​Der Videobeweis erhitzte am Wochenende mal wieder die Gemüter und veranlasste unter anderem Freiburgs Trainer Christian Streich zu einer Wutrede gegen die Auslegung der Handspielregelung. Auslöser der Diskussionen war dabei ein glasklares Handspiel im Heimspiel von Hertha BSC gegen den ​VfB Stuttgart. Videoschiedsrichter Günter Perl lieferte nun Erklärungsansätze.


Beim Stand von 0:0 war es im Strafraum der Herthaner zu einer Situation gekommen, bei der ​Innenverteidiger Karim Rekik sich offenbar nicht anders zu helfen wusste, als das runde Leder in Torhütermanier wegzufausten. Schiedsrichter Daniel Schlager, dem dieses klar mit einem Elfmeter zu ahndende Vergehen entgangen war, konnte sich dabei nicht auf die Hilfe des Videoassistenten aus Köln verlassen und wurde nicht auf seinen Fehler hingewiesen.

Karim Rekik,Anastasios Donis

Karim Rekik kam am Samstag ungeschoren davon


Dabei muss man Videoschiedsrichter Günter Perl zumindest zugutehalten, dass er seine fatale Fehlentscheidung mittlerweile in einem Gespräch mit der BILD unumwunden zugab. "Es war fahrlässig von mir. Zeitgleich fand ein potenzielles Foul in Herthas Strafraum statt. Dieses wurde von uns überprüft, dabei haben wir das Handspiel von Rekik übersehen", so der 49-Jährige.


Der Umstand, dass die versammelte Referee-Gilde in Köln das klare Handspiel nach Aussage von Perl erst "zwei Minuten später auf dem Bildschirm gesehen" hatte und nicht wie die zahlreichen TV-Zuschauer zuhause nur kurz nach dem Vergehen, wirft jedoch alles andere als ein gutes Licht auf die Abläufe beim Videobeweis.


Der gebürtige Münchner wollte zwar "keine Ausrede" gelten lassen, betonte aber dennoch, dass es sehr "ungewöhnlich" sei, dass keinem der anwesenden Unparteiischen das Handspiel aufgefallen war. Für den VfB war die Fehlentscheidung definitiv sehr bitter, schließlich hätte man sich ausrechnen können, dass die Gastgeber bei einem frühen Rückstand aufgrund der schwachen Ergebnisse zuletzt wohl nur kaum einen 3:1-Sieg einfahren hätten können.

Nico Willig

Nico Willig konnte die Fehlentscheidung nur schwer akzeptieren


Auch ​VfB-Interimstrainer Nico Willig hatte daher nach der Auswärtspleite moniert, dass die Videoschiedsrichter in Köln bei dieser Szene nicht "online" gewesen waren. Bereits am Samstagabend sprang der ​VAR-Projektleiter Jochen Drees laut dem kicker seinen Schiedrichterkollegen jedoch zur Seite und erklärte, dass schließlich "Menschen und keine Maschinen" die bisweilen kniffligen Situationen zu bewerten haben.


Liegen die Referees aber auch in Zukunft selbst bei so eindeutigen Szenen immer wieder daneben, dürfte die Anspannung vor jedem Spiel für die Unparteiischen aufgrund der Angst vor einem weiteren Fehlgriff immer größer werden. Anstatt die Spielleitung, wie zuvor angedacht, für die Schiedsrichter durch die Einführung des Videobeweises zu erleichtern, scheint immer klarer zu werden, dass das genaue Gegenteil erreicht wurde.