​Nachdem die vergangene Europapokalwoche ausnahmsweise mal den Fußball im Vordergrund stehen hatte, kehrt nach der Festlegung der Finalspiele Ernüchterung ein. Grund dafür sind zum einem der Austragungsort Baku (Aserbaidschan) der Europa League und das niedrige Kartenkontigent der Finalteilnehmer Chelsea und Arsenal mit je nur 6000 Karten. Fans und Vereine protestieren nun gegen die UEFA, selbst Liverpool-Trainer Jürgen Klopp schaltet sich ein.


In der Europa League stehen sich mit ​Chelsea und ​Arsenal zwei Stadtrivalen aus London gegenüber. Auf der Hand läge nun eine Austragung in London oder zumindest in England, um Anreisen zu verkürzen, Kosten zu reduzieren und, heutzutage wichtiger denn je, die Umwelt weniger zu belasten. Die UEFA aber legte das Finale bereits vor zwei Jahren nach Baku an den Kaukasus. Zugegeben, niemand, auch nicht die UEFA, konnte das diesjährige Finalspiel erahnen und den Austragungsort dementsprechend abstimmen. Doch Baku zeigt uns jetzt, wie irrwitzig die UEFA sein kann. 


Zuerst einmal: Fußball findet nicht nur in Mitteleuropa statt. Dass durch Austragungen außerhalb von Deutschland, England, Italien und Co auch Menschen in weniger "bekannten" Staaten am Fußballleben teilnehmen sollen und dürfen, ist selbstverständlich und sollte unterstützt werden. Der Fußball hat die Aufgabe, Europa weiter zu vereinen.


Allerdings sollten bei der Standortvergabe der Austragungsorte noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Ganz wichtig: Reisefreiheit. Schade nur, dass man zur Einreise nach Aserbaidschan ein Visum benötigt, da keine Reiseerleichterungen zwischen der EU und Aserbaidschan existieren. Die Entfernung zum Staat im Kaukasus ist dazu alles andere als einfach. Die einzige Möglichkeit für Fans ist die Anreise per Flugzeug. Der Flughafen Baku ist jedoch leider nicht der Größte, weshalb die UEFA auch das Kartenkontigent soweit heruntergeschraubt hat, um die Logistik in der Hauptstadt nicht zu überfordern. Und das, obwohl das Stadion von Baku fast 70.000 Menschen Platz bietet.


Zudem steht der Staat Aserbaidschan nicht wirklich für Menschenrechte. Ausbeutung und Pressefreiheit sind nur zwei Kritikpunkte von vielen. Der Fußball dagegen steht für Freiheit, Gleichheit, Zusammenhalt und mehr. ​Ein Skandal wäre es auch gewesen, wenn der Armenier Mkhitaryan nicht nach Aserbaidschan hätte einreisen dürfen, da zwischen seinem Heimatland und dem Austragungsland diplomatische Beziehungen auf Eis gelegt wurden. Gott sei es gedankt, muss man hierbei fast schon sagen, hat Aserbaidschan heute bestätigt, den Armenier einreisen zu lassen und für seine Sicherheit zu sorgen. Willkommen im 21. Jahrhundert in Europa.

Ross Barkley,Ainsley Maitland-Niles

Sehen sich in Baku wieder: Ross Barkley mit Chelsea (links) und Ainsley Maitland-Niles mit Arsenal (rechts)



Laut des ​kicker gehen die diesjährigen Finalisten nun auf die Barrikaden, auch die Finalisten der Champions League ​Liverpool und Tottenham, die es mit dem madrilenischen Wanda Metrapolitano noch gut erwischt haben. Die Klubs fordern von der UEFA dringend Reformen, um solche Umstände zukünftig zu verhindern. Auch Jürgen Klopp schließt sich dem an. "Ich wüsste gerne, was die Leute, die diese Entscheidungen treffen, zum Frühstück essen", wird der Liverpooler Coach zitiert.


Also UEFA, wenn ihr wirklich für Fannähe stehen solltet, schaut euch doch bitte die Finalisten der letzten zehn Jahre an und richtet eure Austragungsorte dementsprechend aus. Nicht das im kommenden Jahr das Finale Atletico gegen Real Madrid im weißrussischem Minsk oder dem türkischen Antalya ausgetragen werden muss. Gebt den Fans den Fußball zurück und macht ihn nicht zur Luxussportart, indem ihr die Anhänger zu weiten, teuren Anreisen zwingt.