Zwölf Heimspiele in Folge war ​Borussia Mönchengladbach seinen Gegnern stets überlegen, doch mittlerweile tun sich die Fohlen im heimischen Borussia-Park umso schwerer. Das ​1:1 gegen den SC Freiburg bedeutete zwar den ersten Punktgewinn nach drei Heimniederlagen in Serie, doch so richtig zufrieden wollte niemand am Freitagabend das Stadion verlassen. Der Vorsprung auf die Europa-League-Plätze schmilzt, der Traum von der Champions League droht unter Umständen zu platzen. Während die Spieler selbst die mangelnde Durchschlagskraft kritisierten, fehlte Matthias Sammer die Leichtigkeit in der Offensive. 


Am 21. Spieltag hätte die Borussia endgültig einen neuen Rekord aufstellen können. Bei einem Sieg im Heimspiel gegen Hertha BSC hätte man die alleinige Bestmarke von 13 Siegen in Serie aufgestellt, wäre somit erfolgreicher als die Elf, die sich einst mit zwölf Siegen von 1983 bis 1984 in die Geschichtsbücher eintrug.


Doch die 0:3-Pleite gegen die Hauptstädter zeigte Wirkung: Gladbach feierte in den letzten sechs Bundesligaspielen nur einen Sieg, kassierte vor zwei Wochen gar ein 1:5 gegen Bayern München und kam auch gegen den SC Freiburg nicht über ein Remis hinaus. In der bislang so herausragenden Saison ist dies die erste echte Schwächephase der Mannschaft, doch sie kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.


Im Moment läuft wenig zusammen


Nach dem 21. Spieltag betrug der Vorsprung auf Platz fünf satte neun Punkte, mittlerweile ist dieser um die Hälfte geschrumpft. Mit einem Sieg gegen den 1. FC Nürnberg kann Eintracht Frankfurt bis auf einen Zähler heranrücken, der Druck wird für die Borussia spürbar größer.


"Bei Mönchengladbach fehlt die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit im Spiel nach", empfand Matthias Sammer nach der Partie bei Eurosport. Das Spiel gegen defensiv orientierte Freiburger müsse die Mannschaft von Dieter Hecking gewinnen, "wenn man unter die ersten vier Teams kommen möchte", doch "manchmal hilft auch ein Punkt weiter, wenn man weiß, dass im Fußball die Abläufe manchmal völlig irrational sind", so der 51-Jährige.

Yann Sommer

  Rätselt über die mangelnde Effizienz seiner Vordermänner: Torhüter Yann Sommer


Die Spieler selbst sprechen von mangelnder Durchschlagskraft, mussten sich aber auch eingestehen, zu viele Chancen liegen gelassen zu haben: "Es gelingt uns momentan nicht, den letzten Druck zu geben, um den Ball unbedingt ins Tor zu schießen. Es ist einfach schade, dass kein Ball in der zweiten Hälfte den Weg ins Tor gefunden hat", beklagte Torhüter Yann Sommer, während Tobias Strobl haderte: "Wir wissen, dass wir es besser machen können. Wir sind alle sehr positiv eingestellt und hatten uns vorgenommen, heute als Sieger vom Feld zu gehen. Das ist uns nicht gelungen."


Am meisten ärgerte sich jedoch Dieter Hecking über das Unentschieden. Der Trainer beklagte die Passivität seiner Spieler, forderte zudem mehr Struktur für das Offensivspiel ein: "Wir haben gewusst, was auf uns zukommt. [...] Wir sind viel zu passiv gewesen, damit bin ich überhaupt nicht zufrieden. Das haben wir uns anders vorgenommen", wird der 54-Jährige bei ​RP Online zitiert. 


Viel Arbeit in der Länderspielpause


"Wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir gegen Freiburg gewollt haben und angerannt sind, aber nicht mit der Struktur, die du dann auch brauchst. Mit guten Eins-gegen-Eins-Situationen, in denen man sich durchsetzt zum Beispiel - oder dem letzten Pass nach vorne. Dann wird es zäh, und dann wird man ungeduldig, was man bei meiner Mannschaft gesehen hat", so Hecking, der die Länderspielpause dazu nutzen wolle, um an den nötigen Stellschrauben zu drehen.

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   Aktuell sieht Dieter Hecking wieder mehr Arbeit auf sich zukommen


In Anbetracht der Tabellensituation ist dies mehr als nötig. Einen Gegenwind der Fans wie im Vorjahr müssen die Spieler aufgrund des gesamten Saisonverlaufs nicht fürchten, doch die Borussia droht das, was sie sich bislang erarbeitet hat, aus den Händen zu geben. Die Champions League ist wahrlich kein Muss, doch wenn die Mannschaft am Ende "nur" auf einem Europa-League-Platz landet, dürfte der Ärger über die versäumte Chance entsprechend groß sein.


Umso mehr wächst dadurch automatisch der Druck auf die Spieler, die sich in den vergangenen Wochen gezeigt haben. Die ersten beiden Gegner nach der Länderspielpause lauten Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen. Bis dahin wird Hecking genügend Zeit haben, die Probleme mit der Mannschaft zu erarbeiten und auszumerzen, um so schnell wie möglich wieder als Sieger vom Platz gehen zu können und sich am Ende der Saison entsprechend zu belohnen.