Wenn sich der ​FC Bayern München im Sommer für die kommende Saison neu aufstellt, stellt sich auch die Frage danach, wie sich das Gefüge innerhalb der Mannschaft ändern wird. Die neuen Spieler werden sich zunächst einmal integrieren müssen und benötigen Zeit, um die Automatismen mit den neuen Mannschaftskollegen zu entwickeln. Auch an der Hierarchie wird gerüttelt, weswegen auch die Frage, wer die neuen Führungsspieler sein werden, im Raum steht.


Mit Franck Ribéry und Arjen Robben werden zwei Spieler den FC Bayern verlassen, die die Mia-san-mia-Mentalität und das Sieger-Gen, das den Rekordmeister seit vielen Jahrzehnten ausmacht, verinnerlicht haben. Speziell Robben ging dabei immer wieder als Vorbild voran, stach durch seinen unbändigen Ehrgeiz in den Trainingseinheiten sowie auf dem Spielfeld hervor und schlug auch die Alarmglocken, wenn es mal nicht so rund lief.

Solider Kern


Abgesehen davon steht jedoch ein Grundgerüst um den ​Umbruch, der so manchen Leader, den die Bayern benötigen, beinhaltet: Während ​Jerome Boateng im Sommer möglicherweise nach acht Jahren Abschied aus München nimmt, so können die Verantwortlichen noch immer auf Manuel Neuer, Thomas Müller, Robert Lewandowski und möglicherweise Mats Hummels, sollte dieser trotz der neuen Konkurrenz in der Defensive bleiben, bauen.


Neuer übernahm 2016 nach dem Karriereende von Philipp Lahm dessen Kapitänsbinde, auch bei der Nationalmannschaft ist der 33-Jährige seit fast fünf Jahren Spielführer. Auch wenn seine Leistungen ein wenig nachgelassen haben und er sich immer verletzungsanfälliger zeigt, so ist Neuer aufgrund seiner Erfahrung und dem Selbstverständnis, zu einem der besten Torhüter der Welt zu zählen und bei einem der besten Vereine Europas zu spielen, wohl auch in den kommenden zwei Jahren die Nummer eins an der Säbener Straße.

Manuel Neuer

  Wird auch in naher Zukunft nicht aus dem Tor zu verdrängen sein: Manuel Neuer.


Im Angriff sind Müller und Lewandowski die erfahrensten Spieler - nicht nur aufgrund ihres Alters. Zwar ist Müller auch innerhalb der Fanlager nicht mehr unumstritten, doch er ist einer der letzten Spieler, die den Durchbruch vom Nachwuchsbereich zu den Profis schaffte und gilt noch immer als eine Ikone. Beim FC Bayern hat er alle erdenklichen Titel auf Vereinsebene gewinnen können, bewies zudem nach seinem Aus bei der Nationalmannschaft, dass er noch immer auf sehr hohem Niveau agieren kann und ist in zentraler Position, hinter Lewandowski, unentbehrlich.

Robert Lewandowski,Thomas Mueller

  Robert Lewandowski und Thomas Müller (v.l.) verstehen sich blind.


Das liegt auch am guten Zusammenspiel mit dem Polen. Das Duo harmoniert seit der Ära Guardiola miteinander, doch auch ohne Müller hat sich Lewandowski in diesem Jahr immer besser in die Mannschaft eingefunden. Niko Kovac ernannte ihn zum dritten Kapitän, traute ihm mehr Verantwortung zu und sorgte dafür, dass sich der 30-Jährige als mitspielender Stürmer präsentiert, der sich fallen lässt, auf Kosten einiger Tore öfters den freien Mitspieler bedient und nicht mehr nur der eiskalte Torjäger ist. Kingsley Coman, Serge Gnabry, Alphonso Davies und potentielle Neuzugänge wie Timo Werner oder Nicolas Pépé stehen noch am Anfang ihrer Karriere und können von beiden Routiniers definitiv lernen.


Süle und Goretzka - Gesichter der Zukunft?

Zwei Spieler, die in die Führungsspieler-Rolle hineinwachsen können, sind Niklas Süle und Leon Goretzka. Süle gilt seit dieser Saison als neuer Abwehrchef der Bayern, spielt regelmäßig neben Mats Hummels und konnte schon in seiner ersten Saison mit viel Spielzeit beeindrucken. Mittlerweile hat er noch einen Schritt nach vorne gemacht, zeigt immer weniger Unsicherheiten und gehört auch in der Nationalmannschaft zum neuen Stamm unter Joachim Löw. 

Niklas Suele

Wohl kaum jemand hätte Niklas Süle diese Entwicklung zugetraut - doch der Abwehr-Riese ist schon längst unersetzlich.


Goretzka ist ein Kämpfer auf dem Spielfeld, bringt sich immer wieder ein und erlebte speziell zu Beginn der Rückrunde ein Formhoch. Zuletzt erhielt er nicht mehr allzu viel Spielzeit, doch der 24-Jährige lässt sich keineswegs unterkriegen, kämpft jeden Tag in den Trainingseinheiten um einen Platz in der Startformation und besitzt die nötige Malocher-Mentalität aus seiner Zeit beim FC Schalke, um auch bei den Münchner Bayern eine feste Größe zu werden. 


Wie schnell etabliert sich Hernández?


Auch Neuzugang Lucas Hernández, der nach seiner Operation am Knie bereits jetzt in München verweilt, könnte einer der neuen Leader werden. Der Abwehrspieler stammt aus der Jugendabteilung von Atlético Madrid, hat unter Diego Simeone große Sprünge gemacht und war für die Colchoneros unentbehrlich. Im vergangenen Jahr gewann er mit der Europa League und der Weltmeisterschaft seine ersten beiden Titel und wechselt nun mit dem Anspruch, endgültig in die Kategorie 'Weltklasse' aufzusteigen, zu den Bayern.

FBL-ESP-LIGA-ATLETICO-REAL MADRID

  Neuer starker Mann neben Süle? Rekord-Neuzugang Lucas Hernández.


An Führungskräften wird es der Mannschaft keineswegs mangeln, allerdings gilt dies nur für die nähere Zukunft. Wer nach dem Karriereende oder einem Transfer von Spielern wie Neuer, Hummels, Müller oder Lewandowski vorangeht, ist offen - doch solche Spieler werden benötigt, wenn man in Zukunft weiterhin um alle Titel mitspielen will.