Heute, auf den Tag genau vor 40 Jahren, begann​ Uli Hoeneß (67) seine zweite Karriere beim ​FC Bayern München. Der war zu dieser Zeit - ja, solange ist das schon wieder her - noch nicht der deutsche Rekordmeister. Diese Ehre gebührte damals noch den "Clubberern" aus Nürnberg. Doch nicht zuletzt dank der hervorragenden Arbeit des gebürtigen Ulmers ist der FC Bayern mittlerweile auf nationaler Ebene zum absoluten Maß aller Dinge geworden.


A propos Nürnberg: dort beendete Hoeneß in der Saison 1978/79 seine aktive Karriere als Spieler. Vom damaligen Bayern-Trainer Gyula Lorant nicht mehr berücksichtigt, nahm Hoeneß das Angebot der Franken an und ließ sich verleihen. Doch wie schon zuvor bei den Bayern, fand er auch in der Noris nicht mehr zu alter Stärke zurück und musste sich am Ende eingestehen: das Knie hält nicht mehr. Irreparabler Knorpelschaden - das "Todesurteil" für einen Profi-Fußballer. 


Das Knie hatte ihm vier Jahre zuvor ein gewisser Hervé Revelli vom AS St.Etienne zertrümmert. Wochen später, im Finale des Landesmeister-Cups, ging es dann gegen die raubeinigen Engländer von Leeds United. Aufgrund fehlender spielerischer Mittel jagten und traten die Engländer während der neunzig Minuten nach allem, was irgendwie nach Bayern-Spieler aussah. Am schlimmsten erwischte es damals den Schweden Björn Andersson (dessen Knie sich nach einer brutalen Attacke des Walisers Terry Yorath nie wieder erholen sollte), doch auch für Uli Hoeneß sollte dieses Finale der Anfang vom Ende sein. 


Ein halbes Jahr war er völlig von der Bildfläche verschwunden, kämpfte sich noch einmal heran und gewann sogar 1976 den dritten Landesmeister-Cup in Folge für die Bayern (ausgerechnet gegen AS St. Etienne) - sein Knie sollte sich jedoch nie wieder vollständig erholen.


Quasi-Sportinvalide verschrieb sich Hoeneß ab dem 01. Mai 1979 dann voll und ganz seiner Managertätigkeit (und danach dem Amt des Vereinspräsidenten). Bis heute. 40 Jahre - was soll man hervorheben, was beiseite lassen, aus all den Geschichten und Anekdoten aus vier Jahrzehnten? 


Sicher ist: kaum ein Manager war so erfolgreich - und kaum einer hat so polemisiert. Die berühmt-berüchtigte Abteilung Attacke - sie stand stets zum Einsatz bereit. Man frage mal Herrn Daum. Dessen und Hoeneß´ Wege sollten sich zweimal auf dramatische Art und Weise kreuzen.


Legendärer Auftritt im ZDF-sportstudio


Da wäre zum einen - und chronologisch erzählt - der legendäre Auftritt im Mai 1989 beim aktuellen Sportstudio im ZDF. In der Bundesliga stand fünf Tage später das wohl alles entscheidende Match im Müngersdorfer Stadion zwischen dem Tabellenzweiten 1.FC Köln und dem FC Bayern München an. Also dachte man sich bei den Mainzer Fernsehmachern: da laden wir doch einmal mal beide Fraktionen ein. Moderator Bernd Heller begrüßte an jenem Samstagabend also Christoph Daum und Udo Lattek (Köln) auf der einen, und Uli Hoeneß und Jupp Heynckes (Bayern) auf der anderen Seite. Die Sendung wurde zu einer Sternstunde des deutschen Fernsehens. Live und vor Millionen von Zuschauern gifteten sich beide Parteien an, dass man zwischendurch als Zuschauer schon Befürchtungen haben musste, dass sie noch aufeinander einkloppen. Die Daum´schen Sprüche von schlechtdurchbluteten Hirnwindungen (bei Heynckes) und die Repliken des Uli Hoeneß ("Das ist kein Heiligenschein da über dir" und "Donnerstag ist der Weg für dich zuende") sind mittlerweile Teil des kollektiven Gedächtnisses der Republik. 


Ja, streitbar war er immer, der Uli. Das sollte Christoph Daum gute elf Jahre später nochmals am eigenen Leib erfahren: die Kokain-Affäre war nicht zuletzt von Uli Hoeneß ("Der verschnupfte Herr Daum") ins Rollen gebracht worden. Und kostete Daum schließlich seinen prospektiven Job als Bundestrainer. 


Doch Uli Hoeneß nur auf seine krawallige Seite zu reduzieren, würde der Person nicht gerecht werden. Seine Verdienste um den FC Bayern - und damit indirekt um den deutschen Fußball insgesamt - sollten, bei aller Antipathie, die man gegen ihn empfunden haben mag, nicht unter den Tisch gekehrt werden. In seinen mehr als dreißig Jahren als Manager, zuzüglich seiner Präsidentschaft (vom November 2009 bis heute) formte er den FC Bayern zu einem der größten und erfolgreichsten Vereine der Welt. Vielleicht wird die von ihm entscheidend mitinitiierte Allianz-Arena eines Tages mal Uli Hoeneß-Arena heißen. 


Während dieser vier Jahrzehnte errang der FC Bayern 23 Meistertitel (vor 1980 waren es gerade mal fünf!), 13 Pokalsiege, zwei Champions-League-Titel, einen UEFA-Cup, einen Weltpokal und eine Klub-Weltmeisterschaft (der Nachfolge-Pokal des Weltpokals). Fürwahr eine stolze Bilanz. 


"Retter" von Dortmund und St.Pauli


Er half entscheidend bei der finanziellen Konsolidierung des heutigen Erzrivalen aus Dortmund, und schien auch nicht nachtragend ob der vielen Pfennigstücke, die einmal anlässlich eines Bundesliga-Spiels am Millerntor zu St. Pauli auf ihn einprasselten: wenige Jahre danach trat der FC Bayern gratis zu einem Freundschaftskick bei den "Braunweißen" an und half so maßgeblich mit, den vor dem Ruin stehenden Kiez-Klub zu retten.


Uli Hoeneß: das ist in mancher medialen Aufbereitung eine einzige Oszillation zwischen schwarz und weiß. Doch Uli Hoeneß war (und ist) mehr als die einseitige Zuspitzung in eine der beiden Richtungen. Uli Hoeneß ist FC Bayern. Uli Hoeneß ist Bundesliga. Uli Hoeneß ist schon jetzt ein bedeutsamer Teil der deutschen Fußballgeschichte. 

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Uli Hoeneß! 

Auch aus Hamburg.