Nach den neuen Schlagzeilen über das Interview zwischen Schalke-Chef Clemens Tönnies und Schalke-TV, in dem er u.a. Kritik an Ex-Manager Christian Heidel übte, scheint es weitere interessante Aussagen zu geben. So soll Tönnies auf einer Bezirksversammlung des SFCV (Schalker Fan-Club Verband e.V.) weiter in Redelaune gewesen sein, sprach beispielsweise über den neuen Trainer und andere Personalien.


Gestern Abend hat im Rahmen des SFCV eine der Bezirksversammlungen stattgefunden. Clemens Tönnies und Stefan Gesenhues, beide im Aufsichtsrat von ​Schalke 04, waren anwesend. Im Transfermarkt-Forum hat User "nicocino", der nach eigenen Aussagen ebenfalls teilgenommen hat, einige spannende Details und Aussagen der Versammlung zusammengefasst. Da diese allerdings weder aufgezeichnet, noch in irgendeiner Form (öffentlich) protokolliert werden, sollte man diese Aussagen nicht automatisch für bare Münze nehmen. Falls sie stimmen sollten, bieten sie allerdings die Möglichkeit, einige äußerst interessante Aussagen mitzubekommen. 


Ein paar der Aussagen von Tönnies spiegeln sich auch im bereits angesprochenen Interview wider, so zum Beispiel, dass ​Heidel Domenico Tedesco in seiner Arbeit und mit Problemen alleine gelasse​n haben soll. Dazu soll Tedesco während der aktuellen Krisen-Saison auch "teilweise von morgens 7 bis abends 20 Uhr gearbeitet" haben, um die Trendwende zu schaffen. Demnach hätten sie ihn auch ein Stück weit "schützen" müssen.


Auch bei der Personalie Heidel selbst ließ sich Tönnies wohl noch zu ein paar Aussagen hinreißen. Ohnehin sei er in Plauderlaune gewesen. Tönnies soll die Kaderzusammensetzung Heidels kritisiert haben, manche Spieler habe er falsch eingeschätzt und Vertragsverlängerungen (Alex Nübel) "vergessen" - zudem habe er auch nicht gut im Team arbeiten können ("die Neuen können besser im Team arbeiten"), was sich zum Beispiel in einem Veto gegen eine Di Santo-Suspendierung (Stichwort "Schaufenster") gezeigt haben soll.

Christian Heidel,Clemens Toennies

So glücklich werden Heidel und Tönnies wohl nicht mehr zusammen zu sehen sein



Der User berichtet weiter, dass Tönnies und auch Huub Stevens im Sommer bezüglich einer Verpflichtung von Sebastian Rudy ihre Bedenken geäußert haben, doch er sei Tedescos Wunschtransfer gewesen. Auch wenn Rudy laut Tönnies nicht gerne in Zweikämpfe geht, sei er "deswegen aber kein schlechter Fußballer". Zum Fitness-Zustand der Mannschaft meinte Stevens zu Tönnies, es reiche nur für 70 Minuten. Im Schalke-TV Interview sagte Tönnies schon, dass sich der Verein im Konditionsbereich anders aufstellen würde, was für die Glaubwürdigkeit der Aussagen sprechen könnte.


Aussagen zur kommenden sportlichen Leitung


Ein anderer Punkt im S04-Interview war, dass laut dem AR-Vorsitzenden die Zeit für den "alleinigen Fachmann" im Fußball vorbei​ sei. Bei der Versammlung soll er dies nochmal erwähnt und so untermauert haben, dass man den Verein - auch wenn es ein e.V. ist - wie ein Unternehmen führen und Verantwortungen und Kompetenzen verteilen müsse. Sehr interessant: Der neue Trainer soll bereits "in der Nähe" gewohnt haben und den Verein kennen. Auch der neue Kaderplaner hat demnach schon erfolgreich in Deutschland gearbeitet, soll ein "Top-Fachmann" sein. 


Wenn man diesen Aussagen Glauben schenkt, stehen diese Personalien schon fest und sind so gut wie final entschieden, auch wenn die offizielle Verkündung noch aussteht. Christoph Metzelder soll wohl wegen Bedenken Schneiders nicht (mehr?) infrage kommen.


Der Verein wolle alle drei (Trainer, Sportdirektor, Kaderplaner) wenn möglich zusammen bekannt geben, "es dauert aber nicht mehr lange". Das stünde im Gegensatz zu vorherigen Berichten, nach denen es teilweise zu ​Bedenken gegenüber Schneiders Plänen gekommen sein soll. Das schien wohl auch Tönnies klarstellen zu wollen, er wird zitiert: "Was heute in den Medien zur gestrigen Sitzung stand, ist das genaue Gegenteil von dem, was abgelaufen ist."


Der neue Sportdirektor wird angeblich gute Möglichkeiten bekommen, im Sommer die ersten Umstrukturierungen im Kader einzuleiten. Ein "ansehnliches Budget" soll verabschiedet worden sein. Rudy sei vom neuen Trainer nicht abgeschrieben worden, Nübel stünde im Fokus mehrerer Vereine und Tönnies ärgere sich über dessen (für Schalke ungünstige) Vertragskonstellation, Stichwort Heidel. 

Alexander Nübel

Weckt durch gute Leistungen und die Vertragskonstellation Begehrlichkeiten: Alex Nübel



S04 vor Di Matteo fast mit Tuchel einig


Tönnies ließ wohl auch durchblicken, dass Thomas Tuchel fast S04-Trainer geworden wäre. Durch unkommentierte Komplikationen sei dies dann nicht mehr möglich gewesen, Roberto Di Matteo kam. 


Stefan Gesenhues soll überlegter in seinen Aussagen gewesen sein, hatte nicht ganz so spannende Einblicke zu gewähren. Laut ihm müsse der Verein einen Transfer in Erwägung ziehen, sollte ein "50-60 Millionen-Euro-Angebot" für einen Spieler kommen. Das überrascht wenig. Er erwähnte aber noch, dass es beeindruckend gewesen sein soll, wie "präzise und detailliert Jochen [Schneider] die einzelnen Kandidaten herausgearbeitet und vorgestellt hat". Der Spagat zwischen Fankultur und Kommerz wird laut ihm immer schwieriger, auch wenn die Fans das Wichtigste bleiben. 


Wie bereits zu Beginn erwähnt gibt es bezüglich des Wahrheitsgehalts der Aussagen auf der Versammlung keine stichhaltigen Beweise. Dennoch gelten sie im Austausch unter Schalke-Fans als glaubwürdig, weil sie häufig (befürchtete) Gerüchte indirekt bestätigen und zum Gesamtbild der aktuell noch laufenden Saison passen.


Wenn die Aussagen von Clemens Tönnies bezüglich der drei neuen Personalien stimmen, dann dürfte es noch vor Saisonende die offiziellen Bestätigungen geben. Auf Schalke bleibt es spannend.