Hinter den Kulissen laufen schon seit geraumer Zeit die Verhandlungen zwischen dem Hamburger SV und dem Logistik-Unternehmer Klaus Michael Kühne (81) bezüglich der weiteren Zusammenarbeit. Der streitbare Multi-Milliardär denkt dabei über eine Ausweitung seines bisherigen Engagements nach. Dem steht jedoch ein eindeutiges Votum der Vereinsmitglieder im Weg.


Gestern Nachmittag war der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann (56) zu Gast bei NDR 90,3 und stand den fragenden Zuhörern Rede und Antwort rund um die Geschicke des Traditionsklubs. Pikanterie am Rande: es gab auch eine Live-Schaltung mit Klaus-Michael Kühne. Und der verkündete, prinzipiell auch in der Zukunft mit dem Verein kooperieren zu wollen - allerdings unter gewissen Bedingungen. In der Hauptsache geht es dabei um eine Aufstockung seines finanziellen Engagements. Dafür, so Kühne, müsse jedoch frisches Kapital eingesetzt werden. Dies wiederum geht nur über den Verkauf weiterer Anteile. Und genau hier liegt das Dilemma für den Verein. 


Aktuell sieht die Verteilung wie folgt aus: Der Gesamtverein ​HSV e.V. hält 76,19 Prozent der Aktien. Die restlichen 23,81 Prozent teilen sich Klaus-Michael Kühne (20,57 %), die Familie Burmeister (1,35 %), der Agrarunternehmer Helmut Bohnhorst (1,22 %) und die Erben von Weinhändler Alexander Margarittof (0,67%). Zwar würde die Vereinssatzung eine Erhöhung des Fremdkapitals bis zum Sommer auf bis zu 33,3 % formal möglich machen, doch auf der Mitgliederversammlung vom Januar diesen Jahres (bei der bekanntlich Marcell Janssen zum Präsidenten des Gesamtvereins gewählt wurde) wurde auch beschlossen, eine Begrenzung von maximal 24,9 % statuarisch zu verankern. Und sowohl der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann als auch der frisch gebackene Vereinspräsident Marcell Janssen werden einen Teufel tun, dieses Mandat der Mitglieder einfach zu übergehen.

Entsprechend bedeckt und vage formulierte Hoffmann während seines gestrigen Auftritts beim NDR die momentane Lage: "Wir nehmen das Votum in der Mitgliedschaft sehr ernst. Insoweit ist eine Begrenzung auf 24,9 Prozent da. Auf der anderen Seite nehmen wir die Bereitschaft von Herrn Kühne gerne auf, über veränderte Modelle zu sprechen." Wie jemand halt so spricht, wenn er sich an der Quadratur des Kreises versucht.


Kühne jedenfalls würde also weitermachen. Er betonte gestern aber auch, dass es ihm lieber sei, wenn weitere Investoren ins Boot springen würden, damit nicht immer alles auf seinen Schultern ausgetragen werden müsse. Und fast wie eine leise Drohung schickte er noch hinterher: "Und wenn ich allein übrig bleibe, dann muss ich mir das sorgfältig überlegen. Ich lasse alles offen." Wie z.B. auch die Stadionfrage, in der er aber - sehr dezent - eine Übereinkunft für möglich hält: "Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Einigung bekommen und sich die Frage im Sommer nicht neu stellt." Alles offen also - analog zur aktuellen sportlichen Situation, wenn man so will. 

Zum Spiel gegen den SV Darmstadt erklärte Kühne eingangs seines Interviews mit NDR 90,3: "Nach dem Spiel bin ich erst einmal unter Schock. (...) Schlimmer geht´s nimmer." Zwar hatte er auch noch tröstliche Worte in Bezug auf die Aufstiegsperspektiven, relativierte diese jedoch mit einer provokativen Aussage: "Ich glaube an den dritten Platz. Der HSV ist Spezialist in Relegationsspielen. Ich hoffe, dass sie sich da durchsetzen." Kühne wäre halt nicht Kühne, wenn er eine Gelegenheit ausließe, die Mannschaft öffentlich abzuwatschen.