Lewis Holtby (28) war der Königstransfer des Hamburger SV im Sommer 2014. De facto, mussten die ​HSV-Verantwortlichen bis zum letzten Tag mit Tottenham-Boss Daniel Levy um die Konditionen des Transfers feilschen, dann war er endlich da. Mit ihm schien ein weiteres Puzzle-Teil für eine bessere sportliche Zukunft gefunden zu sein. Doch die folgenden Jahre sollten die schwärzesten der Vereinshistorie werden. ​Jetzt stehen die Zeichen auf Abschied. Und das ist wohl für beide Parteien das Beste.


Irgendwie ist er nie so richtig angekommen. Jedenfalls nicht so, wie man es in Hamburg erwartet hatte. In der Hansestadt hatten sie ihn als einen der Bandleader der famosen "Bruchweg-Boys" (zusammen mit André Schürrle und Adam Szalai) in Erinnerung, die in der Saison 2010/11 die Liga aufmischten und am Ende sensationell die Qualifikation für die Europa-League erreichten. Sein Trainer damals: der heutige PSG-Coach Thomas Tuchel.


Doch in Hamburg blieb der berühmte "Gitarren-Riff-Jubel" meistens aus. In den fünf Jahren beim Hamburger Traditionsklub hat Holtby es nie geschafft, über längere Phasen, idealerweise mal über eine komplette Saison oder zumindest eine Halbserie, sein zweifellos vorhandenes Potenzial abzurufen.


Die "Höhepunkte" sind entsprechend schnell aufgezählt: Es sind die vermiedenen Abstiege von 2014, 2015 und 2017. Doch die Ansprüche beiderseits waren wohl andere. Zu oft sah man Holtby während der Spiele abtauchen, zu selten konnte er dem Spiel der Hanseaten Struktur verleihen. Ein, zwei, vielleicht auch drei guten Auftritten folgten mindestens genauso viele mittelmäßige bis schlechte. Teils sehr schlechte.


Im Prinzip kann die aktuelle Spielzeit wie eine Blaupause für seine ganze Zeit beim "Dino" angesehen werden. Mittelprächtiger Beginn, dann ein paar Spiele, die Hoffnung machten, um dann, zur Winterpause hin, wieder völlig den Faden zu verlieren. Nach dem Wechselzoff mit Trainer Hannes Wolf am vorletzten Spieltag des vergangenen Jahres beim Auswärtsspiel in Duisburg (als er bei seiner Rausnahme den obligatorischen Handschlag mit dem Trainer verweigerte) schien schon im Dezember eine baldige Trennung möglich. Zwar gelobte der von den Medien viel Gescholtene während der Winterpause baldige Besserung. Und zumindest von den Zahlen her, schienen ihm die ersten Partien nach der Januarpause recht zu geben: er traf oder bereitete vor. Beinahe in jedem Spiel, so wie er es über seinen Instagram-Account angekündigt hatte. 


Doch das Feuer sollte schon bald wieder erlöschen. In den letzten Wochen war er dann wieder der Holtby, wie man ihn im Volkspark zu oft gesehen hat: zwar immer irgendwie dabei, aber nie mittendrin. ​