Fredi Bobic, Sport-Vorstand von Eintracht Frankfurt, kritisierte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Nachwuchsförderung in Deutschland. Insbesondere die Ausbildung von klassischen Stürmern sei stark vernachlässigt worden. 


Der DFB hat es dieser Tage nicht leicht. Durch die ​Ausbootung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng hatten die Verantwortlichen des Deutschen Fußballbundes eigentlich genug Häme auf sich gezogen. Die Kritik beschränkte sich aber nicht lange auf die Personalpolitik des Bundestrainers, sondern wurde bald auf sämtliche Versäumnisse des Verbandes ausgeweitet. Ex-Nationalspieler und Frankfurt-Manager Fredi Bobic nahm sich im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nun die Nachwuchsförderung in Deutschland zur Brust. 

FUSSBALL: EURO 1996 GER

Bobic erzielte in seiner Karriere selbst zehn Länderspiel-Tore


Angesichts des französischen Top-Stürmers der ​Eintracht, Sébastien Haller, stellte der 47-Jährige fest: "Einen Mittelstürmer wie Haller haben wir in Deutschland nicht". Er habe es "immer für einen großen Fehler gehalten, dass wir in der Ausbildung in Deutschland nicht mehr auf den klassischen ‚Neuner‘ gesetzt haben", so der 37-fache Nationalspieler, der seinerzeit selbst als Stürmer auflief. Das Angreifer-Problem sei zudem nicht nur im Senioren-Bereich zu finden, auch in der Jugend fänden sich kaum talentierte Torjäger. "Wie viele Mittelstürmer haben wir denn noch?", fragte Bobic, um daraufhin festzustellen: "Puh, das wird schwer für Deutschland".


Auf die Mängel in der Ausbildung angesprochen, gab der Deutsche Fußballbund daraufhin laut transfermarkt.de heute überraschenderweise Versäumnisse zu. Oliver Bierhoff, ebenfalls Ex-Nationalspieler und Direktor Nationalmannschaften und Akademie des DFB gab seinem ehemaligen Kollegen recht, fügte jedoch hinzu, dass man darauf ausgerichtet sei "solche Mängel abzustellen". Als Ziel gab der 50-Jährige, der einst mit Bobic die Europameisterschaft gewonnen hatte, vor, man wolle "den deutschen Fußball wieder an die Weltspitze bringen". 

Oliver Bierhoff

Oliver Bierhoff gab Versäumnisse in der Fußball-Ausbildung des DFB zu


Unterstützung bekam Bierhoff dabei von Joti Chatzialexiou, dem Sportlichen Leiter Nationalmannschaften des DFB. Im Rahmen Gesprächen mit der ​Liga und den Landesverbänden habe man den Konsens gefunden, "künftig wieder verstärkt für ‚Spitzenfußball made in Germany‘" stehen zu wollen. Der Weg dorthin solle demnach auch über eine veränderte Fußball-Lehrer-Ausbildung führen, in der "Bolzplatz-Mentalität, Kreativität und Persönlichkeit eine größere Rolle einnehmen sollen.