In den letzten Wochen machten die St.-Pauli-Fans, wenn man in einer so heterogenen Gruppe überhaupt von "den Fans" sprechen kann, eher negativ auf sich aufmerksam. Da waren die wiederholten Pyro-Zündeleien während des Stadtderbys, dazu ruppige Manieren beim Einlass ins Stadion (Ordner berichteten, dass sie quasi von der Menge überrannt wurden), Schmähgesänge, kleinere Diebstähle und Spuck-Attacken gegen gegnerische Fans. Doch die letzte Aktion am vergangenen Samstag beim Auswärtsspiel in Kiel hat noch mal eine eigene, neue Dimension.


Dass ​Jeremy Dudziak (23) das Angebot einer Vertragsverlängerung von Seiten des Klubs abgelehnt hat und stattdessen in Zukunft seine Zelte im Westen der Stadt aufschlägt, ist seit Wochen bekannt. Übrigens ist Dudziak auch nicht der erste Spieler, der von Braun-Weiß zu ​Schwarz-Weiß-Blau wechselt. Doch während die entsprechenden "Proteste" in anderen Epochen beim FC St.Pauli wenigstens in sich kreativ waren und mit einer gewissen humorvollen, gerne auch selbstironischen Note versehen wurden, sprach aus dem Banner, das die Pauli-Fans kurz vor Beginn des Spiels bei den "Störchen" ausrollten, die pure hasserfüllte Ablehnung. ("JD8. Traurig sieht die Mutti ein - ihr Sohn ist jetzt ein Rautenschwein!" Das letzte "S" als Dollar-Symbol dargestellt). 


Innerhalb der Kabine war das Transparent durchaus ein Thema. Die Mitspieler, so berichtet die Mopo, versuchten den als sensibel geltenden Dudziak aufzubauen, doch eher mit mäßigem Erfolg. Er ging mitsamt seiner Mannschaft unter. Auch insofern kann man wohl mit Fug und Recht von einem Bärendienst sprechen, den die Anhänger (?) ihrem Klub erwiesen haben.

Der ​FC St.Pauli, so scheint es, ist mittlerweile im Mainstream des Fußballs angekommen. Eigentlich schade. ​