Mittlerweile genießt Fredi Bobic aufgrund seiner vorzüglichen Arbeit als Sportvorstand bei ​Eintracht Frankfurt einen sehr guten Ruf, doch der einstige Stürmer musste zuvor viel Kritik über sich ergehen lassen. Beim ​VfB Stuttgart ist er vor einigen Jahren krachend gescheitert, doch in Zeiten wie diesen trauert Präsident Wolfgang Dietrich dem 47-Jährigen hinterher.


Die Stelle des Sportvorstandes ist in Stuttgart seit Jahren ein wackeliger Posten. Nach dem Abstieg übernahm Jan Schindelmeiser die Verantwortung, doch nach nur einem Jahr musste der Nachfolger von Robin Dutt seinen Hut wieder nehmen und wurde durch Michael Reschke ersetzt. Dieser erarbeitete sich als Manager bei Bayer Leverkusen und Technischer Direktor des FC Bayern München einen guten Ruf, verbrauchte seinen Kredit im Schwabenland allerdings in der laufenden Spielzeit - etwa durch seine kritisch zu bewertenden Aussagen vor und nach der Entlassung von Tayfun Korkut oder die teure und erfolglose Kaderplanung im Sommer - und wurde im Februar entlassen.

 

Auch Fredi Bobic, der von 1994 bis 1999 selbst für den VfB aktiv war, übernahm einst diesen schwierigen Posten. Nach knapp drei Jahren als sportlicher Leiter wurde er im April 2013 zum neuen Sportchef befördert, wurde jedoch bereits im September 2014 von seinen Aufgaben entbunden. Kritik hagelte es vor allem von dessen Nachfolger Robin Dutt. Dieser bemängelte laut der Stuttgarter Zeitung "fehlende sportliche Kompetenz, eine völlig missratene Kaderplanung und eine Mannschaft ohne Struktur [...] Die Nachwuchsarbeit [sei] sträflich vernachlässigt worden, den Scouts habe niemand zugehört, eine einheitliche Spielphilosophie von der Jugend bis zu den Profis sei ein Fremdwort gewesen."

Fredi Bobic

  Neben dem Spielfeld verlief die Zeit für Fredi Bobic beim VfB Stuttgart alles andere als erfolgreich


Vor allem aber die Fans kritisierten Bobic für Transfers wie Konstantin Rausch, Moritz Leitner oder Mohammed Abdellaoue: "Kaum ein Zugang schafft den Durchbruch, kaum eine Verpflichtung entwickelt sich weiter, übernimmt Verantwortung auf dem Platz oder stabilisiert die Hierarchie in der Mannschaft", ließ die Ultragruppe 'Commando Cannstatt' laut einem damaligen Bericht des ​Spiegel in einem offenen Brief verlauten. 


Nichtsdestotrotz suchte Eintracht Frankfurt, das sich in der Saison 2015/16 mit Niko Kovac in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg rettete, einen neuen Sportvorstand. Gemeinsam mit Sportdirektor Bruno Hübner sollte Fredi Bobic das neue, starke Gespann bilden - gemeinsam mit Kovac feierte das Trio auf Anhieb Erfolge. Die Eintracht, die plötzlich aus vielen Spielern verschiedenster Herkunft bestand, verließ die Abstiegsregion, kämpfte um den Europapokal mit und erreichte zwei Mal in Serie das Endspiel im DFB-Pokal, den man im Mai vergangenen Jahres überraschend gegen den FC Bayern gewinnen konnte.


Dietrich: "Ein absoluter Macher"


In dieser Spielzeit, mit Adi Hütter an der Seitenlinie, machte die Mannschaft noch einmal einen Schritt nach vorne. In der Europa League stehen die Hessen im Viertelfinale, in der Bundesliga belegt der Klub den fünften Platz. Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn Bobic nicht den Mut gehabt hätte, auf Spieler wie Kevin-Prince Boateng, Luka Jovic, Sebastien Haller, Ante Rebic, Evan N'dicka oder Filip Kostic zu setzen - um nur ein paar Beispiele zu nennen. 

Wolfgang Dietrich

   Würde sich jemanden wie Bobic in der gegenwärtigen Situation wünschen: VfB-Präsident Wolfgang Dietrich


"Das ist ein absoluter Macher, der in einem sehr schweren Umfeld einen guten Job macht", lobte VfB-Präsident Dietrich den 47-Jährigen gegenüber dem SWR"Als Typ ist es ein Verlust, dass er dem VfB Stuttgart verloren gegangen ist."


Am Sonntagabend (18 Uhr) gastieren die Schwaben in der Commerzbank-Arena von Frankfurt, die Aussicht auf Punkte ist dabei gering. "Wegen ihm haben wir einen Gegner, der sehr gut aufgestellt ist", so Dietrich, der Bobic ein wenig nachtrauert: "Es ist schade, dass ein Verein wie der VfB vor Jahren solche Leute verloren hat."