Michy Batshuayi dürfte sich gerne an die Rückrunde der vergangenen Saison zurückerinnern. Im Frühjahr 2018 ging der Angreifer für Borussia Dortmund auf Torejagd, spielte bis zu seiner ​Verletzung im Revier-Derby gegen Schalke 04 stark auf und schien der passende Nachfolger des abgewanderten Pierre-Emerick Aubameyang zu sein. Nach seiner Rückkehr zum FC Chelsea ist er allein in dieser Saison bereits zwei weitere Male verliehen worden, konnte jedoch weder beim FC Valencia, noch bei Crystal Palace überzeugen. Der ​Daily Express bringt erneut den BVB mit dem Belgier in Verbindung, doch zurecht darf man sich die Frage stellen: Würde diese Konstellation Sinn machen?


Fakt ist, dass sich die Verantwortlichen in Dortmund tatsächlich mit der Verpflichtung eines weiteren Stürmers befassen könnten. Hinter Paco Alcácer erledigt Mario Götze seine Aufgaben gut, doch da der Spanier regelmäßig ausfällt, ist der Ex-Nationalspieler immer wieder die einzige Option in der Spitze für Trainer Lucien Favre. Dass andere Konstellationen, beispielsweise mit Marco Reus im Sturmzentrum, nicht aufgehen, musste der Schweizer beim bitteren ​0:5 gegen Bayern München erleben, weshalb womöglich ein zweiter, klarer Stürmer gesucht wird.


Dass Michy Batshuayi in den britischen Medien wieder mit dem BVB in Verbindung gebracht wird, ist kein Wunder. In der laufenden Saison erzielte der Belgier für den FC Valencia und Crystal Palace in über 30 Pflichtspielen nur sechs Tore, im Sommer erfolgt die Rückkehr zum FC Chelsea. Dort wäre er hinter Gonzalo Higuain und Olivier Giroud lediglich die Nummer drei, doch ob der Argentinier, für den sich die Blues gleich zwei Optionen für eine Weiterbeschäftigung sicherten, über den Sommer hinaus bleiben darf, gilt als fraglich. 


Flop-Saison in Spanien und England


​Dem Daily Express zufolge sei dennoch unklar, ob Batshuayi eine Zukunft an der Stamford Bridge hat. Angeblich soll sich der FC Everton mit einer Verpflichtung des 25-Jährigen beschäftigen, die kolportieren Preise besitzen jedoch eine abschreckende Wirkung: Demnach wären etwa 46 Millionen Euro fällig. 


Heutzutage ist ein Transfer dieser Größenordnung keine Überraschung, doch einem Spieler wie Batshuayi, der bis 2021 an Chelsea gebunden ist und seine erfolgreichste Zeit seit seinem Wechsel nach England beim BVB erlebte (14 Spiele, 9 Tore), wird dieses Preisschild nicht gerecht. In Valencia begann er lediglich vier Mal in der Startelf, traf in 15 Einsätzen nur ein einziges Mal - für Crystal Palace sind es immerhin zwei Tore in neun Partien.

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Bemüht, aber erfolglos: Bei Crystal Palace hat Michy Batshuayi keine Zukunft



Doch neben der aktuellen Torquote und den generell schwachen Leistungen ist es zweifelhaft, ob beim BVB ein ernsthaftes Interesse an einer Rückkehr besteht. Bereits im vergangenen Sommer wurden Zweifel über den Belgier laut, eine feste Verpflichtung schien nie ein ernsthaftes Thema zu sein. Im temporeichen Offensivspiel unter Favre benötigt es einen pfeilschnellen Stürmer wie Alcácer, der die nötigen Sprints in die Tiefe liefert und zudem eiskalt vor dem gegnerischen Tor ist. 


Passt Batshuayi in das System Favre?


Das Defizit in puncto Geschwindigkeit ist Batshuayis größter Nachteil gegenüber Alcácer, doch im Gegensatz dazu bringt der 1,84 Meter große, bullige Mittelstürmer eine gewisse körperliche Note mit. Immer wieder macht er die Bälle fest und verteilt sie an die Spieler auf die Außenbahn, zudem besitzt er ebenso die nötige Kaltschnäuzigkeit, wenn er in Form ist.

Lucien Favre

Lucien Favre ist dafür bekannt, auf Stürmertypen wie Batshuayi eher zu verzichten



Dass klassische Mittelstürmer allerdings kaum in Favres System passen - die Konstellation mit Mario Balotelli und dem flexiblen Alassane Plea bei OGC Nizza wirkt eher wie eine Ausnahme -, fiel bereits bei Borussia Mönchengladbach auf: Für satte zwölf Millionen Euro verpflichteten die Fohlen im Sommer 2012 Luuk de Jong, doch der Niederländer entwickelte sich zum Flop. Das kreative, schnelle Spiel des Schweizers benötigt schnelle, wendige Typen wie Jadon Sancho, Marco Reus, Paco Alcácer oder - in Teilen - Mario Götze, aber keinen Spieler wie Batshuayi. 


Somit würde er wohl kaum regelmäßig in der Startelf stehen, sondern eher in der zweiten Halbzeit eingewechselt werden, um im Angriff die Bälle zu halten und das Resultat zu verwalten - ein Grund mehr, um die vermeintlich hohe Ablösesumme kritisch zu beäugen. 


Was wird aus Isak?


Zudem dürfen die Verantwortlichen um Sportdirektor Michael Zorc einen Spieler aus den eigenen Reihen nicht aus den Augen verlieren: Alexander Isak. Der 19-Jährige wurde im Winter an den niederländischen Erstligisten Willem II Tilburg verliehen und blüht in der Eredivisie auf: Nach zwölf Spielen steht Isak bei zwölf Treffern, an den vergangenen sieben Spieltagen war er stets an mindestens einem Tor beteiligt. Beim BVB steht er noch bis 2022 unter Vertrag, möglicherweise wird er für ein weiteres Jahr verliehen - oder aber er kann Favre im Sommer überzeugen und erhält eine Chance als Nummer zwei hinter Alcácer.