Mit der 1:3-Niederlage gegen Liverpool am gestrigen Abend schied auch der FC Bayern München, das letzte Bundesliga-Team, frühzeitig aus dem diesjährigen Champions-League-Turnier aus. Dass keine deutsche Mannschaft das Achtelfinale der Königsklasse überlebte, geschah zuletzt 2006 - vor 13 Jahren. Wie aber steht es um die Zukunft der Bundesligisten im internationalen Vergleich?


Zugegeben: Spricht man über die beeindruckende Strecke von über einem Jahrzehnt, in dem stets mindestens ein Bundesligist das Achtelfinale gewann, muss man auch in Betracht ziehen, dass häufig genug - sechsmal, um genau zu sein - allein Rekordmeister Bayern den Ruf der Bundesliga international zu verteidigen wusste. 


Doch das baldige Ausscheiden der deutschen Mannschaften nach fulminantem Start in der Gruppenphase, hinterlässt doch einige Fragen. Nicht zuletzt die, ob Teams der höchsten deutschen Spielklasse international zukünftig noch um Titel mitspielen können, während sich die (englische) Konkurrenz - auch dank riesiger Etats - immer weiter absetzt. 

Sadio Mane

Sadio Manés Doppelpack beendete die Champions-League-Saison des FC Bayern



Denn Fakt ist: Nach Zahlen war am Ende keines der diesjährigen Achtelfinal-Duelle mit deutscher Beteiligung knapp. Nach Hin- und Rückspielen verloren die Bundesligisten respektive mit 0:4 (​Borussia Dortmund), 2:10 (​Schalke 04) und eben 1:3 (Bayern München). Wie in vergangen Spielzeiten steht dadurch erneut der bayrische Bundesliga-Tabellenführer am besten da - ein Trost wird das nicht sein. 


Neues Jahr, neues Glück?

Wie aber sieht die Prognose für das nächste Jahr aus? Aktuell würden neben Dortmund und den Bayern auch ​RB Leipzig und ​Borussia Mönchengladbach in der Königsklasse antreten. Am internationalen Ertrag der Bundesliga würde das aller Voraussicht nach wenig ändern. Leipzig hat in der aktuellen Saison bereits relativ eindrucksvoll bewiesen, dass es für das internationale Geschäft eben eigentlich noch nicht ganz reicht. Ob sich das ab der nächsten Saison unter Julian Nagelsmann ändern wird, der in diesem Jahr eigens mit ​Hoffenheim in der Vorrunde der Champions League ausschied, sei mal dahingestellt. Der wahrscheinliche Abgang von Star-Stürmer Timo Werner macht es zumindest kaum einfacher. 

Julian Nagelsmann

Julian Nagelsmann trainiert ab der nächsten Saison RB Leipzig



Auch ob die zweite Borussia der Bundesliga, die aus Mönchengladbach, eine Gruppenphase oder gar ein Achtelfinale der Champions League übersteht, ist fraglich. Auch am Niederrhein stehen womöglich namhafte Abgänge bevor. Thorgan Hazard, Alassane Pléa, auch Matze Ginter haben sich mit Topleistungen allesamt für größere Aufgaben empfohlen - die entsprechenden Angebote, so sie denn noch nicht stehen, werden im Sommer vorliegen. Unter dem Druck, eine international wettbewerbsfähige Mannschaft aufzustellen, möchte man den Lenkern hinter der Fohlenelf fast wünschen, dass der VfL in der Liga noch von den Champions-League-Rängen verdrängt wird. 


​Eintracht Frankfurt, aktuell Bundesliga-Fünfter, hat unabhängig vom Ergebnis des heutigen Rückspiels des Europa-League-Achtelfinals gegen Inter in dieser Saison bewiesen, dass sie auch als vermeintlicher Außenseiter bestehen können. Dadurch werden sicher auch in Hessen hochdotierte Transferangebote auf den Schreibtischen der Chefetage landen, doch wusste die Eintracht in jüngerer Vergangenheit stets, mit derartigen Versuchungen besonnen umzugehen. Der eine oder andere Star wird sich mit der Aussicht auf die Königsklasse vielleicht sogar halten lassen. Selbst dann jedoch wäre das Experiment Champions League für die Hessen kein leichtes Unterfangen. 


So werden die Hoffnungen deutscher Fußballfans auch im nächsten Jahr wieder auf dem BVB und dem (oft so ungeliebten) FC Bayern liegen müssen. Die beiden Top-Mannschaften der Bundesliga hätten sich zwar schon in der laufenden Saison mehr vom internationalen Wettbewerb erhofft, doch begünstigen die ​hohen Einnahmen aus Vorrunde und Achtelfinale zweifelsohne die Kaderplanung für die nächste und folgende Spielzeiten. 

Karl-Heinz Rummenigge,Uli Hoeness

Die Bayern-Bosse sind bereit, im Sommer große Summen für neue Spieler auszugeben



Der Münchner Rekordmeister hat dabei die ​große Transferoffensive bereits ausgerufen. Die Dortmunder sind ebenfalls in ​sämtliche Gerüchte um hochkarätige Talente und gestandene Profis tief verwickelt. Wenn Uli Hoeneß mal nicht nur große Töne gespuckt hat und die Borussia ein ähnlich gutes Händchen beweist wie in den letzten Jahren, haben zumindest die beiden großen Bundesligisten im nächsten Jahr eine Chance, in der CL um Titel mitzuspielen. Alles, was weitere deutsche Mannschaften dann leisten - welche auch immer das sind -, ist ein Bonus.