Wenig überraschend führen die Bundesligaabsteiger aus Hamburg und Köln aktuell die zweite Liga an. Dass die Spitze aber so eng ist und wie sich beide Favoriten teils nur sehr knappe Dreier sichern, ist sicher nicht der von den Vereinen ausgearbeitete Plan. Nach 24 Spieltagen stellt sich die Frage: Wie schön darf man spielen, wenn man in die Bundesliga will?


Elf Spieltage war der ​Hamburger SV in den vergangenen Monaten am Stück Tabellenführer, bevor er nun vom letztjährigen Mitabsteiger ​FC Köln wieder überholt wurde. Insgesamt hat der ehemalige Bundesliga-Dino damit mehr Spieltage an der Ligaspitze verbracht als alle seine Zweitliga-Konkurrenten. 


Diese Bilanz jedoch täuscht über die Art und Weise hinweg, auf die Hannes Wolf und seine Mannen in der aktuellen Spielzeit den Aufstiegskurs schaffen - die ist häufig alles andere als souverän. Denn: Haben die Nordlichter auch 14 ihrer bisher 24 Spiele gewinnen können, fällt auf, dass elfmal lediglich ein einziger Treffer einen Punktverlust verhinderte.

Aaron Hunt,Berkay Özcan

HSV-Kapitän Aaron Hunt rettete mit seinem Tor gegen Greuther Fürth den Sieg



In der Spielanlage und dem vorhandenen Talent klar überlegen, lag es nicht an einem besonders schönen oder beeindruckenden Spielstil, dass die Hamburger so lange an der Spitze thronten. Es war lediglich die Tatsache, dass sie mit dem Glück des Tüchtigen oft knapp gewannen - so auch am vergangenen Wochenende gegen ​Greuther Fürth. Was in der Hansestadt unfreiwillig früh zum Mittel der Wahl wurde, hält nun auch bei Wieder-Tabellenführer und Mitkonkurrent FC Köln Einzug. Der Verein aus der Domstadt gilt mit seinem effektiven Offensivspiel und seinen inzwischen 59 Treffern als Torfabrik der zweiten Liga. Doch mit einer Defensive, die sich zuletzt auch mal in den falschen Momenten ausruhte, ging der Weg zurück an Tabellenplatz Eins gerade am Wochenende gegen den ​FC Ingolstadt offenbar nur auf die HSV-Art.


Denn hatten der Kölner Sportchef Armin Veh und sein Trainer Markus Anfang zu Beginn der Saison laut dem Kölner Express noch attraktiven Fußball versprochen, bei dem es nicht darum gehe, "ein Ergebnis zu halten – sondern darum, nach vorne zu spielen und Tore zu erzielen", bot sich am Sonntag in Ingolstadt ein anderes Bild. Eine Zwei-Tore-Führung erspielt, konzentrierten sich die Geißböcke lediglich darauf, das Ergebnis zu verwalten - und verzockten sich beinahe gegen den Abstiegskandidaten. Dennoch: Der 2:1-Endstand brachte drei Punkte ein und sicherte Rang Eins. 

1. FC Koeln v 1. FC Magdeburg - Second Bundesliga

Kölns Dominick Drexler war gegen den FC Ingolstadt per Volley sehenswert erfolgreich



Sieg vor Schönheit - getreu diesem Motto beißen sich die beiden Bewerber um den direkten Wiederaufstieg oben fest. Die Hamburger profitieren dabei von der Kaltschnäuzigkeit erfahrener Leistungsträger wie Aaron Hunt und Pierre-Michel Lasogga, beim Effzeh bewähren sich derweil Transfers wie Rafael Czichos und Dominick Drexler, die mit Zweitliga-Erfahrung zum Absteiger stießen und sich zeitweise als gnadenlos effektiv erwiesen haben. Als Ex-​Kieler kennen beide die 2. Bundesliga und wissen, was es braucht, um im harten Wettbewerb zu bestehen. 


"Die Gegner pressen immer hoch, dann ist es mit Tiki-Taka schwierig. Es geht um die einfachen Dinge im Fußball. Das sieht vielleicht nicht schön aus, aber wenn wir nicht schön aufsteigen, ist mir das auch egal." - Mit diesem Statement ist zum Effektivitäts-Trend der Top-Teams in der zweiten Liga viel gesagt. "Tiki-Taka", schöner Offensivfußball - all das ist nicht gleichbedeutend mit Erfolg, zumindest nicht in dieser Spielklasse. Auch deshalb fordert Kölns Drexler: "Wir sollten aufhören, Siege schlechtzureden. Die Brust sollte breiter werden. Man muss die Spiele erst mal gewinnen, das sollte man nicht kleinreden." Der Erfolg gibt ihm derzeit Recht.