Viele Millionen Euro investierte Borussia Dortmund im vergangenen Sommer für neues Spielermaterial, doch einer der wichtigsten Neuzugänge feierte bereits 2016 seine Rückkehr: Mario Götze. Seinen Wechsel zum FC Bayern München drei Jahre zuvor bezeichnete er im Nachhinein als Fehler, dessen Ausmaß bis in diese Saison führte - doch nun ist Götze einer der wichtigsten Spieler für Trainer Lucien Favre.


Am Anfang seiner zunächst steil verlaufenden Karriere hatte Mario Götze im System von Jürgen Klopp keinen eindeutigen Platz. Egal, wo ihn der heutige Trainer des FC Liverpool aufstellte, Götze lieferte. Sei es auf der rechten Außenbahn oder im offensiven Mittelfeld, der mittlerweile 26-Jährige bewies wöchentlich sein großes Talent, weshalb die Münchner Bayern im Sommer 2013 stolze 37 Millionen Euro auf den Tisch legten.


​Unter Pep Guardiola spielte Götze auf den gleichen Positionen und erlebte ein erfolgreiches erstes Jahr, doch nach einer ebenso guten zweiten Saison erfolgte der Absturz. In der Sturmspitze war inzwischen Robert Lewandowski gesetzt, dahinter erlebte Thomas Müller im Zusammenspiel mit dem Polen die wohl besten Jahre seiner Karriere. Für Götze war allerhöchstens auf der Außenbahn Platz, doch das mangelnde Tempo und die damalige Konkurrenz um Franck Ribery, Arjen Robben und später auch Kingsley Coman, gepaart mit einem langwierigen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich, besiegelte seinen Abschied aus München.

Mario Goetze

  Mario Götze und Bayern München - vielversprechend, aber nicht allzu erfolgreich.


Trotz 114 Pflichtspielen, in denen er an 60 Toren beteiligt war, kam nie das Gefühl auf, als sei Götze dort so richtig angekommen. Und auch, nachdem er für 22 Millionen Euro zum BVB zurückkehrte, dauerte es bis Oktober vergangenen Jahres, ehe er wieder eine wichtige Rolle einnahm.


Schwierige Rückkehr


Zwischenzeitlich wurde Götze von der Stoffwechselerkrankung Myopathie ausgebremst, der Heilungsprozess war ebenso langwierig wie schwierig: "Es war eine sehr frustrierende Zeit. Wenn man eine Verletzung hat, ist es einfach: Der Knochen oder das Band heilt wieder, dann ist es gut. Aber zu verstehen, dass es auf einer anderen Ebene nicht rund läuft, das zu begreifen und zu verarbeiten, war die größte Herausforderung. Im Nachhinein ist es verständlich, dass der Körper gesagt hat: Bis hierher, aber nicht weiter", erklärte er in der DAZN-Dokumentation 'Being Mario Götze'. 


Doch auch danach tat er sich schwer damit, Fuß zu fassen - sowohl unter Peter Bosz als auch unter Lucien Favre. Letzterer wurde zu Saisonbeginn regelmäßig mit Fragen über Götzes Rolle in seinem System befragt, nachdem der Offensivspieler die ersten sechs Bundesligapartien allesamt verpasste. In Zusammenarbeit mit seinen Co-Trainern tüftelte Favre an einer Lösung, die schlussendlich auch dem verletzungsanfälligen Stürmer Paco Alcácer helfen sollte.


Götze arbeitet - Alcácer vollstreckt


Götze begann in der Sturmspitze zu spielen - und zwar von Anfang an. Im Zusammenspiel mit Jacob Bruun Larsen, Marco Reus und Jadon Sancho fand er sich nach und nach immer besser zurecht, feierte bereits bei seinem ersten Kurzeinsatz gegen den FC Augsburg sein erstes Tor nach knapp acht Monaten und steht nach 22 Einsätzen bei zwölf Torbeteiligungen.

Borussia Dortmund v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

  Die Entscheidungsfindung dauerte eine Weile, jedoch entschied sich Lucien Favre (r.) für die bestmögliche Option.


Viel wichtiger ist jedoch, welche Aufgaben er abseits des Toreschießens übernimmt. Götze, der sich seit seiner Rückkehr als harter Arbeiter auf dem Trainingsplatz entpuppte, wurde auch auf dem Spielfeld zu einem unermüdlichen Läufer, der stets eine hohe Leistungsbereitschaft zeigt, sich an der Balleroberung aktiv beteiligt und den Gegner so lange müde spielt, bis Alcácer in die Partie kommt und die Vorarbeit seines Mannschaftskollegen mit frischen Beinen ausnutzen kann. Zudem spielt er immer wieder entscheidende Pässe, macht die Bälle in der gegnerischen Hälfte fest und überzeugt mit seinen Fähigkeiten im Dribbling.


Der Wille zählt


Genau solch einen Spielertypen benötigt Favre, damit Alcácer seine Stärken auf dem Feld ausnutzen kann. Der Spanier trifft am häufigsten, wenn er von der Bank ins Spiel kommt, bei einem Einsatz von Anfang an bleibt er immer wieder blass. Auch deshalb könnten sich die Verantwortlichen nach einem zweiten Stürmer umsehen, zumal Alcácer immer wieder aufgrund von muskulären Problemen ausfällt. Doch eigentlich haben sie mit Götze bereits eine interne Lösung gefunden. 


Ähnlich wie die Neuzugänge Axel Witsel und Thomas Delaney geht Mario Götze mit der viel geforderten Mentalität in ein Spiel. Bis zum Ende gibt er 100 Prozent, arbeitet stets für den Erfolg. Aufgrund seiner Vergangenheit weiß er, dass Talent alleine nicht reicht - stattdessen müssen Fußballer stets an sich und für die Mannschaft arbeiten, um am Ende nicht als Verlierer dazustehen. Auch deshalb ist Götze der vielleicht wichtigste Neuzugang des BVB.