Erstmals seit Herbst hat ​Dortmund die Tabellenführung an ​Bayern München abgeben müssen. Wer jetzt glaubt, die Borussia hat sich aufgegeben, hat sich allerdings geirrt. Sportdirektor Michael Zorc kündigt an, bis zum Ende der Saison dem Meistertitel nachjagen zu wollen. 


​Nach dem 5. Spieltag der laufenden Saison thronte der FC Bayern München an der Spitze der Bundesliga. Aus den ersten Spielen holte die Mannschaft von Niko Kovac vier Siege und ein Unentschieden. Das war Ende September, die Temperatur war noch relativ angenehm, aber für den Rekordmeister wurde es mit jedem Spieltag kühler und finsterer - mit dem schmerzhaften Höhepunkt Mitte Dezember, als Dortmund neun Punkte Vorsprung vor den Bayern hatte. 


Dieser Vorsprung der Borussia ist mittlerweile aufgebraucht und hat sich sogar in einen minimalen Rückstand verwandelt. Im Februar durchlebte Dortmund die erste Schwächephase der Saison, schied nicht nur in der Champions League sowie im DFB-Pokal aus, sondern kassierte auch in der Liga den einen oder anderen Rückschlag. Wovon Experten in der Hinrunde gewarnt hatten, wurde für die recht junge Mannschaft Realität.

Dritter oder Vierter ist zu wenig


BVB-Sportdirektor Michael Zorc gab sich jetzt im Interview mit Sport Bild angriffslustig: "Wir haben jetzt nur noch einen Wettbewerb, in dem wir die Chance haben. Wir sind nicht zufrieden, wenn wir am Ende Dritter oder Vierter werden." Ursprünglich hatten die Westfalen ausgerufen, mindestens Vierter werden zu wollen, um sich für die Champions League zu qualifizieren. 


Zorc hat die Erwartungshaltung angesichts der bisher - über weite Strecken der Saison - guten Leistungen hochgeschraubt: "Wir werden alles versuchen und bis zum letzten Spieltag kämpfen, um Meister zu werden." Damit betont der 56-Jährige, keinen zusätzlichen Druck auf die Mannschaft aufbauen zu wollen. Einen Titelgewinn würde er trotzdem als "riesige Sensation" erachten. Er sei guter Hoffnung, dass die Schwächephase mit dem Sieg am Samstag gegen den VfB Stuttgart vorbei ist. 


Viele junge Profis wie Jadon Sancho, Jacob Bruun-Larsen oder Dan-Axel Zagadou haben noch nie die Erfahrung gemacht, welche Qualitäten im Meisterschaftskampf vonnöten sind. Einerseits setzt Michael Zorc die Mannschaft mit seinen Aussagen nun noch mehr unter Druck. Andererseits erinnert Zorc die Mannschaft an die nach wie vor gute Ausgangslage. Nur zwei Tore trennen den BVB bei gleicher Punktanzahl vom Spitzenreiter. So könnte vor dem direkten Duell gegen den FCB in der Allianz Arena am 6. April ein neuer Spirit das Team von Trainer Lucien Favre beflügeln.