Der ​1. FC Köln hat den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga noch immer in der eigenen Hand, doch die Unruhe ist in den Reihen der Fans nie wirklich verschwunden. Nach dem 1:1-Remis gegen den Hamburger SV am Montagabend bekamen die Spieler den Unmut der eigenen Anhängerschaft erneut zu spüren, was bei Abwehrchef Rafael Czichos für Irritationen sorgte.


Eigentlich, könnte man meinen, sollte beim 1. FC Köln alles in bester Ordnung sein. Die Domstädter liegen nach 29 Spieltagen mit 59 Punkten an der Tabellenspitze der zweiten Bundesliga, der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt zehn Punkte. Seit acht Spielen ist die Mannschaft ungeschlagen und holte in dieser Zeit 20 Zähler, doch zuvor sah die Lage deutlich bedrohlicher aus.


Noch vor knapp zwei Monaten verweilten die Kölner auf dem Relegationsplatz, verloren drei Partien zum Jahreswechsel. Neben den schwankenden Ergebnissen, die sich bereits durch die Hinrunde zogen, sorgten Nebenkriegsschauplätze in der Führungsetage für weitere Unruhen: Nach der vermeintlichen ​Spitzel-Affäre um Trainer Markus Anfang verkündete Präsident Werner Spinner ​Anfang März seinen Rücktritt. Armin Veh, seinerseits Geschäftsführer und Gewinner des Machtkampfes gegen Spinner, sorgte zuvor wie danach mit ​brisanten Aussagen über die Probleme innerhalb des Klubs für entsprechende Aufruhr.


Dass die reine sportliche Situation allein die Gemüter nicht stillt, bekamen die Spieler am Montagabend nach dem Schlusspfiff zu spüren. Im Topspiel gegen den HSV führte der FC zur Halbzeit mit 1:0, ließ die Gäste nach dem Seitenwechsel jedoch zurück in die Partie kommen und kassierte kurz vor Schluss den Ausgleich durch Manuel Wintzheimer. "In der zweiten Hälfte waren wir zu passiv, sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen", ärgerte sich Innenverteidiger Rafael Czichos laut ​Express

Rafael Czichos

  Unzufrieden über die Leistung in Durchgang zwei: Rafael Czichos



"Morgen müssen wir uns das mal in der Analyse angucken, dann kann ich mehr dazu sagen", fuhr der 28-Jährige fort und wunderte sich zugleich über das Verhalten der Fans, die ihre Spieler mit Pfiffen empfingen: "Nach dem Abpfiff hab ich gedacht wir wären Fünfter und sieben Punkte hinter dem Dritten, Wahnsinn." Man habe die Konkurrenz nicht näher kommen lassen, zudem habe man den vorzeitigen Aufstieg fest im Blick, weshalb er die Reaktion nicht verstehen könne.


Auch Veh wollte den Unmut nicht verstehen. Der 58-Jährige erinnerte lieber an die Tabellensituation und ließ durchklingen, dass die Rückkehr in die Bundesliga nur noch reine Formsache ist: "Wenn man fünf Spiele vor dem Schluss so viele Punkte Vorsprung hat, dann sollte man das auch über die Runden bringen. Sonst hat man es auch nicht verdient." Doch in den kommenden Wochen und Monaten wird er daran arbeiten müssen, Arbeitsklima und Umfeld des Vereins wieder aufzupolieren, damit alle Parteien wieder an einem Strang ziehen.