Er hatte keinen Plan für seine Karriere, habe zunächst überhaupt nicht Trainer werden wollen - und wird nun in England für das 'Wunder von Norwich' gefeiert. Innerhalb von zwei Jahren führte Daniel Farke, Ex-Jugendtrainer von Borussia Dortmund, die 'Canaries' wieder zurück in die Premier League. Im Interview mit Sportbuzzer spricht der 42-Jährige über die Bedeutung des Aufstieges, seinem Stolz über diese Errungenschaft und wie hart die Arbeit speziell neben dem Platz war.


In seinem 102. Pflichtspiel als Trainer auf der Insel machte Farke den Aufstieg endgültig perfekt. Dank des 2:1-Sieges über die Blackburn Rovers ist Norwich City vor dem 46. und letzten Spieltag einer langen Saison nicht mehr von den ersten beiden Tabellenplätzen, die den direkten Aufstieg von der Championship in die Premier League bedeuten, zu verdrängen.


Mit 91 Zählern liegt die Mannschaft vor Sheffield United, das zuletzt in der Saison 2006/07 in der höchsten englischen Spielklasse auflief, an der Tabellenspitze. Norwich musste drei Jahre auf die Rückkehr warten, im Mai 2016 stieg der Verein in die zweite Liga ab.

Daniel Farke

  Einst studierte Daniel Farke Betriebswirtschaft, die Trainerscheine habe er nur absolviert, "um Kompetenzen zu erwerben" - nun schrieb er als Übungsleiter bei Norwich City ein kleines Märchen.


"Der Aufstieg ist ein außergewöhnliches Erlebnis für alle, die involviert waren", sagt Farke, der sich ganz bewusst für den Verein aus dem Osten Englands entschied: "Ich habe mich für Norwich entschieden, weil es die größte Herausforderung war. Es gab auch in Deutschland gute Alternativen auf Top-Niveau. Mich hat gereizt, einen Traditionsverein zu führen."


Die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und Realität sei groß gewesen, die Verantwortlichen hätten aufgrund der finanziellen Situation einen anderen Weg einschlagen müssen als die Konkurrenz: "Norwich war in Sachen Finanzen und Kaderstruktur in einer schwierigen Lage. Es ging darum, dem Verein gemeinsam mit Sportdirektor Stuart Webber eine Identität zu geben – Spielidee, Arbeitsethos und Werte, für die wir stehen wollen."


"Alle Regeln gebrochen" - Farke will auch der Herausforderung Premier League trotzen


In den letzten anderthalb Jahren habe der Verein, so Farke, allein durch Transfers einen Überschuss von "mehr als 60 Millionen Euro erwirtschaftet. Das ist rekordverdächtig in Europa", so der 42-Jährige, der betont, dass die Investoren zurückhaltender agieren würden als andernorts. Eigentümerin Delia Smith und ihre Partner seien niemand, "die Unsummen in den Verein pumpen. Wenn du dieses Paket als erster ausländischer Trainer der Klubgeschichte und Nicht-Muttersprachler bewältigst, dann bist du im Fußball auf alles vorbereitet."

Delia Smith

    Fernsehköchin Delia Smith ist die Mehrheitseigentümerin bei Norwich City. Von exorbitanten Millionensummen nimmt sie Abstand.


Bewältigt hat er die große Aufgabe bereits in seinem zweiten Jahr, womit man den eigentlichen Planungen um "drei, vier Jahre" voraus sei. Die Rückkehr in die Premier League beschreibt Farke dabei als "sensationell." Der Stolz sei "groß", schließlich habe man in den vergangenen beiden Jahren "alle Regeln, die dieses Geschäft vorgibt" gebrochen, mit einer "jungen Truppe", die aus vielen ehemaligen Bundesligaspielern wie Timm Klose, Philip Heise, Felix Passlack, Moritz Leitner oder Marco Stiepermann besteht, konstant gespielt und sich entsprechend belohnt.


Rein sportlich empfindet Farke die Premier League zwar nicht als "riesigen Unterschied" zur Championship, finanziell hingegen fürchtet er einen zweiten "Mount Everest". "Die Möglichkeiten sind nach dem Aufstieg zwar besser, aber in der Premier League gibt es andere Hausnummern. Im Budget werden wir von 20 Klubs auf Platz 20 stehen. Aber wir haben keine Angst und werden nicht durchdrehen", so der Aufstiegstrainer, der eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreibt wie David Wagner und Huddersfield Town vor zwei Jahren.