Nach dem gesicherten Klassenerhalt am vergangenen Spieltag gegen den ​FC Augsburg hat sich Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef von ​Schalke 04, im Interview mit dem vereinseigenen Medium "Schalke-TV" zu Wort gemeldet. Dort spricht er über die aktuelle Saison, kommende Weichenstellungen, kritisiert aber vor allem Ex-Manager Christian Heidel stark. Auch seinetwegen habe der Verein u.a. Domenico Tedesco verloren.


Lange hatte er sich zurückgezogen, wollte sich aufgrund der vorhergegangenen Kritik bewusst nicht mehr öffentlich zum sportlichen Geschehen auf Schalke äußern. Jetzt scheint Clemens Tönnies wieder da zu sein, und eröffnet am Ende dieser Saison mit einer Welle an Kritik gegen Schalkes ehemaligen Vorstand Sport, Christian Heidel. Rückblickend gibt Tönnies im Interview mit Schalke-TV seine Sicht der Dinge wieder, sowohl bezüglich der Saison und der kommenden "Neuorientierung" (wie er es charmant nennt) ab Sommer, als auch auf die vergangenen Monate inklusive zwei verlorener Posten bezogen. 


Das Thema, dass sich Schalke neben dem Posten des Managers breiter aufstellen müsse, war letztes Jahr in aller Munde. Im angesprochenen Interview erzählt Tönnies, er habe Heidel bereits 2017, also noch vor der überraschenden Vizemeisterschaft, dazu geraten, sich und sein Team breiter aufzustellen. "Die Zeiten des alleinigen Fachmanns im Fußball, die sind vorbei", sagt der 62-Jährige und verweist auch auf die Konstellationen der erfolgreichen Vereine. 


Demnach habe Heidel die Vorschläge des Aufsichtsrats (folgend auch: AR) abgelehnt. Aufgrund des daraufhin folgenden Saisonendes als Vizemeister habe Tönnies ihm zunächst den Erfolg zugesprochen und ihm vertraut.

Christian Heidel

Christian Heidel wird von Clemens Tönnies nun stark kritisiert



Den größten Kritikpunkt an der Arbeit von Heidel findet Tönnies allerdings im Umgang mit Domenico Tedesco ("...den ich immer noch für überragend halte"). Demnach habe Tönnies im Namen des AR schon nach der ersten Saison mit Tedesco darauf hingewiesen, dass er "zu alleine" ist. "Domenico ist ein Stück weit alleine gelassen worden von Christian. Das moniere ich heute auch laut. Wir haben ihn dadurch verloren und das tut mir persönlich auch leid." Deutliche Worte gegenüber Heidel, der damit zum Hauptschuldigen am Scheitern Tedescos wird.


"Sowas würde ich nie machen!"


Auf die nun notwendige Arbeit angesprochen, die jetzt angegangen werden muss, um Schalke wieder in geordnete Bahnen zu lenken, verweist Tönnies ein weiteres Mal auf Heidel: "Zuallererst hat uns der Hauptverantwortliche den Kittel an den Nagel gehängt und gesagt, er wolle uns nicht länger im Weg stehen. Das habe ich in der Situation nicht verstanden, sowas würde ich nie machen, ich würde nie Schalke im Stich lassen." Daraufhin habe der AR in Jochen Schneider eine "gute Personalie" gefunden, der "übrigens nach dem Telefonat sofort zugesagt hat", betont Tönnies. 


Auf die kommende Saison gerichtet sagt Tönnies noch, dass der Kader ausgedünnt wird, das Team um die Mannschaft herum breiter aufgestellt und einige Bereiche wie beispielsweise die Konditions-Arbeit anders aufgestellt werden. Als Schlusspunkt: "Wir nutzen diese Krise, um Schalke wieder richtig auf die Beine zu stellen."


Clemens Tönnies wird sich am 30. Juni bei der Schalker Mitgliederversammlung zur Wiederwahl stellen müssen.