​Schalke 04 durchlebt momentan eine Saison zum Vergessen. Neben der sportlichen Misere muss zudem ein neuer Trainer gefunden werden. Dabei gibt es einen Kandidaten, der bei genauerem Überlegen sehr viel Sinn ergeben könnte, Dieter Hecking ist ab dem Sommer ohne Verein und könnte sich Schalke anschließen. Doch wäre Hecking der richtige Trainer für den Schalker Neuanfang?


Domenico Tedesco ist der Trainer, der es mit Schalke in dieser Saison nicht schaffte, an die erfolgreiche letzte Spielzeit anzuknüpfen. Die Konsequenz ließ auch nicht unendlich lang auf sich warten und so trennte man sich im März vom 33-Jährigen. Huub Stevens kam und übernahm bei Königsblau bis zum Saisonende mit dem Ziel, das Jahr so glimpflich wie möglich abzuschließen. Allerdings wird auch der Jahrundert-Coach die Trainerbank im Sommer wieder räumen und die Trainersuche beginnt dann erst so richtig.


Dabei sollte sich ein Coach finden, der nicht nur eine verunsicherte und in diesem Jahr erfolglose Mannschaft wieder aufrichten kann, sondern sich auch gleichzeitig über die Ambitionen des Vereins im Klaren ist ohne dabei über das Ziel hinauszuschießen. Vor allem der letzte Punkte bereitet schon vielen Trainern auf Schalke Kopfzerbrechen. Seit 2009 saßen elf verschiedene Übungsleiter auf der Knappen-Bank.


Hecking bringt viele Voraussetzungen mit 


​Somit kommen schon nicht mehr allzu viele Trainer in Frage, ein Mann könnte der so schwierigen Aufgabe allerdings gewachsen sein. Dieter Hecking, momentan noch bei ​Borussia Mönchengladbach unter Vertrag, könnte genau so ein Hoffnungsbringer sein. Denn Hecking wird die Fohlen zum Saisonende verlassen, plant aber noch lange nicht, seine Trainer-Karriere zu beenden. Eine Anstellung bei ​Hannover 96 lehnte er jüngst erst ab.


Und vielleicht ist der 54-Jährige ja genau der Richtige für die in dieser Saison teils blutleer auftretenden Schalker. Hecking bringt nämlich einiges mit, was ihn zu einem Wunschkandidaten machen könnte. Zum Einen verfügt Hecking natürlich über eine enorme Erfahrung. Bei 414 Bundesliga-Duellen stand er schon an der Seitenlinie, dabei war er bei vier Vereinen tätig. Auch bewies er, dass er aus einer kriselnden Mannschaft ein wahres Spitzenteam machen kann. 


Schon bei seiner Zeit in ​Wolfsburg und vor allem Gladbach übernahm er die Mannschaften in einer durchwachsenen Phase und sorgte danach kontinuierlich für eine positive Entwicklung. Er verrichtet seine Taten nicht an wenigen Spieltagen, sondern baut sich ein Konzept auf um über die nächsten Jahre ein neu formiertes Team zu bilden. Dies führte schon die Wolfsburger nach Europa, auch mit Gladbach hat er noch die Champions League im Blick.


Dazu kommt, dass der Markt für freie Trainer im Sommer äußerst dünn ist. Nur wenige freie Übungsleiter verfügen da über Bundesliga-Erfahrung, ein Profil wie Hecking kann kaum jemand vorweisen. Doch auch spielerisch wäre der Noch-Gladbacher eine Option, die mehr als vielversprechend sein könnte. Hecking setzt nämlich auf Kombinations-Fußball, die offensive Ausrichtung steht dabei meistens im Vordergrund. In seiner Spielweise ist die Balance zwischen Verteidigung und Angriff sehr ausgeglichen, wofür auch Schalke in den letzten Jahren stand.

Dieter Hecking

Hecking führte Wolfsburg drei Jahre nach Amtseintritt in die Champions League


Hecking schafft es sich dem Verein anzupassen, sein System auf den vorhandenen Kader einzustellen und das Team so immer weiter zu formen. Den vielen jungen und hungrigen Spielern gab er zudem auch immer wieder Möglichkeiten sich zu beweisen und so brachte er in seiner Trainerzeit schon ein paar Weltklassespieler hervor. Somit könnte man also sagen, dass Hecking mehr als nur ein Schalker Gedankenspiel sein könnte, doch ob das wirklich der frische Wind ist, den Königsblau braucht ist eine andere Frage.


Schalke braucht eine neue Philosophie 


Ein gewisses Risiko bleibt bei Dieter Hecking definitiv. S04 braucht ein neues Gesicht, vielleicht sogar eine komplett neue Philosophie. Neben einem anstehen Kaderumbruch müsste auch der Trainer für den neuen und auch erhofften frischen Wind sorgen. Hecking ist allerdings eher ein Coach, der nicht wirklich mit großen Überraschungen aufwartet, sondern eine sichere Spielweise bevorzugt. Er gilt als konservativer Coach, der z.B. in Gladbach vor der Saison zu einem Systemwechsel angeschoben werden musste.


Zudem ist die Einbeziehung der Schalke-Fans ein wesentlich Bestandteil der Gelsenkirchener Mentalität. Deswegen sollte man die Wünsche der Anhänger respektieren und der ist es vor allem, dass ihre Mannschaft wieder begeistert und ab dem Saisonstart zu den Top-Teams der Liga gehört. Ob Hecking hierfür ein Kandidat wäre, der für eine große Aufbruchsstimmung sorgt ist eher unwahrscheinlich.

Domenico Tedesco

Domenico Tedesco zeigte eine Saison lang mit viel Mut, was mit Schalke möglich ist


Ein Tedesco war ein Beispiel, was ein noch etwas unerfahrener aber auch gleichzeitig ambitionierter Trainer in Schalke schaffen kann. Vielleicht ist ein Coach vonnöten, der komplett unvoreingenommen zu den Gelsenkirchenern stößt. Auch andere Beispiel wie der ​Bremer Florian Kohfeldt zeigen, dass ein Trainer mit weniger Erfahrung durch seine eigene, ungelenkte Inspiration ein Team wieder zum Erfolg führen kann.


Es bleibt also abzuwarten, inwieweit Dieter Hecking in den Planungen von Sportvorstand Jochen Schneider eine Rolle spielt. Zum einen ist der erfahrene und auch vielseitige Hecking eine denkbare Option, der auf Schalke langfristig ein neues Projekt starten könnte, doch ist ein frischer Wind mit neuen Ambitionen vielleicht entscheidender. Auf die Knappen wartet auf jeden Fall ein spannender Sommer, der womöglich mit einer echten Überraschung aufwarten könnte.