Wieso spielen so viele Japaner in unterklassigen deutschen Ligen?

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Während ein halbes Dutzend Japaner in der Bundesliga im Rampenlicht steht, lassen sich immer mehr Japaner im deutschen Amateurfußball finden. Woran liegt das?

Makoto Hasebe (​Eintracht Frankfurt), Yuya Osako (​Werder Bremen), Genki Haraguchi (​Hannover 96), Takumo Asano (Hannover 96), Yuya Kubo (1. FC Nürnberg), Takashi Usami (Fortuna Düsseldorf). Diese sechs Japaner verdienen ihr Geld als Fußballer in der ​Bundesliga. In den vergangenen Jahren gab es sogar teilweise über zehn Importspieler, darunter Profis wie Shinji Kagawa (Borussia Dortmund), Takashi Inui (Eintracht Frankfurt) oder Yoshinori Muto (1. FSV Mainz 05). 

Aber nicht nur im deutschen Profifußball sind Japaner eine beträchtliche Gruppe und längst keine Exoten mehr, sondern vor allem im Amateurfußball. "Das sind alles ehrgeizige Jungs, die mit dem ganz großen Ziel nach Deutschland kommen", sagte Gert Engels vor zwei Jahren im Gespräch mit rp-online. Ex-Bundesligaspieler Engels betreibt eine speziell auf japanische Kicker ausgerichtete Fußballschule in Düren. Früher arbeitete er als Co-Trainer von Guido Buchwald und Holger Osieck in der J-League, der ersten Liga Japans. Heute ist er zudem Co-Trainer des Zweitligisten Kyoto Sanga. 

Meist kommen die die jungen Japaner mit Anfang 20 nach Deutschland. Engels will den Talenten aber keine falschen Hoffnungen machen: "Es geht auch darum, den Jungs die Realität zu vermitteln. Wenn 100 Japaner kommen, muss man sich nicht wundern, wenn es nicht mal einer zum Profi schafft. Mein Ziel ist es, den Spielern mehr mitzugeben." 

Andere Mentalität

Die meisten Spieler kommen nicht über die Bezirks- oder Landeliga hinaus. Trotzdem reißt der Strom an japanischen Spielern, die ihren Traum in Deutschland sehen, nicht ab. "Die Japaner sagen und denken immer: 'Sky is the limit'. Als ich in der J-League war, hat vor der Saison jeder Trainer gesagt, dass er Meister werden will. Das kann man sich als Deutscher zuerst gar nicht vorstellen:"

Japaner besitzen aber nicht nur eine andere Mentalität, sondern weisen auch ein hohes Maß an Disziplin auf. Dass sie höflich, respektvoll, aufmerksam und wissbegierig sind, ist mehr als ein Klischee. Technisch und kämpferisch sind viele Japaner auf der Höhe, in taktischer Hinsicht haben sie allerdings oft Nachholbedarf. Auch die Athletik lässt meist zu wünschen übrig. 

Auch wenn man es nicht zum Profi reicht, können die jungen Japaner viele Erfahrungen mitnehmen: "Man ist nicht gescheitert, wenn man es nicht geschafft hat. Ich würde mich freuen, wenn die Spieler möglichst viel aus ihrer Zeit mitnehmen. So eine Auslandserfahrung hat noch keinem jungen Menschen geschadet", sagte Engels.