Am Anfang dieser Woche gab es Berichte, dass mehrere Vereine aus Italien Interesse an ​Schalkes Daniel Caligiuri hätten. Unter den Vereinen soll sich auch der AC Mailand befinden, von dem der Rechtsfuß laut eigenen Aussagen schon als Kind ein großer Fan war. Falls es tatsächlich zu ernsten Anfragen aus Mailand kommt und Caligiuri wechseln wollen würde, wie sollte sich der S04 verhalten? Ein Kommentar.


In seinen mittlerweile fast zweieinhalb Jahren auf Schalke ist Daniel Caligiuri eine feste Stütze des Teams, hat sich in die Herzen vieler Fans gespielt und gekämpft, und ist zudem Teil des Mannschaftsrats. Auch über die bisherige Saison hinweg ist er mit der wertvollste Schalker auf dem Platz, führt mit sieben Toren und fünf Assists die Scorer-Liste der Knappen an. Zu Beginn der Woche dann die Berichte, dass ​italienische Top-Clubs an ihm interessiert sein sollen. Auch dabei: AC Mailand.


Caligiuri ist Deutsch-Italiener, sein Vater kommt aus Italien. Das Besondere an den Gerüchten ist, dass er und seine Familie eigenen Aussagen nach große Mailand-Anhänger sind: "Ich war schon als Kind großer Milan-Fan", sagte er im Frühjahr 2015 (damals noch beim ​VfL Wolfsburg) gegenüber der Wolfsburger Allgemeine. "Mein Papa kommt aus dem Süden Italiens, aus Kalabrien, aber sein Herz schlägt auch für Milan. Meine Oma, mein Onkel und weitere Familienmitglieder sind in Mailand zu Hause. Sie alle drücken Milan die Daumen", so Caligiuri weiter. 


Im Falle eines Angebots aus Mailand muss sich Schalke dann die Frage stellen: Ihm nach all seinen Diensten im königsblauen Trikot die Chance ermöglichen, für  "sein Mailand" zu spielen, oder den mittlerweile 31-Jährigen halten?

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Caligiuri ist auch auf Schalke schnell ein wichtiger Führungsspieler geworden



Zunächst ist da noch der bis Ende nächster Saison laufende Vertrag auf Schalke. Eine mögliche Ablöse (aktueller Marktwert: 7,5 Millionen Euro) könnten die Schalker unter diesen Umständen also nur noch in diesem Sommer generieren. Die Ablösesumme dürfte sich bei einem Verkauf grob im niedrigen zweistelligen Bereich ansiedeln, doch Caligiuri ist für Schalke weitaus wichtiger. Nicht nur durch fast immer konstante Leistungen, sondern auch als Führungsspieler innerhalb des Teams. Dazu kommt die enorme (Bundesliga-)Erfahrung, da er bereits über neun Jahre in der Liga spielt. 


Aus finanzieller und sportlicher Sicht ergibt ein Verkauf meines Erachtens für den Verein überhaupt keinen Sinn, zumal ein mindestens gleichwertiger Ersatz in der aktuellen Situation des S04 in diesem Sommer unwahrscheinlich erscheint. Mit einem Abgang würde man sich, zumindest kurzfristig, nur verschlechtern. Auch Jochen Schneider gab gegenüber der Bild zu Protokoll, dass dies kein Thema sei: "Wir sind total happy, dass er auf Schalke ist. Es gibt keine Veranlassung, über einen Wechsel nachzudenken."


Den möglichen Traum hätte er sich verdient

Die "emotionale", die "fußball-romantische" Seite sieht meiner Meinung nach allerdings anders aus. Dadurch, dass 'Cali' nie negativ auffällt, vor dem Team vorweg marschiert und sich über die Jahre sehr verdient gemacht hat, wäre ihm diese Möglichkeit definitiv zu gönnen. Verdient hätte er es sich allemal. Die Verbundenheit zu AC Mailand scheint groß, zum einen wegen der Herkunft, zum anderen wegen der familiären Emotionalität zum Verein aus Italien.


Doch besteht dieser Wunsch überhaupt? Glaubt man aktuellen Aussagen, dann wirkt es eher so, als wäre er auch an einer Vertragsverlängerung auf Schalke interessiert. "Es ist eine große Ehre für mich, für Schalke auflaufen zu dürfen", wird er zitiert. Wie es wirklich aussieht, vor allem wenn tatsächlich ein potenzielles Angebot auf dem Tisch liegen würde, ist eine andere Sache. 


Fakt ist: Sollte es in diesem Sommer eine ernsthafte Anfrage geben, wird sich Schalke damit beschäftigen müssen. Caligiuri ist sportlich und intern sehr wichtig, doch wenn er den Wunsch äußert, nach Mailand gehen zu wollen, sollte der Verein ihm keine Steine in den Weg legen. Auch wenn die Summe am Ende nicht dem Wert entspräche, den der Deutsch-Italiener für Schalke insgesamt hat, braucht Schalke von der Person abgesehen auch Transfereinnahmen. 


Der Optimalfall für alle: Einvernehmliche Verlängerung

Aktuell können sich die Anhänger der Schalker eigentlich glücklich schätzen, dass bislang kaum Zeichen auf Abschied stehen. Sogar eine Vertragsverlängerung scheint gut möglich. Da sich Caligiuri damit augenscheinlich auch anfreunden könnte, das Arbeitspapier noch einmal um ein bis zwei Jahre zu verlängern, wird das wohl auch der Wunsch des Vereins sein. In seiner Verfassung, und auch in der Verfassung des Klubs, ist er als Spieler und Typ einfach viel zu wichtig. 


Bleibt für die Schalker zu hoffen, dass sie im Sommer gar nicht erst in die emotionale Zwickmühle geraten.