​Nicht nur Interimstrainer Huub Stevens war nach dem 0:0-Remis seines ​FC Schalke 04 von einer Zentnerlast befreit. Eine gesamte Region atmete nach dem ​erreichten Klassenerhalt kollektiv durch. Sportvorstand Jochen Schneider steht dennoch vor einer Herkulesaufgabe und musste bei der Suche nach neuen sportlichen Entscheidern erneut einige Rückschläge hinnehmen.


Nur wenige Stunden bevor die Spieler der Königsblauen den Super-GAU abwenden konnten, stand für den neuen starken Mann auf Schalke eine kräftezehrende Sitzung mit dem Aufsichtsrat an. Doch anstatt danach endlich Ergebnisse vorweisen zu können, stehen die Knappen weiter mit leeren Händen da. So sollen gleich mehrere Vorschläge von Schneider laut kicker-Informationen auf wenig Gegenliebe gestoßen sein. 


Eine wichtige Aufgabe Schneiders ist es, den Verein nach der unterm Strich gescheiterten Ära seines Vorgängers Christian Heidel in der Führungsebene breiter aufzustellen. Klar ist daher schon lange, dass ein neuer Sportdirektor und auch ein Technischer Direktor ins Boot geholt werden sollen. Der Technische Direktor soll sich dabei vorrangig um die Kaderplanung kümmern und somit ein sehr wichtiger Anteil am Wiederaufbau des kräftig angeschlagenen Traditionsvereins sein.

Jochen Schneider

Jochen Schneider hat derzeit alle Hände voll zu tun



Dabei schickte Schneider mit ​Michael Reschke einen alten Bekannten ins Rennen. Noch vor wenigen Jahren hätte der gebürtige Schwabe dabei wohl nur wenig Mühe gehabt, die Schalke-Bosse von dem 61-jährigen Rheinländer zu überzeugen. Als Chefscout des FC Bayern München hatte sich Reschke schließlich einen exzellenten Ruf und ein breites Netzwerk im In- und Ausland aufgebaut.


Die vergangenen beiden Jahre haben dem Image des einst so hoch gepriesenen Funktionärs aber sehr geschadet. Nach einem kurzen Hoch mit dem VfB Stuttgart stürzte der dort im Sommer 2017 installierte Sportvorstand in dieser Spielzeit gnadenlos ab und wurde im Februar 2019 durch Thomas Hitzlsperger ersetzt. Dabei landete der Kaderplaner auf dem Transfermarkt zwar vereinzelte Treffer, viele kostspielige Neuzugänge erwiesen sich aber auch als echte Flops.


Wenig überraschend soll der Aufsichtsrat der Knappen daher wenig Begeisterung gezeigt und ein klares Veto gegen Reschke ausgesprochen haben. Doch nicht nur bei der Suche nach einem neuen Kaderplaner hakt es gewaltig, auch fähige Sportdirektoren wachsen wahrlich nicht auf Bäumen. Bis zuletzt machte dabei der Name Markus Krösche im Umfeld der Veltins-Arena die Runde.


Problem nur, dass der Geschäftsführer des SC Paderborn noch bis zum Sommer 2022 vertraglich an den Zweitligist gebunden ist. Dem Vernehmen nach könnte sich der 38-Jährige selbst einen Wechsel nach Schalke durchaus vorstellen - eine Ablösesumme, die angeblich bei rund vier Millionen Euro liegen soll, wären die Schalker aber wohl nicht bereit zu zahlen.


Last but not least, gilt es darüberhinaus auch noch immer einen neuen Coach zu finden. Stevens verabschiedet sich im Sommer wieder in seinen wohlverdienten Ruhestand und soll ohnehin Platz für frische Ideen machen. ​Schneiders Favorit David Wagner, der in der Vergangenheit mit dem kleinen englischen Klub Huddersfield Town in der Premier League für Furore sorgen konnte, muss sich aber noch gegen einige Bedenkenträger durchsetzen.


So zeigt sich der Aufsichtsrat dem Vernehmen nach noch nicht überzeugt davon, dass der 47-Jährige ausreichend Erfahrung vorweisen kann, um dem wankenden Riesen wieder auf die Beine zu helfen. Gute Chancen werden daher weiterhin ​Dieter Hecking eingeräumt. Der Noch-Gladbacher ist schließlich bereits mit allen Wassern gewaschen und gilt somit als eine Art Sicherheitslösung. Echte Aufbruchstimmung würde durch dessen Verpflichtung aber wohl nicht wirklich aufkommen.