Marcel Schmelzer findet aktuell keine Berücksichtigung unter Lucien Favre. Doch nach der Rot-Sperre von Marius Wolf und den instabilen Leistungen der Dortmunder in den letzten Wochen könnte das BVB-Urgestein in den Titelkampf eingreifen und den personellen Engpass in der Defensive entspannen. 


Der Magdeburger, der mit Borussia Dortmund bereits jeweils zwei Meistertitel und DFB-Pokalsiege feiern konnte, war zu Beginn der Saison auf seiner angestammten Position als Linksverteidiger gesetzt. Bis zu seinem Knochenödem Ende September war er Teil der Dortmunder, die stark in die neue Saison gestartet sind und lieferte ordentliche Partien ab. Nachdem er dann noch einen Startelfeinsatz Ende Dezember gegen Düsseldorf hatte, wurde Schmelzer zuletzt am 26. Januar in der Partie gegen Hannover 96 eingesetzt. Danach stand Schmelzer zwar immer im Kader, konnte sich jedoch für keine Einwechslung mehr empfehlen.


Lucien Favre setzt aktuell insbesondere auf den Linksfuß Diallo als linken Verteidiger, der zwar durchaus Körperlichkeit auf die Position mitbringt, jedoch nicht verbergen kann, dass er eigentlich gelernter Innenverteidiger ist und links hinten nur eine Notlösung darstellt. So kommt Diallo fast folgerichtig auf nur eine Torvorlage und wirft insbesondere Verwunderung auf, aus welchem Grund Favre in den letzten Wochen nicht zumindest einen Versuch unternommen hat, mit dem gelernten Linksverteidiger Marcel Schmelzer das häufig schwerfällige und unkreative Spiel des Tabellenzweiten zu beleben. So fehlen Läufe in die Tiefe bzw. hinter die Abwehr, um von dort aus für Torgefahr zu sorgen. Marius Wolf über rechts konnte sich mit derartigen Spielaktionen ebenfalls in den letzten Wochen nicht auszeichnen. Kein Vorwurf, da Wolf ebenfalls kein gelernter Außenverteidiger ist und hauptsächlich bestrebt ist, defensiv nichts anbrennen zu lassen. Das Offensivspiel und insbesondere der Spielaufbau der Borussia sind jedoch dadurch einfach ausrechenbar für die Gegner des BVB geworden.


Marcel Schmelzer,Moussa Sylla

Marcel Schmelzer (r.) bringt viel Dynamik über links mit


Gerade gegen tief stehende Gegner benötigt der BVB Spieler, die das Spiel breit machen und immer wieder mit Läufen in den Rücken der Abwehr für Gefahr sorgen. Dortmunds Offensivdribbler um Sancho könnten dann wieder vermehrt in die Halbräume stoßen und sich aus dem Fokus der gegnerischen Außenverteidiger lösen. Beste Beispiele hierfür konnte Hakimi insbesondere in der Hinrunde liefern, der mit seiner offensiven und mutigen Interpretation der Außenverteidigerposition einen gehörigen Anteil am Erfolg des BVB hatte.


Gewiss fehlt es Schmelzer an Spielpraxis. Doch könnte er nicht nur mit seinen Fähigkeiten das Spiel der Dortmunder im Endspurt um die Meisterschaft beleben, Schmelzer bringt darüber hinaus viel Mentalität und Kampfgeist mit. Tugenden, die dem BVB in den letzten Wochen gerade in entscheidenden Spielen abhandengekommen sind. Schmelzer hingegen hat mit der Borussia schon einige Schlachten erfolgreich bestritten und könnte in den verbliebenen drei Spielen ein Faktor für Dortmund werden. Diallo könnte dann auf seine angestammte Position nach innen rücken und mit Weigl das Innenverteidigerduo bilden, während Akanji dann hinten rechts Wolf vertreten würde. Akanji hat bereits zum Ende der letzten Saison unter Peter Stöger bewiesen, dass er auch außen verteidigen kann, als er seinerzeit Schmelzer als Linksverteidiger vertreten hat.