​Borussia Dortmund sucht auf einigen Schlüsselpositionen nach Verstärkungen für die kommende Saison. Ein klassischer Mittelstürmer, der mit Wucht und Dynamik die gegnerische Defensive einreißt, wird von Trainer Lucien Favre aber kategorisch abgelehnt. Ein Fehler, den der Schweizer nicht zum ersten Mal macht.


Lucien Favre steht nicht erst seit seiner Anstellung bei Borussia Dortmund für hohe Pass- und Spielkultur. Wenn es sein muss, lässt er seine Mannschaft wie im Handball um den gegnerischen Sechzehner spielen und geduldig warten, bis sich die entscheidende Lücke auftut. Das ist beim BVB zu beobachten, selbiges gab es auch schon unter seiner Leitung bei ​Borussia Mönchengladbach.


Eine weitere Parallele, die sich nun in seiner Amtszeit bei den Schwarz-Gelben auftut, ist das kategorische Ablehnen eines bestimmten Spielertyps: der klassische Mittelstürmer. Schon in Gladbach setzte der Romand lieber auf spielstarke Stürmer, die sich ins Mittelfeld fallen lassen, dort Bälle holen, oder die kombinationssicher sind. Ein Stürmer der Marke „Brecher“, der mit Wucht und Dynamik im vorderen Drittel Lücken reißt, oder der in der Mitte die Flanken verwertet, war schon immer ein Fremdkörper im System Favre.


In Gladbach zeigte dies seinerzeit das große Missverständnis Luuk de Jong. Der Niederländer blieb am Ende trotz der damaligen Rekordsumme von zwölf Millionen Euro nur anderthalb Jahre am Niederrhein und trat dann die Flucht über die Premier League und schließlich in seine Heimat an. Es ist einfach nicht der Spielertyp, den Favre bevorzugt und den er in seinem Spielsystem sehen will.


Daher lehnt er auch beim BVB aktuell eine Verstärkung auf dieser Position ab. Das allerdings dürfte ein großer Fehler sein, den er damit nicht zum ersten Mal begeht. Denn sowohl gegen den 1. FC Nürnberg, als auch gegen den FC Augsburg wurde das Fehlen eines solchen Spielers absolut bemerkbar. In beiden Spielen wurde der Ball vor dem gegnerischen Strafraum von links nach rechts und wieder zurück geschoben, ohne jedoch eine Wirkung zu erzielen. Die Lücke wurde nicht gefunden und so stand man nach 90 Minuten Ballgeschiebe in beiden Fällen etwas ratlos da.


Favre jedoch scheint sich vehement gegen diese Art Spieler zu wehren und will daher lieber auf den spielerischen Stürmer setzen, notfalls auch nicht aus den oberen Regalen, sondern preisgünstig. Auf Dauer könnte das die entscheidenden Punkte kosten, die eine Meisterschaft entscheiden, denn wo die Konkurrenz dann ein solches Spiel durch ein Tor in den entscheidenden Minuten gewinnt, muss der BVB mit einer Punkteteilung oder weniger leben. Es zeigt, dass beim Schweizer Coach eine gewisse Lernresistenz vorhanden ist.

​​