​2000 gab es ein reinigendes Gewitter im deutschen Fußball. Auslöser war die desaströse Vorstellung der A-Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden, bei der die deutschen Kicker bereits nach der Vorrunde, und nur einem selbst erzielten Treffer (beim 1:1-Remis gegen Rumänien), ihre Koffer packen mussten. Jetzt steht wieder eine grundlegende Veränderung in der Jugendausbildung an - und hat mit Julian Nagelsmann (31) einen prominenten Fürsprecher. 


Nach dem Trauma einer völlig in den Sand gesetzten Europameisterschaft klingelten 2000 allerorten die Alarmglocken. Schnell wurden entsprechende Konzepte verfasst und vor allem Gelder in die Hand genommen. Für die Errichtung von Leistungszentren, Jugendinternaten und neuen Trainingsplätzen. Der Fokus wurde quasi über Nacht auf die Jugend und deren Ausbildung gelegt. Und der Erfolg stellte sich ein: vierzehn Jahre später krönte sich eine der spielstärksten Generationen des deutschen Fußballs zum Fußballweltmeister. 


Doch die Konzepte von einst sind in die Jahre gekommen, und der Fußball, wie es auch gar nicht anders sein kann, verändert sich im selben Maße wie die Gesellschaft, in die er eingebettet ist. Was anno 2000 vielleicht noch richtig war, muss es 2019 nicht unbedingt sein. Schon seit längerem monieren einige ehemalige Nationalspieler wie Matthias Sammer oder Mehmet Scholl eine gewisse Eindimensionalität bei der Ausbildung deutscher Fußball-Talente. Passsicher sind sie heute alle, unsere Talente, und "rückwärts laufen können sie auch alle perfekt" (so Scholl), aber es fehlen mehr und mehr die Typen, die Ausnahmespieler, also die, die sich auch mal was im "Eins-gegen-eins" zutrauen. Kurzum: die, für die die Zuschauer in die Stadien kommen. 


Das hat man auch beim ​DFB erkannt und jetzt einen beinahe schon revolutionären Plan entwickelt: in der jüngsten Altersstufe, der F-Jugend,  soll es statt der bisher üblichen Spiele "Sieben gegen Sieben" (auf klassische Weise jeweils auf ein gegnerisches Tor) nunmehr die Variante "Drei gegen Drei" (auf jeweils zwei gegnerische Tore im Kleinformat) geben. Der Effekt: jeder einzelne Spieler würde häufiger am Ball sein, während durch die Möglichkeit, auf zwei Tore zu spielen, auch die gesamte Koordination der Nachwuchskicker geschult wird. Mit Noch-

​Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann hat diese geplante Neuerung auch schon einen vehementen Anhänger gefunden: "Ziel muss es sein, mehr Individualisten auszubilden, technisch starke Spieler. Weniger Konzeptspieler - mehr freche Sraßenkicker. Dabei halte ich das Drei-gegen-Drei auf Minitore für alternativlos, um mehr Ballaktionen zu haben, Eins-gegen-eins-Situationen, Abschlüsse. Auch körperlich schwächere Spieler kommen so häufiger an den Ball", so Nagelsmann gegenüber dem kicker. Bei seiner TSG ist dieses System bereits im gesamten Jugendbereich implementiert. Für den Bald-Leipziger "sollte der Weg generell dahin gehen".


Mittel- bis langfristiges Ziel ist es also, nicht nur reine Pass-Maschinen und austauschbare Kollektivspieler auszubilden, sondern wieder vermehrt Talente hervorzubringen, die in der Lage sind, ihren Gegenspieler auszuspielen und unerwartete Aktionen auf das Feld zu bringen. In dieser Kategorie liegen seit ein paar Jahren Länder wie England, Frankreich oder Spanien vor Deutschland. Typen wie Leroy Sané bleiben aktuell im DFB-Dress die Ausnahme...