Mensch, wie die Zeit vergeht. Es scheint erst ein paar Tage her zu sein, dass ​Klaus-Michael K​ühne - wieder einmal - über den ​HSV meckerte. Jetzt hat er sich erneut - via Sport-Bild - ​zu Wort gemeldet. Teils mit dem alten Muster, teils aber auch mit überraschenden Neuerungen.


Aufhänger des Interviews war u.a. die Verhandlung mit dem HSV über die Verlängerung des Namensrechtevertrages bezüglich des Volksparkstadions. Die scheint aktuell etwas zu stocken, was nicht verwundern darf: Kühnes Geberlaune hängt traditionell eng von der jeweiligen Situation der Mannschaft ab. 


Salopp gesagt: gewinnt der HSV, zeigt sich der Investor sehr spendabel, verliert er, lässt man ihn besser eine Weile in Ruhe. Mehr oder weniger buchstabengetreu hat der Milliardär das auch so gegenüber der Zeitung bestätigt: "Nach guten Phasen bin ich immer sehr motiviert und denke, dass meine Hilfe nützlich ist. Wenn ich dann Spiele sehe, in denen alles den Bach heruntergeht, frage ich mich: was soll das ganze eigentlich noch?" 


Jo, geht uns Fans genauso. Doch was ist denn jetzt mit dem Stadionnamen? Nun, drei bis vier Millionen pro Jahr würde er schon geben wollen. Allerdings über eine kürzere Vertragslaufzeit. Kann man auch irgendwie verstehen. Der Mann wird ja nicht jünger. Interessantes gab es auch über die Rückzahlungsmodi diverser Darlehen zu berichten, die er dem HSV gewährt hat. Denen zufolge müsste der Verein, im Falle eines sensationellen Erfolges im DFB-Pokal, Kühne satte 12,8 Millionen Euro zurückzahlen. Formaljuristisch jedenfalls. Doch Kühne ließ durchblicken, dass er in solch einem Fall auf die Rückzahlung verzichten würde: "Vermutlich schon - es würde dem Verein auf jeden Fall gut tun." 


Kühne spricht Lasogga Bundesliga-Qualität ab


Ein Interview mit Kühne wäre kein Interview mit Kühne wenn im Verlauf desselben nicht zumindest ein paar Spieler, teils konkret mit Namen benannt, ihr Fett wegkriegten. So natürlich auch diesmal: auserkorene Zielscheiben seiner Attacken waren nun Bobby Wood und der bislang treffsicherste Stürmer dieser HSV-Saison, Pierre-Michel Lasogga. Diesen vor einiger Zeit als "Flop des Jahrhunderts" bezeichnet zu haben, erscheint selbst Kühne heute als "etwas zu deftig. Auch wenn es nicht unrichtig war." Heute formuliert es Kühne etwas diplomatischer, zweifelt schlicht daran, dass ein Lasogga in der Bundesliga zu einem Spitzenspieler reifen kann. Dafür sei er "zu langsam und fussballerisch nicht der Stärkste".

Bei Bobby Wood zieht sich Kühne sogar selbst ein wenig den Schuh an, erinnert, dass man im ganzen Klub an den Stürmer geglaubt habe. "Ich ehrlich gesagt auch", so Kühne, "dann hat man tief in die Tasche gegriffen, leider ging das, wie fast immer beim HSV, schief." Kann man so sagen. 


Und die Schieflage wird wohl auch in der kommenden Saison nicht begradigt werden. Aktuell spielt Wood sowohl beim abstiegsbedrohten Nordrivalen Hannover 96 als auch auf dem Transfermarkt keine Rolle, wird also, Stand heute, ab Juni wieder für die Rothosen die Stiefel schnüren. Und Kühne? Der wird dann vermutlich wieder was gegen die bis dahin verpflichteten Spieler haben, bzw. seinen Unmut darüber äußern, dass noch keine geholt wurden. Ohne sein Geld ist das ja auch etwas schwierig. 


Wenn man sich dieses letzte Interview vergegenwärtigt, fällt eine zarte, hauchdünne Tendenz auf, etwas wohlwollender über den HSV zu urteilen. Wer weiß, was hinter den Kulissen für Gespräche abgelaufen sind. Sicher ist, dass Klaus-Michael Kühne weiterhin sich das Recht nehmen wird, seine Kommentare über die Zustände beim HSV zu veröffentlichen. Daran wird ihn auch in Zukunft keiner hindern können. Das einzige, was dem HSV übrigbleibt, ist, gute Arbeit auf allen Ebenen zu machen. Die Mannschaft auf sportlicher, die Verantwortlichen auf planerischer. Und sollte das gelingen, könnte es sogar noch was werden, mit Kühne und dem HSV.