Heute Abend stehen sich im Viertelfinal-Hinspiel der ​Champions League Ajax Amsterdam und ​Juventus Turin gegenüber (21.00 Uhr). Diese Paarung war auch schon mal, die Älteren unter uns werden sich erinnern, ein Finale der höchsten europäischen Spielklasse. Damals, 1996.


Das damalige Spiel an sich hat es nicht geschafft, unsterblich zu werden. Dafür war es seinerzeit einfach nicht spektakulär genug. Dennoch lohnt ein Blick zurück auf die Mitte der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts.


In Fußball-Europa sprach man in jenen Jahren vornehmlich italienisch. Dies war zu einem Teil natürlich dem Bann geschuldet, mit dem die UEFA auf die schrecklichen Geschehnisse von Heysel 1985 reagiert und für fünf Jahre sämtliche englische Klubs aus allen drei Europapokal-Wettbewerben ausgeschlossen hatte. In diese Lücke sollte nun die Liga der Lira-Millionäre stoßen. Die ​Serie A war von Ende der Achtziger bis tief in die Neunziger hinein das Maß aller Dinge im Weltfußball. Der vom Medien-Mogul Silvio Berlusconi gepimpte AC Mailand gewann 1989 und 1990 zweimal in Folge den Landesmeister-Cup.


Und auch vor jenem Finale vom 22. Mai 1996 hatte es in den vorausgegangenen vier Jahren immer mindestens eine italienische Mannschaft bis ins Endspiel geschafft: 1992 verlor Sampdoria Genua (mit dem späteren Juve-Stürmer Gianluca Vialli und seinem kongenialen Sturmpartner Roberto Mancini) das Finale mit 0:1 gegen das "Dream Team" vom FC Barcelona um seinen legendären Trainer Johan Cruyff. 1993 unterlag der AC Mailand dem französischen Meister Olympique Marseille (mit Rudi Völler auf dem Platz und Franz Beckenbauer als Technischer Direktor neben Trainer Goethals auf der Bank!) mit demselben Ergebnis.


Juves letzter CL-Titel: 1996 gegen Ajax


Ein Jahr später, 1994, zerstörte dann ein in allen Belangen überlegener AC Mailand den Nimbus der Unbesiegbarkeit der "Traum-Mannschaft" des FC Barcelona (mit Stoitchkov, Romario und Laudrup in ihren Reihen) mit einem krachenden 4:0. Trainer der Rossoneri war übrigens ein gewisser Fabio Capello. Doch einer damaligen ungeschriebenen Regel zufolge konnte der Titel der Champions League (wie der Wettbewerb seit der Saison 1992/93 offiziell hieß) nie erfolgreich verteidigt werden. Zwar kam Milan auch 1995 erneut ins Finale, musste sich da aber dem blutjungen Ensemble von Ajax Amsterdam und seinem Trainer Louis van Gaal beugen. Das Siegtor zum 1:0 schoss der erst achtzehnjährige Patrick Kluivert.

SOCCER-AJAX

Ajax verlor das Finale '96 gegen Juve trotz eines Litmanen-Treffers


Ajax seinerseits hatte anno 1996 also die Chance, an die glorreiche Epoche Anfang der Siebziger anzuknüpfen, als die "Ajacied" dreimal in Folge den Landesmeister-Pokal in die Grachtenstadt holen konnten. Doch die erfahrenere und abgezocktere Mannschaft aus Turin setzte sich am Ende im Elfmeterschießen mit 4:2 durch. Nach neunzig und hundertzwanzig Minuten hatte es 1:1 (Tore von Ravanelli und Litmanen) gestanden. Für Juventus sollte dieser Triumph bis heute der letzte europäische Titel bleiben. Zwar erreichte die Alte Dame nach 1996 noch sage und schreibe fünf weitere Male das Finale der Königsklasse, verlor aber allesamt, zuletzt 2017 gegen Real Madrid mit 1:4.