Ganz Fußball-Deutschland wartet mit Spannung auf den angekündigten "Rekord-Umbruch" beim FC Bayern. Welche Stars können an die Säbener Straße gelockt werden, wie hoch fallen die Investitionen des Rekordmeisters tatsächlich aus. Auf Grundlage der Transferaktivitäten seit dem Champions-League-Sieg 2013 haben wir die Planstellen beim FCB genauer unter die Lupe genommen.


​110,35 Millionen Euro hat der ​FC Bayern seit dem ​Champions-League-Sieg 2013 in neue Spieler investiert, rechnet man Ausgaben und Einnahmen miteinander auf. Dazu kommen die bereits fixen Transfers von Benjamin Pavard im Sommer (35 Millionen Euro) und Fiete Arp (drei Millionen Euro), der entweder '19/'20 oder ein Jahr später von der Elbe an die Säbener wechselt.


Betrachtet man gar die Ausgaben in der letzten Dekade, wird schnell deutlich, dass der FC Bayern in seiner Transferpolitik stets der Klub-Philosophie treugeblieben ist. 282,1 Millionen Euro betrugen die Nettoausgaben seit '08/'09. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben immer betont, dass man den Ablöseirrsinn der internationalen Konkurrenz nicht mitgehen wolle. Vergleicht man die Ausgaben mit den ManCitys, Barças und PSGs dieser Welt, wurde diese Haltung eindeutig umgesetzt.

​​Im kommenden Sommer wird diese aber etwas aufgelockert, glaubt man den Worten des Präsidenten. Die FCB-Verjüngungskur soll mit ​"noch nie dagewesenen Investitionen" fortgeführt werden. Weltmeister Benjamin Pavard soll hier erst der Anfang sein. Der VfB-Abwehrspieler passt auch eher zur "alten "Philosophie". Investitionen im Bereich zwischen 20 und 40 Millionen Euro auf dem deutschen Markt hat der FC Bayern schon häufiger getätigt - etwa bei einem Mario Götze oder zuvor Mario Gomez.


Dass man nun dazu bereit ist, ins höhere Regal zu greifen, beweist allein die ​hartnäckigen Spekulationen um Lucas Hernandez - ebenfalls aktueller Weltmeister mit Frankreich. Der Atletico-Verteidiger kann dank einer Ausstiegsklausel von den Rojiblancos losgeeist werden. Die beträgt allerdings satte 80 Millionen Euro - also rund das doppelte des aktuellen Rekordtransfers (Corentin Tolisso, 41,5 Mio. €).


Quo vadis, FCB?


Wohin geht die Reise also hin, an der Säbener Straße? Bei Hernandez ist man offenbar schon auf der Zielgeraden, weitere Top-Transfers sollen folgen. Hier dürfte vor allem die Offensive im Fokus stehen. Neben einem zweiten Mittelstürmer muss schließlich auch der Robbery-Abgang kompensiert werden. Franck Ribery und Arjen Robben haben in München eine Ära geprägt - über gut zehn Jahre hinweg.


Namen kursieren zuhauf. Ein kurzer Anriss: ​Bei Luka Jovic soll am heutigen Samstag ein erstes Angebot abgegeben werden, dazu kommen die monatelangen Spekulationen​ über Hudson-Odoi, Timo Werner ist in der Verlosung, ​Nicolas Pépé und auch Matthis de Ligt von Ajax wären nett (auch wenn der ein weiterer Innenverteidiger ist). Es geistern sogar Namen wie Gareth Bale, Paulo Dybala und Adrien Rabiot rum.


Es wird deutlich: Es soll das oberste Regal sein beim aufgerufenen Umbruch. Und der wird kosten. Alle diese genannten Spieler (außer vielleicht Werner, der schon für rund 40 Millionen Euro zu haben sein dürfte), kosten mindestens 50 Millionen Euro plus X. Der bei PSG in Ungnade gefallene Rabiot wäre ablösefrei.


Auf welchen Positionen wären Rekordtransfers sinnvoll?


Die neue Mia-san-mia-Transferpolitik im Klartext übersetzt heißt wohl soviel wie: ja wir werden im Sommer kräftig investieren - wenn es sein muss bei einzelnen Spielern auch mit noch nie dagewesenen Summen. Ob dabei tatsächlich die 100-Millionen-Euro-Grenze gesprengt wird, bleibt abzuwarten. Das dürfte wohl auch davon abhängen, welche Spieler wirklich zu einem Wechsel nach München bereit wären.


Die wichtigste Frage bleibt aber, wo der FCB dieses Geld am sinnvollsten investieren sollte. Ein Blick in die Vergangenheit könnte helfen. 

