​Am vergangenen Wochenende fieberte ganz Fußball-Deutschland dem Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern München und ​Borussia Dortmund entgegen. Nach einem desaströsen Auftritt und einer ​0:5-Niederlage im Gepäck droht die Stimmung beim Herbstmeister offenbar zu kippen. Auch Trainer ​Lucien Favre erhält dem Vernehmen nach intern immer mehr Gegenwind.


Wie die BILD in Erfahrung gebracht haben will, sollen bei den Stars der Borussen zuletzt Zweifel an der Herangehensweise ihres Cheftrainers aufgekommen sein. Dabei sollen die Profis die fast schon mantraartigen Taktikvorträge des 61-jährigen Fußballlehrers langsam aber sicher leid sein. 


So mancher Spieler sehne sich nach einem echten Motivationsmonster à la Jürgen Klopp, der es in seiner Zeit beim BVB stets verstanden hatte, seinen Akteure in gewissen Phasen auch einmal in den Allerwertesten zu treten.

Lucien Favre

Gegen die Bayern wirkte Lucien Favre konsterniert



Favre hingegen bleibt stets sachlich und soll angeblich selbst nach 0:4-Pausenrückstand in den Katakomben der Allianz Arena nicht seine Stimme erhoben haben. Auch die Spielanalyse zwei Tage später soll von einer fast schon unheimlichen Nüchternheit geprägt gewesen sein. Nun dürfte es mit Sicherheit auch nicht ratsam sein, in blanken Aktionismus zu verfallen, eine Variation in der Intensität der Ansprache wäre aber wohl dennoch wünschenswert.


Dem Bericht zufolge soll es darüberhinaus auch noch taktische Differenzen zwischen Coach und Mannschaft geben. Streitpunkt sei dabei das leidige Thema gegnerischer Standardsituationen. In den vergangenen Wochen kassierten die Dortmunder nach ruhenden Bällen eine Vielzahl von Gegentreffern. Die Spieler plädieren daher, von der bisherigen Raumdeckung abzuweichen und die Gegenspieler Mann gegen Mann zu verteidigen. Der Taktikfuchs aus der Schweiz will jedoch nicht von seiner Marschroute abweichen.

Unterm Strich ergibt sich somit eine durchaus prekäre Situation bei den Borussen, in der Favre nun vor allem auf menschlicher Ebene gefordert ist. Durch eine emotionale Brandrede könnte er seine Schützlinge womöglich wieder auf Kurs bringen, ob dies aber auch dem Naturell des Schweizers entspricht, darf bezweifelt werden. So oder so, sind nun vor allem auch Führungsspieler wie Marco Reus gefragt, vorne weg zu gehen und den Mitspielern im Zweifelsfall eigenhändig den Kopf zu waschen.


Das ​Heimspiel am Samstagabend gegen den 1. FSV Mainz 05 kann daher durchaus als Charaktertest der ganzen Mannschaft angesehen werden. Gelingt es den Schwarz-Gelben wieder an einem Strang zu ziehen, könnten sie die Meisterschaft bis zum letzten Spieltag spannend halten. Trotz der Schmach in München beträgt der Rückstand auf die Tabellenspitze schließlich nur einen einen einzigen Zähler.