Nachdem es die Spatzen bereits ein paar Wochen von den Dächern pfiffen, kam gestern Abend von ​Schalke selber auch die offizielle Mitteilung: ​David Wagner wird zur nächsten Saison S04-Trainer. Wagner ließ bei Huddersfield einen anderen Fußball spielen als Schalke, sein Stil soll Inspirationen von Klopp und Rangnick haben. Davon dürften einige Schalke-Spieler stark profitieren.


Über die letzten beiden Spielzeiten glänzte Schalke nicht wirklich mit "Hurra-Fußball". Unter Tedesco besann sich die Mannschaft eher auf die Grundlagen, sicheres Verteidigen und möglichst gefährliche Nadelstiche nach vorne, im besten Fall gepaart mit eiskalter Effizienz. Das verhalf ihnen letztes Jahr zur sicheren Vizemeisterschaft, doch in dieser Saison fielen die Schalker damit voll auf den Hintern. Dass Stevens während seiner Rettungsmission nicht  plötzlich offensiven Fußball spielen ließ, ist und war verständlich und nicht anders zu erwarten.


Jetzt ist der Klassenerhalt sicher und die Weichen für eine (erneute) neue Zukunft sollen gestellt werden. Jochen Schneider will S04 weiter professionalisieren, und will (s)ein neues Schalke bauen. Dabei will er, wie er auf seiner Antritts-Pressekonferenz verkündete, auf eine schnelle, offensive und begeisternde Fußball-Philosophie setzen. Das hatte er jahrelang bei RB Leipzig auch so gelernt. Sein erster und womöglich wichtigster Schritt dafür: Der neue Trainer, David Wagner.

Jochen Schneider

Schneider gibt in diesen Wochen die Richtung bei S04 vor



Wagner ließ bei seiner ersten Profi-Station als Trainer in Huddersfield offensiven, pressing-intensiven Fußball spielen, bei dem viel über die hoch stehenden Außenverteidiger und über ans Leistungslimit getriebene Spieler lief. Dabei soll er viel von Jürgen Klopp und Ralf Rangnick gelernt haben. Schneider will mit ihm die "neue Art Fußball" auf Schalke etablieren. Davon könnten einige Spieler besonders profitieren, die zuletzt auch unter der Art und Weise der Spiele gelitten haben.


Sebastian Rudy ist einer dieser Kandidaten. Als Wunschtransfer von Tedesco im Sommer gekommen, fühlte er sich in dieser Saison sichtlich unwohl. Wenig Einsatzzeiten, viel Rotation, kein passendes Profil für den defensiven und abwartenden Stil. Mit Wagner, der - sehr einfach gesagt - Fußball spielen will, könnte sich das ändern. Als Ballverteiler im Zentrum, entweder auf der Sechs oder der Acht, trumpfte Rudy zum Beispiel in Hoffenheim auf. Er war eine der (im wahrsten Sinne des Wortes) zentralen Figuren im vertikalen Offensiv-Spiel von Julian Nagelsmann, glänzte dort mit wichtigen Pässen und der nötigen Ruhe im Aufbauspiel. Sollte er über den Sommer hinaus bleiben, und Wagner seinen Stil umgesetzt kriegen und wollen, könnte Rudy davon stark profitieren.


Ein weiterer Kandidat könnte Amine Harit sein. Momentan scheint ein Verbleib unwahrscheinlich zu sein, so soll er nicht zuletzt wegen charakterlicher Probleme auf der Abschuss-Liste stehen. Doch ein schneller Spieler, der sowohl zentral offensiv, als auch auf dem Flügel einsetzbar ist, könnte dem Wagner-System gut helfen. Oft hat dieser im 4-2-3-1 spielen lassen, oder auch im 3-4-3, was sich natürlich real-taktisch im Spiel anders darstellen kann. Dort könnte ein schneller, dribbelstarker Spieler wie er aufblühen, wenn er die dann mittlerweile dritte Chance auch nutzt. Er wird vermutlich auch Gespräche mit Wagner führen.

Michael Gregoritsch,Amine Harit

Harit (l.) ist schnell, dribbelstark, gilt aber als charakterlich fragwürdig



In die gleiche Richtung könnte es mit Rabbi Matondo gehen. Auch wenn er vermutlich noch kein Stammspieler wird, könnte er gut die Rolle eines wichtigen Rotationsspielers unter Wagner einnehmen. Im Winter erst in den Ruhrpott gekommen, hat er noch viel Zeit auf Schalke vor sich. Doch bei ihm wäre es ähnlich wie bei Harit. Mantondo soll bei ​ManCity schneller gewesen sein als ein gewisser Leroy Sané, dieser Ruf eilt ihm voraus. Mit mehr Spielzeit, somit mehr Erfahrung, könnte er in der kommenden Saison eine gute Wechsel-Option für einen erneuten Tempo-Schub auf außen spielen.


Doch nicht nur der offensive Part spielt eine wichtige Rolle. Die (zwei) Innenverteidiger waren bei Wagner bisher wichtige Säulen im Spielaufbau. Während die Außenverteidiger hoch und offensiv aktiv mitspielen sollen, haben die Innenverteidiger die Aufgabe, mit Ball- und Passsicherheit, die ersten Linien zu überspielen. So soll der Aufbau bzw. das Umschalten schnell gelingen. Dafür sind mit Nastasic, Stambouli und Sané alle aktuellen Innenverteidiger gute Kandidaten. Da allerdings voraussichtlich nur noch zwei benötigt werden, könnte Stambouli auf die Sechs zurückkehren. So hätte man dort mit Rudy einen, der für den offensiveren Part und die direkten, fast "finalen Pässe" verantwortlich ist, und mit Stambouli den eher defensiveren Abräumer, ebenfalls mit Sicherheit am Ball, in einem 4-2-3-1.

Benjamin Stambouli

Kapitän, Fan-Liebling, Malocher und Vorzeige-Profi: Benjamin Stambouli



Insgesamt würden am Ende natürlich auch die Stürmer allgemein profitieren. Diese bekamen in dieser Saison sehr wenig Chancen vorgelegt. (Gute) Flanken gab es eigentlich nie. So fungierten sie oft eher als Empfänger hoher und weiter Bälle, um dann den "zweiten Ball" zu sichern. Mit einem offensiveren Spielstil würden sie dementsprechend natürlich auch deutlich mehr Torchancen bekommen, müssten sich dann im Abschluss beweisen und nicht mehr selber versuchen, irgendwie in die Nähe des Tors zu kommen.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es unter David Wagner und seinem System viele Gewinner geben würde. Der Fußball würde dazu mehr Fans und auch Außenstehende begeistern. Viele Gewinner - und auf den ersten Blick eigentlich keine wirklichen Verlierer. Wie immer gilt: Jeder Spieler muss sich beweisen.