Bislang ist es noch nicht die Saison des Fiete Arp (19). Angesichts nur noch acht ausstehender Partien wird sie es wohl auch nicht mehr werden. Entsprechend genervt ist sein Trainer Hannes Wolf (37), der den Bald-Münchener nun öffentlich angezählt hat. Macht ein Verbleib des Stürmers beim HSV über diese Spielzeit hinaus eigentlich noch Sinn?


Das hatten sich alle in Hamburg, die es mit dem ​HSV halten, doch ein wenig anders vorgestellt. Nicht nur, dass unlängst die schon im vergangenen Sommer zwischen den Vereinen und dem Spieler vereinbarte Abmachung publik wurde, dass der Youngster zum FC Bayern München wechselt und er selbst entscheidet, ob er bereits nach Ablauf der aktuellen Spielzeit an die Isar wechselt oder noch ein Jahr dranhängt. Auch rein sportlich hatte man sich im Volkspark viel mehr von dem U19-Nationalstürmer versprochen.


Die Bilanz ist - wenn man mal ehrlich ist - verheerend: 15 Spiele in der 2. Liga absolviert, übrigens keines davon über die vollen neunzig Minuten, und dabei ein Törchen (beim 3:2-Heimsieg gegen Heidenheim im vergangenen September) vorbereitet. Das war´s. Kein eigener Treffer im Unterhaus! Nur im Erstrundenmatch des DFB-Pokals beim Fünftligisten TuS Erndtebrück konnte er einnetzen.


Unwillkürlich fragen sich wohl nicht nur HSV- und Bayern-Fans: Was will der beim FCB? Klar: Talent, Anlagen, Entwicklungspotential ob des jungen Alters - ist zwar alles vorhanden, aber im Endeffekt auch nur Blablabla. Viele Stars im internationalen Fußball haben ähnlich jung (oder noch jünger) ihre Laufbahn begonnen und sich von da ab kontinuierlich nach oben entwickelt. Und ja - diesen Vergleich muss er sich gefallen lassen, schließlich wurde er ja noch vor ein paar Jahren zu einem der "hottest secrets" im Weltfußball erklärt. Und mit seiner Entscheidung, zum deutschen Branchenprimus zu wechseln, hat er ja auch irgendwie ein Statement abgegeben.

Doch im Grunde genommen läuft er seit seinem sensationellen Debüt in der Saison 2017/18 (mit zwei Treffern binnen acht Tagen) dem ihm vorauseilenden Ruf immer mehr hinterher. Vorläufiger Tiefpunkt: diese Saison (siehe oben genannte Daten). Und innerhalb dieser Saison nun das vereinsinterne Testspiel zwischen A- und B-Mannschaft. Profis der 2. Liga gegen die Regionalliga-Mannschaft. (Die Rothöschen gewannen peinlicherweise 1:0). ​Auch da konnte Arp, wenngleich er damit nicht alleine stand, seinen Trainer nicht überzeugen.


Weniger als das - Hannes Wolf hat ihn dieser Tage zum ersten Mal öffentlich angezählt. Wenn ein Trainer von seinem Schützling einfordern muss, "besser zu trainieren", kann grundsätzlich etwas nicht stimmen. Dementsprechend setzt sich in der HSV-Gemeinde mehr und mehr die Überzeugung durch, dass sein Abgang vielleicht doch nicht den großen Verlust für den Klub bedeutet, als der er noch vor Monaten apostrophiert wurde. Immer häufiger erntet man von den HSV-Fans lediglich ein Achselzucken, wenn man sie auf den Weggang des Sturmtalents anspricht. Soll er doch nach München gehen, heißt es dann. Kein Bein werde er dort auf die Erde bekommen. Oder sogar in die Regionalliga Bayern verdammt.


Wenn man dann noch hört, welche Namen mittlerweile als potentielle Neuzugänge bei den Bayern gehandelt werden (Bale, Werner, Brandt, Havertz), braucht man schon ein wenig Phantasie, um sich Arp dort als festen Bestandteil des Erstliga-Kaders vorzustellen.


Acht Spiele hat Arp nunmehr noch Zeit um zu beweisen, dass er dem HSV doch noch sportlich helfen kann. Gelingt ihm das nicht, muss man sich von Vereinsseite ernsthafte Gedanken machen, ob es sich lohnt, ihn auch in der kommenden Spielzeit noch im Kader zu haben.