Angesichts klammer Kassen, drückender Schuldenlast und gleichzeitiger sportlicher Zwänge, irgendwie eine halbwegs konkurrenzfähige Mannschaft für die kommende Spielzeit zusammenzustellen​, gleicht die Arbeit von HSV-Sportchef ​Becker und seinem Stab der vielzitierten Quadratur des Kreises. Eine Spur ihrer Aktivitäten führt jetzt nach Frankreich.


Die infrage kommenden Spieler müssen so gut sein, um das Niveau gegenüber vorher zumindest nicht absinken zu lassen. Dazu müssen sie preiswert sein. Und nach Möglichkeit sollten sie noch hungrig auf Erfolg sein, und den ​HSV nicht nur als irgendeine Durchgangsstation auf dem Weg nach oben betrachten. 


Gab´s noch was? Ach ja, entwicklungsfähig sollten sie auch noch sein. Entsprechend ist Geschick und Eile gefragt, genau diese Talente, die zweifellos in großer Zahl in Dutzenden erstklassiger Klubs und deren Riesenkadern vor sich hinschlummern, vor allen anderen zu "entdecken" und sie nach Hamburg zu locken. 


Die Sport-Bild sprach in ihrer Print-Ausgabe vom 3.April davon, dass sich der "Dino" in Zukunft vermehrt auf dem englischen Markt nach brauchbaren Alternativen umschauen will: "Mutzel (seit 1. April Sportdirektor am Volkspark, die Red.) will, so ist es vom HSV gewünscht, junge Spieler aus England verpflichten. Seit Monaten ist er regelmäßig dort und trifft sich mit den entsprechenden Beratern. Er möchte davon profitieren, dass die englischen Klubs häufig völlig aufgeblähte Kader haben, in denen Talente keine echte Chance erhalten." 


Das macht Sinn. Und die Beispiele von Reiss Nelson (TSG Hoffenheim) und vor allem Jadon Sancho (Borussia Dortmund) haben gezeigt, welche Verstärkungen auch vorher gänzlich unbekannte junge Talente aus England sein können. 


Die Mopo berichtet jetzt jedoch von einer ganz anderen Liga, in der sich der HSV gerade umschaut. Es handelt sich um die Ligue 2, die Zweite Liga Frankreichs. Dem Blatt zufolge verfolgten am vergangenen Montag Sportchef Becker und Sportdirektor Michael Mutzel das Top-Spiel zwischen dem FC Paris und dem FC Lorient (2:2). 

Ihr Hauptaugenmerk galt dabei zwei Stürmern: zum einen dem französischen Junioren-Nationalspieler Alexis Claude-Maurice (20) von den Gästen, zum anderen dem kongolesischen Stürmer Silas Wamangituka (19) vom FC Paris. Beide Stürmer trafen und konnten auch sonst Werbung in eigener Sache machen. Ob der HSV plant, ein konkretes Angebot für einen der beiden (oder alle beide) abzugeben, wurde von den Verantwortlichen bislang noch nicht bestätigt. 


Klar ist: Hee-Chan Hwang (24) scheint nach Salzburg zurückzukehren, bei Pierre-Michel Lasogga zeichnet sich eine zarte Tendenz in Richtung Trennung ab, und Jann-Fiete Arp packt im Sommer bereits die Koffer gen München. Drei Abgänge also im offensiven Bereich, die es in den kommenden Monaten auszugleichen gilt. Vielleicht ja über Talente aus England und eine neue French Connection.