​Anstatt im enorm wichtigen Kellerduell gegen den VfB Stuttgart wichtige Punkte im Abstiegskampf zu holen, ging ​Hannover 96 am Sonntag mit 1:5 baden. Ein erneuter Abstieg der Niedersachsen erscheint daher aktuell höchstwahrscheinlich. Doch auch wenn den Hannoveranern doch noch der Klassenerhalt glücken sollte, stehen tiefgreifende Veränderungen an.


Da wäre zum einen der Kader des Abstiegskandidaten. Nur wenige Spieler zeigten zuletzt den nötigen Ehrgeiz um dauerhaft in der ​Bundesliga aktiv sein zu können. Zyniker dürften daher die Tatsache, dass im kommenden Sommer die Verträge von gleich elf Spielern auslaufen, fast schon als Glücksfall bezeichnen. Darunter sind mit Oliver Sorg, Kevin Wimmer, Bobby Wood, Takuma Asano, Nicolai Müller und Marvin Bakalorz gleich sieben Spieler, die bei der Blamage gegen die Schwaben zum Einsatz kamen. Vor allem im Falle eines Abstiegs steht daher ein drastischer Kaderumbruch an. 

Horst Heldt

Manager Horst Heldt gerät in Hannover ins Wanken


Bei den beiden Leihspielern Nicolai Müller und Kevin Akpoguma, konnte man sich ohnehin keine Kaufoption sichern. Bei Bobby Wood und Kevin Wimmer schon. Beide Spieler dürften aber zu teuer sein. Lediglich bei ​Takuma Asano besteht dem Vernehmen nach Hoffnung, da die Niedersachsen mit dessen Stammverein FC Arsenal bereits in Verhandlungen stehen.


Doch damit nicht genug, sollen die fünf derzeit wertvollsten Spieler der Hannoveraner, namentlich Ihlas Bebou, Niclas Füllkrug, Genki Haraguchi, Matthias Ostrzolek und Walace, allesamt Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen verankert haben. Einen Gang in die zweite Liga dürfte dabei kaum einer der Topspieler ernsthaft in Erwägung ziehen.


Um die Kaderplanung voranzutreiben, sollen sich Klub-Präsident Martin Kind und Horst Heldt bereits vor der Partie getroffen haben. In dieser Woche sollen die Spieler und Berater in die Pläne der Verantwortlichen eingeweiht werden. Dabei ist auch Heldt selbst zuletzt heftig in die Kritik geraten. Schließlich hat der 49-Jährige die bisherige Kaderzusammenstellung in weiten Teilen zu verantworten und konnte zuletzt nur wenige überzeugende Deals einfädeln. Auch sein Trainerwechsel zu ​Thomas Doll ging bislang völlig ins Leere.

Martin Kind

Martin Kind eckt mit seinen Überzeugungen häufig an


Der neue Coach musste in fünf Spielen vier größtenteils heftige Niederlagen einstecken und hat offenbar bereits den Bezug zu seinen Spielern verloren. Anstatt seine Schützlinge nach heftigen Nackenschlägen aufzubauen, ließ der Übungsleiter öffentlich kein gutes Haar an seiner Mannschaft. Da das Tischtuch scheinbar bereits zerschnitten ist, ist eine Zusammenarbeit über die Saison hinaus, trotz bis 2020 und auch für die zweite Liga gültigem Vertrag, angeblich kaum mehr vorstellbar.


Ein vorzeitiger Abschied noch in dieser Saison soll dem Vernehmen nach lediglich aus Kostengründen keine ernsthafte Option sein. Dass es in Hannover derzeit auf allen Ebenen brennt, wird zudem Woche für Woche durch die harsche Kritik der Anhänger gegen Klub-Präsident Martin Kind demonstriert. Der 74-Jährige tritt bereits in diesem Monat zwar als Klubchef des e.V. zurück. Der Geschäftsmann bleibt aber Geschäftsführer der Profiabteilung. In der Vergangenheit pumpte Kind mehrere Millionen in den Verein, ein zukunftsträchtiges Modell ohne den strittigen Funktionär konnten die Niedersachsen bislang nicht vorstellen.