spitzen-Klubs erreicht haben. Werders Sportchef Frank Baumann hat dem Poker aber ein Zeit-Limit gesetzt, bis Ende Mai soll für alle Beteiligten absolute Klarheit herrschen.


Das Ziel der Bremer ist es natürlich, den Vertrag von Kruse zu verlängern, der offiziell in diesem Sommer ablaufen wird. Auf der anderen Seite steht allerdings der 31-Jährige Angreifer, der ebenfalls eine ungewisse Zukunft vor sich hat. Doch Kruse scheint sich sicher zu sein, was er bis zum Ende seiner Karriere noch einmal erreichen will, da stellt sich nur die Frage, wo er seine Ziele am ehesten erfüllen könnte. Bei jedem Faktor gibt es nämlich nur einen Klub, der komplett auf die Erwartungen von Kruse angepasst zu sein scheint.


Werder und Kruse, das passt einfach

Wenn man sich die letzten drei Jahre von Kruse in Bremen betrachtet, dann lässt sich nur wenig Negatives feststellen. Seine insgesamt zweite Anstellung bei den "Grün-Weißen", unterscheidet sich nämlich fast schon radikal von der doch durchaus durchwachsenen Laufbahn des 31-Jährigen. Woran liegt es also, dass Kruse so gut zu Werder passt, dass es kaum eine bessere Alternative zu geben scheint?


Zum einen ist da natürlich die Leistung des ehemaligen Nationalspielers hervorzuheben. Seit seiner Verpflichtung 2016, bei der Werder den Angreifer für 7,5 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg loseiste, etablierte sich Kruse sofort als Stammspieler. In nun schon 93 Pflichtspielen mit den Werderanern, erzielte er 35 Tore und legte weitere 30 Treffer auf. Vor allem in der Bundesliga konnte er sofort glänzen. In dieser Saison erreicht Kruse nun schon zum zweiten Mal die Marke von 20 Torbeteiligungen pro Saison in drei Jahren.

Max Kruse

Kruse ist offensiv extrem variabel und gefährlich


Zusätzlich wurde er im System der Bremer immer wichtiger. Als variabler Offensiv-Motor kann er sowohl als Sturmspitze, Mittelstürmer oder sogar als offensiver Mittelfeldspieler eingesetzt werden. Kruse funktioniert mit jedem seiner Mitspieler, auch als Standard-Spezialist machte er sich immer mehr einen Namen. Hervorzuheben ist natürlich auch seine weiterhin wahnsinnig gute Elfmeter-Quote. In seiner gesamten Profi-Karriere verschoss er noch keinen Strafstoß, in Bremen kamen neun zu den insgesamt 21 hinzu.


Doch nicht nur durch seine Leistungen ist Kruse immer wichtiger geworden. Er steht auch für die gleichen Ziele wie Bremen ein, nämlich endlich wieder nach Europa zu kommen. Das könnte allerdings das große Manko dieser Saison sein, denn noch grenzt die Qualifikation zur Europa League noch an ein kleines Wunder, das könnte Kruse zum Abgang bewegen. Doch auch in diesem Punkt gibt es eigentlich keine zwei Meinungen, denn Kruse kann in Bremen trotzdem noch alles erreichen.


Wenn der Stürmer nämlich an der Weser bleiben würde, wäre quasi der komplette Kader dieser Saison auch im nächsten Jahr wieder zusammen. Da man bereits gesehen hat, wie sehr sich der SVW in dieser Spielzeit entwickelt hat, könnte sich Bremen nach dem Sommer vielleicht zu einem absoluten Spitzen-Klub entwickeln. Auch wenn es jetzt also noch nicht zum europäischen Geschäft reichen würde, könnte man in Bremen in der nächsten Saison umso mehr angreifen.

Max Kruse,Johannes Eggestein,Maximilian Eggestein,Milot Rashica

Extrem viel Potential, und Kruse ist mitten drin


Das vielleicht größte Argument für einen Verbleib Kruses könnte aber die einzigartige Rolle des Angreifers an der Weser sein. In dieser Saison wurde er von Trainer Florian Kohfeldt und dem Team zum Kapitän ernannt, als unvergleichlicher Kämpfer setzt er dies auf dem Platz auch komplett um. Der Publikums-Liebling hat eine enorme Mentalität, auch ist ihm die Spielphilosophie des SVW mehr anzumerken als jedem Anderen. Lange gab es in Bremen keinen solchen Star mehr, der trotz seines Status in jeder Spielminute an Werder denkt.


Ein Verlängerung des Vertrags könnte vor allem ein Zeichen sein und fast schon eine neue Ära einläuten. Kruse wäre nämlich der erste absolute Leistungsträger seit langem, der sich eben nicht zu einem anderen Klub ziehen lässt, sei es wegen einer vermeintlich besseren sportlichen oder finanzielle Perspektive. Auch spielte Kruse noch nie im Ausland, ein Zeichen dafür, wie wichtig ihm seine eigene Perspektive ist und ein Wechsel auch immer ein Risiko darstellt.


Der eigentlich so intelligente Kruse machte zuletzt nämlich nicht durch Eklats oder Skandale auf sich aufmerksam, sondern trat mit aufgeklärtem Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit und dem Verein auf. Denn der Angreifer entwickelte sich in Bremen und reifte immer weiter, so dass er zu diesem Zeitpunkt vielleicht kompletter ist, als er es je zuvor war. So ist es durchaus denkbar, dass sich Kruse für einen wahrscheinlich klügeren Verbleib entscheidet.

Florian Kohfeldt,Max Kruse

Kruse entwickelte sich unter Florian Kohfeldt auch mental noch enorm weiter


Doch neben der Perspektive und der Entwicklung Kruses, wäre eine Verlängerung auch ein deutliches emotionales Zeichen des Kapitäns. Kruse scheint nach etlichen schweren Phasen in seiner Karriere endlich in Bremen angekommen zu sein, nirgendwo sonst hat er auf Dauer eine solche Zufriedenheit und den Spaß am Fußball gezeigt. Die große Frage ist also nicht, ob der 31-Jährige wirklich bleibt oder nicht, sondern wo er die selbe Situation vorfinden würde, wie bei Werder.


Bremen macht Kruse besser, Kruse macht Bremen besser


Mit über dreißig Jahren hat Kruse immer noch eine große Perspektive in Bremen, die Fans hat er komplett im Rücken und nirgendwo sonst konnte sich Kruse auf Dauer so gut einbinden. Auch das Gehalt könnte bei einer Verlängerung angehoben werden, doch dies wird kaum das ausschlaggebende Argument sein. Kruse möchte zum Ende seiner Karriere hin noch einmal nach Europa und weiterhin auf seinem besten Niveau spielen.


Alles, was der Kapitän sich also für seine Zukunft wünschen würde, hätte er bereits schon jetzt in Bremen. Die Vergangenheit zeigte, dass sich Kruse nicht überall wohl fühlt, deswegen wäre es umso wichtiger für ihn und für Werder, wenn man weiter miteinander planen könnte. Ein möglicher Abschied ist natürlich trotzdem denkbar, doch dass der Kapitän weiter an Bord bleibt ist die vielleicht beste Lösung für alle. 


Sowohl Werder als auch Max Kruse können noch lange nicht fertig sein. Und so gibt es am Ende ein klares Ergebnis nach einer langen Rechnung: Kruse und Werder, das passt zu 100 Prozent!