Der ​Hamburger SV besitzt den jüngsten Kader der zweiten Bundesliga, die Ambitionen sind nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte dennoch groß. Das Ziel ist nicht weniger als der sofortige Wiederaufstieg, der nach der jüngsten Misere und der ohnehin schwachen Rückrunde in Gefahr gerät. Auf dem Trainerposten will Sportvorstand Ralf Becker dennoch nichts ändern und entschied sich nach einem Gespräch im Anschluss an die 0:3-Niederlage gegen den FC Ingolstadt für eine weitere Zusammenarbeit mit Hannes Wolf, die seiner Meinung nach alternativlos ist.


Seit nun mehr sieben Spielen warten die Hanseaten auf einen Sieg in der zweiten Liga, nur drei Punkte holte der frühere Bundesliga-Dino seit Ende März. Die Konsequenz: Nach den Spielen der Konkurrenz am Sonntag rangiert der HSV nur auf dem vierten Tabellenplatz. Nach den jüngsten Auftritten gegen Union Berlin (0:2) und dem FC Ingolstadt (0:3) herrscht in den Reihen der Fans allerdings die Befürchtung, dass es in den beiden übrigen Partien gegen den SC Paderborn und dem MSV Duisburg nicht zu mindestens einem Sieg reicht.


Wie in Hamburg typisch, gerät der Trainer umgehend in die Kritik. Unter Hannes Wolf, der die Mannschaft erst im vergangenen Oktober von Vorgänger Christian Titz übernahm, liegt der Verein in der Rückrunden-Tabelle auf Platz 16, gewann 10 von 22 Spielen und kassierte bereits sieben Niederlagen. 

Hannes Wolf

   Kann plötzlich nicht mehr gewinnen: Hannes Wolf verliert die Aufstiegsränge aus den Augen.


Unmittelbar nach dem Schlusspfiff ​vermied Becker ein Bekenntnis zum Trainer, nach einer Sitzung wenige Stunden später war klar, ​dass der 38-Jährige auch weiterhin auf der Bank Platz nehmen darf. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärte der Sportchef: "Wir sehen es differenziert, warum wir in den vergangenen sieben Spielen keine Ergebnisse erzielt haben, und sind grundsätzlich total überzeugt von unserem Trainer."


Der viel zitierte "Krisengipfel" sei keiner gewesen, schließlich habe der Trainer nie zur Debatte gestanden. "Wir waren uns relativ schnell einig", so Becker, der die Ergebnisse in der laufenden Rückrunde dennoch als "total unbefriedigend" bezeichnete.


Altbewährte Mittel sind keine Option mehr


Sein Schritt hat aber auch mit Kontinuität zu tun. In den vergangenen Jahren kamen und gingen Trainer und Funktionäre wie am Fließband, kaum jemand schaffte es, den Verein in ruhige Fahrwasser zu führen. Das Resultat: "Mittlerweile sind wir ein Zweitligaverein und haben kein tolles Konto. Wir brauchen Kontinuität. Wenn wir immer direkt unruhig werden, stürzt man irgendwann ins Vollchaos."


Der herrschenden Kritik müsse man sich stellen, die Situation "gemeinsam aushalten." Grundsätzlich aber bleibt die Überzeugung, mit Wolf im Oktober den richtigen Trainer verpflichtet zu haben. Dieser feierte seinen letzten Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den SC Paderborn, vor dem erneuten Aufeinandertreffen mit den Ostwestfalen in einer Woche deutet Becker dies als gutes Omen: "Wir sind überzeugt davon, dass wir in dieser Konstellation die Kurve kriegen und eine sehr große Chance haben, auch jetzt in Paderborn zu gewinnen. Es ist für uns ein Endspiel, aber wir haben ein sehr, sehr gutes Gefühl – auch wenn es aktuell schwerfällt."