​Eigentlich müsste die Stimmung bei ​RB Leipzig derzeit sehr ausgelassen sein. Schließlich haben die Sachsen die Teilnahme an der Champions League längst gesichert und stürmten zudem ins Finale des DFB-Pokals. Als Vater des Erfolges gilt dabei ​Ralf Rangnick. Sein Drang nach mehr Macht innerhalb des Vereins, sorgt nun intern aber offenbar für Probleme.


In der aktuellen Spielzeit kann sich der 60-Jährige Fußballfachmann mit Sicherheit nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Im vergangenen Sommer hatte sich der gebürtige Schwabe schließlich dazu bereit erklärt für eine Saison die kräftezehrende Doppelrolle als Sportdirektor und Cheftrainer auszufüllen. In wenigen Monaten wird Julian Nagelsmann wie bereits längst angekündigt den Posten des Cheftrainers übernehmen.


Bislang konnte davon ausgegangen werden, dass Rangnick dann wieder alle Aufmerksamkeit auf seine Aufgaben als Sportdirektor der Roten Bullen lenken wird. Laut kicker-Informationen soll dieses Aufgabenfeld dem erfolgsverwöhnten Funktionär aber längst nicht mehr ausreichen und so pocht der ehemalige Schalke-Coach auf noch mehr Macht. Dabei hat Rangnick offenbar das große Ganze im Blick und wünscht sich noch mehr Mitbestimmungsrechte bezüglich der generellen Ausrichtung des gesamten Fußball-Imperiums von Red Bull.

Ralf Rangnick

Ralf Rangnick will keine Kompromisse eingehen


Ein Hauptaugenmerk wolle er dabei auch auf die Ableger In New York und Brasilien legen. Dabei habe er sich zum Ziel gesetzt, dass gesamte Potenzial beider Standorte zum Vorschein zu bringen. Bislang packten nur wenige dort aufgebaute Talente den Sprung in die Bundesliga. Unter dem wachsamen Auge des gewieften Kaderplaners sollen zukünftig aber keine Rohdiamanten übersehen werden.


Bereits im Februar soll Rangnick dem RB-Boss Ralf Mateschitz und ​Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff seine Änderungsvorschläge unterbreitet haben. Sein Vorstoß erntete aber nicht den erhofften Applaus und so sollen sich die Fronten zwischen den einzelnen Machtinhabern seitdem verhärtet haben. Vor allem Mintzlaff will offenbar keine eigenen Kompetenzen aufgeben und wähnt sich ins zweite Glied zurückgedrängt.


Die Gespräche um eine Neuaurichtung des Konzerns liegen nun wohl noch bis zum Saisonende vorerst auf Eis. Falls sich beide Seiten dann nicht annähern, könnte es trotz bis 2021 datiertem Vertrages womöglich gar zu einer Trennung von Rangnick kommen. 

Oliver Mintzlaff

Die Autorität von Oliver Mintzlaff droht unterwandert zu werden


Stand jetzt, erscheint dieses Szenario angesichts der jüngsten Erfolge zwar eher unwahrscheinlich, gänzlich unvorbereitet auf einen solchen Ausgang der Verhandlungen, wollen die Sachsen aber nicht sein und so schauten sich die RB-Verantwortlichen bereits nach möglichen Nachfolgern um. Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder und Paderborn-Geschäftsfüher ​Markus Krösche wurden dabei bislang die aussichtsreichsten Chancen ausgerechnet.


Durch seine hervorragende Arbeit in den letzten Monaten hat sich Rangnick aber in eine starke Verhandlungsposition gebracht. Die RB-Bosse dürften sich zwei Mal überlegen, ob sie einen der anerkanntesten Fußballfachmänner des Landes ohne große Not ziehen lassen sollten. Gesetz des Falls, beide Seiten finden keinen Konsens, würden sich wohl einige Topadressen um den Sportdirektor reißen. Selbst ein Engagement als Cheftrainer wäre angesichts dieser Saison keineswegs auszuschließen.