Am vergangenen Wochenende standen mal wieder die Schiedsrichter und der VAR im Blickpunkt. Während in manchen Spielen wieder deutlich zu viel unterbrochen wurde, blieben andernorts die Eingriffe trotz offensichtlicher Fehleinschätzungen aus. Dr. Jochen Drees, fachlicher Projektleiter für den Bereich Video-Assistent, hat sich auf der Internetseite des DFB zu den Vorkomnissen am Wochenende geäußert.


Es war viel los an diesem 29. Spieltag. In Nürnberg wurde ein Tor für die Franken zu Unrecht aberkannt, auch in Hoffenheim kam es am Sonntag zu einer Entscheidung, die der TSG letztlich ein Tor klaute. Nun hat sich Dr. Jochen Drees zu den beiden Fällen erklärt.


Zum ersten Fall in Nürnberg am Freitag sagte er: „Schiedsrichter Dr. Robert Kampka hatte das Spiel wegen eines vermeintlichen Foulspiels des Nürnberger Spielers Behrens durch einen Pfiff unterbrochen, als sich der Ball noch circa einen Meter vor der Torlinie befand. Dieser Pfiff war sowohl im Livebild als auch in der Analyse der Video-Assistenten eindeutig vernehmbar. Dadurch war das Spiel regeltechnisch unterbrochen, so dass für den Video-Assistenten Sven Jablonski keine Möglichkeit mehr bestand, die Situation zu überprüfen beziehungsweise dem Schiedsrichter eine nochmalige Betrachtung am Monitor in der Review-Area zu empfehlen.“


Da der Pfiff vor dem Überschreiten des Balles vor der Torlinie erfolgte, ist es dem Video-Assistent nicht mehr erlaubt, nachträglich noch einzugreifen. „Wäre der Pfiff erst nach der Torerzielung erfolgt, hätte der Video-Assistent hier eingegriffen, da nach seiner Beurteilung kein Foulspiel vorlag und das Tor dementsprechend korrekt gewesen wäre. In diesem Fall handelte es sich also um eine Fehleinschätzung des Schiedsrichters, die unter Beachtung des IFAB-Protokolls vom Video-Assistenten jedoch nicht mehr überprüfbar war“, so Drees weiter.


Auch beim zweiten Spiel zwischen der ​TSG Hoffenheim und ​Hertha BSC gab es eine strittige Situation Mitte der ersten Hälfte. Dort erzielte Ishak Belfodil die vermeintliche Führung für die Hausherren, wurde aber wegen Abseits zurückgepfiffen. Eine Fehlentscheidung, wie sich später herausstellte, die aber ebenfalls nicht mehr revidiert werden konnte.


„Aus diesem Grund wird von den Schiedsrichtern und Schiedsrichter-Assistenten grundsätzlich erwartet, bei Zweifeln mit dem Pfiff beziehungsweise der Abseitsanzeige zu warten, bis der Ball im Tor ist oder die betreffende Situation abgeschlossen ist. Dann hat der Video-Assistent noch die Möglichkeit, die Situation zu überprüfen, und der Schiedsrichter kann gegebenenfalls nach Ansicht der Bilder seine Entscheidung noch ändern“, legte Drees abschließend dar.


In der Theorie ein schlüssiger Ansatz - der 29. Bundesligaspieltag hat aber mal wieder gezeigt, dass in der Umsetzung noch vieles im Argen liegt.