Im Bild sind alle nennenswerte Transfers (also Spieler, die auch einen Einfluss auf das Team hatten) seit dem Champions-League-Sieg 2013 nach Positionen aufgelistet.


Die Positionsgruppen unter der Lupe


Was fällt auf? Im Angriff wurde eher 1:1 ersetzt, sprich Lewandowski löste Mandzukic ab, das Experiment mit Wagner wurde schnell wieder beendet. Im Vergleich zum 2013er Team hat man aktuell keine gefährliche Nummer Neun in der Hinterhand. Damals stand immerhin ein Mario Gomez noch im Kader. 

Fazit: Ein weiterer Klasse-Torjäger würde guttun.


In der Defensive sieht man sich im Tor mit Manuel Neuer gut aufgestellt. Hinten rechts ist Joshua Kimmich der gesuchte Lahm-Nachfolger. Mit Pavard wäre hier ein Backup vorhanden (​Rafinha wird im Sommer gehen). Hinten links ist Alaba-Territorium. Juan Bernat konnte sich nicht durchsetzen. 

Fazit: Sollte Lucas Hernandez kommen, wäre man hier gut aufgestellt​, möglich, dass Jerome Boateng den Verein im Sommer verlässt. Mit Hernandez und Pavard hat man zwei Innenverteidiger, die jeweils auch auf den äußeren Positionen problemlos spielen könnten - und mehr defensive Stabilität versprechen.


Bleibt also das Mittelfeld. Schaut man auf das Transferbild der letzten Jahre, waren es vor allem die zentralen Positionen, auf denen die größte Fluktuation herrschte. Eine Doppelsechs wie Schweinsteiger/Martinez in der 2013er Form hat man seither aber nicht mehr gefunden. Hier dürfte vor allem die Einkaufspolitik zum Verhängnis geworden sein: Mehr Masse statt Klasse wurde eingekauft. Nicht falsch verstehen, es waren durchweg Spieler mit starken Qualitäten und hohem Potenzial dabei. Aber eben keiner vom ganz oberen Regal (auf dem Höhepunkt der Karriere).


Auf den Außen war bei Douglas Costa schnell der "Ofen aus". Der Brasilianer wurde nach einer Saison zu Juventus abgegeben. Ribery und Robben beherrschen dort bis heute die Szenerie - auch wenn Kingsley Coman ein legitimer und geeigneter Nachfolger sein dürfte. Auch Serge Gnabry beeindruckt in seinem Debütjahr beim Rekordmeister. Das Problem bei beiden: ​Die Verletzungsanfälligkeit (die man zumindest bei Robben ja schon gewohnt ist). Für Coman gilt das noch mehr als für Gnabry.

Fazit: Es macht Sinn noch einen weiteren Hochkaräter für die Außenbahn zu verpflichten. Dann wäre man mit Coman, Gnabry, Mister X und dem jungen Davies gut aufgestellt.


Wer sollte kommen?


Spekuliert wird viel derzeit, rund um den FC Bayern. Dabei gibt es mindestens so viele Meinungen, wen man denn alles holen sollte. Defensiv wäre das Duo Pavard/Hernandez ein toller Start: Beide sind jung, entwicklungsfähig und bringen Klasse mit. Dort wäre man für die Zukunft sehr gut gerüstet - selbst wenn Jerome Boateng seinen Abgang verkünden würde. Mats Hummels sollte als erfahrener Verteidiger dagegen unbedingt gehalten werden.


Im Mittelfeld sollte auf besagte Klasse statt Masse geachtet werden. Ein Spieler für die Außenbahn (Nicolas Pépé wäre ein Kracher mit viel Entwicklungspotenzial), sowie ein Spieler für die Zentrale. Denn: bei allem Talent, Thiago hat auch in diesem Jahr wieder offenbart, dass er bei den ganz großen Spielen untertaucht, Martinez wird dagegen nicht jünger und ob Renato Sanchez wirklich nochmal der Spieler wird, den man sich erhofft hatte, bleibt fraglicher denn je. Ein überragender Abräumer neben Goretzka/James/Thiago würde sehr gut tun. Einer wie Rabiot wäre dabei eigentlich optimal, bringt der Franzose auch noch die spielerische Klasse mit. Bleibt speziell bei ihm die Frage nach dem Charakter. 


Im Angriff würde auf jeden Fall ein Luka Jovic Sinn machen, auch Timo Werner wäre ein Kandidat, zumal er auch auf den Außenpositionen spielen kann. Nachdenken sollte man aber auch über einen echten "Brecher" wie Sebastien Haller.