Raheem Sterling von ​Manchester City ist ein Spieler, der sich lautstark gegen Rassismus wehrt. Im vergangenen Dezember beim Auswärtsspiel in Chelsea wurde er - mal wieder - Ziel rassistischer Beleidigungen. In der New York Times wurde er nun interviewt und bezog Stellung.


Bei Manchester City ist Raheem Sterling absoluter Stammspieler. Und wer bei einem solchen Klub einen so großen Stellenwert einnimmt, ist auch in der englischen Nationalmannschaft gesetzt. Er vertritt damit eine gesamte Fußballnation, für die er schon 47-mal das Trikot überstreifte. Aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe wird er jedoch immer wieder rassistisch angefeindet. Von seinen Landsleuten, von den Anhängern seiner Gegner. Schon länger wehrt er sich öffentlich und vehement gegen diese unsäglichen Zustände und gab der New York Times nun ein Interview, in dem er über seine düsteren Erfahrungen berichtet.


Ob es in Liverpool eine Kopfnuss war, die er als Teenager von einem völlig Fremden bekam, oder der kleine Junge in Everton, der ihn mit seinem Vater als „schwarzes Etwas“ bei seinem ersten Auswärtsspiel im Goodison Park betitelte, Sterling hat viele gruselige Geschichten erlebt. Zuletzt bekam er den Hass in ​Chelsea im vergangenen Dezember zu spüren. Das war der Punkt, an dem er dachte, dass es nun endgültig reicht.


Sterling, der normalerweise nicht als Lautsprecher bekannt ist, entschloss sich zu einer Reaktion und postete ein Statement auf seinem Instagram-Account. Immer wieder muss er sich dafür rechtfertigen, immer wieder wird er auf seine Hautfarbe und damit verbundene Stereotypen reduziert. „Diese Leute kennen mich gar nicht. Sie definieren mich danach, was sie über mich lesen. Und so behandeln sich mich auch. Wenn Menschen die Öffentlichkeit glauben lassen, du wärst jemand völlig anderer, ist das verletzend und herabwürdigend“, so Sterling.


So ist er „millionenprozentig“ überzeugt, dass die Medien vor allem deshalb mit ihm so umspringen, weil er schwarz ist. Diese Überzeugung hat ihn letztlich das Risiko eingehen lassen, aufzustehen und gemeinsam mit weiteren Galionsfiguren wie den amerikanischen Quaterback Colin Kaepernick oder den NBA-Superstar LeBron James für Gleichheit zu kämpfen.


Ein gutes Beispiel für diese unsägliche Berichterstattung sei ein Bericht aus 2016, erzählt der Stürmer. Dort hatten einige Zeitungen berichtet, er sei auf der Suche nach seinem siebten Auto. So hätte er für jeden Wochentag eines – und präsentierten Bilder von ihm, wo er vor Autos posierte. „Das waren Autos, die ich zwischen meinem 17. und 23. Lebensjahr besaß“, erklärt Sterling. „Das haben sie draus gemacht. Alle diese Autos waren verkauft. Und was machst du, wenn du dein Auto verkaufst? Du kaufst ein neues. Aber die hatten ein Bild von mir mit jedem einzelnen Auto. Also haben sie die Story so gestrickt, als hätte ich für jeden Wochentag eins. Und dann sehen die Leute dich so und denken: alles was er macht, ist Autos kaufen und ein Leben in Saus und Braus führen.“


In Wirklichkeit, führt er weiter aus, besitzt er genau ein Auto, seine Partnerin ebenfalls. Allerdings gibt es viele solcher Geschichten. Wo er shoppen geht, mit welcher Fluglinie er reist, usw. Von seinen Freunden wird er damit regelmäßig aufgezogen. Auch er kann über diese Dinge lachen, sagt aber auch: „Es gibt wichtigere Dinge auf der Welt, als wo ich essen gehe.“


Zudem seien es nicht die Artikel an sich, sondern vielmehr der Tonfall, bestimmte Schlagwörter in diesen Berichten. Unterschwellige Unterstellungen, das er als junger erfolgreicher und hochprofessioneller Fußballer, der nebenbei noch eine schwarze Hautfarbe hat, das viele Geld, was er verdient, nicht angemessen ausgibt, oder eine solche Summe nicht verdient habe. „Es bin ja nicht nur ich“, erklärt er. „Jeder Bericht über einen schwarzen Sportler endet mit Geld, Klunker, Autos oder etwas anderem in der Art. Bei einer weißen erfolgreichen Person ist alles schön, süß, kurz, eine Person zum liebhaben. Nenne mir einen weißen Spieler, bei dem zu denkst: der ist BlingBling.“


Das Beispiel mit Cristiano Ronaldo wiegelt er hingegen schnell ab. „Wenn er dir seine Autos zeigt, das er die Nummer Eins der Welt ist, dann ist das protzig. Ich mache sowas aber nicht mal, also warum wird es mir dann unterstellt?“ Es sei eine Stereotype für schwarze Menschen: „Ketten, Schmuck, Geld und Klunker. All das wird mit Schwarzen assoziiert. Wenn ich zehn Autos präsentiere, in eine Goldkette beiße und mit zwei Rolex trage, dann nenn mich protzig. Aber du kannst mich nicht so kategorisieren, wenn ich dieses Bild nicht hergebe!“


Dabei gibt es tatsächlich Beispiele, wie unterschiedlich damit umgegangen wird. Während Phil Foden seiner Familie ein Haus von seinem Geld kaufte und damit als fürsorglicher Spieler porträtiert wurde, galt Tosin Adarabioyo, der von City nach West Brom verliehen ist und seiner Familie ebenfalls ein Haus kaufte, als Spieler, der diesen Erfolg nicht verdient habe.


Daher hofft Sterling auch weiter auf eine Sensibilisierung bei diesen Dingen. „Viele Zeitungen wissen am Ende gar nicht und merken nicht, dass sie dort rassistisch sind. Die Leute müssen viel vorsichtiger sein mit dem, was sie schreiben und wie sie es schreiben, diese kleinen Wörter. Diejenigen, die es dann lesen, beurteilen dich sofort. Damit feuert man gewisse Beurteilungen nur an.“ Daher hat er sich heute auf die Fahnen geschrieben, Leute zum nachdenken zu bewegen.


„Wenn ich es nicht mache, wenn es die Leute nach mir nicht machen, dann wird es immer so weitergehen. Wenn ich mit dem Fußball fertig bin, werde ich davon leben, was ich auf dem Platz gemacht habe? Nein. Ich möchte den Menschen helfen können, das Beste zu sein, das sie sein können.“