Bruno Labbadia hat den ​VfL Wolfsburg vor dem Abstieg gerettet und spielt momentan im Anschluss daran eine sehr gute Saison. Das alles kennt er bereits aus seiner Karriere, ein Happy End gab es jedoch nie. In der Autostadt könnte es anders laufen - wenn Labbadia am Ende der Saison geht.


Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist - an diesem Sprichwort ist durchaus etwas wahres dran, vor allem im Fußball. Einer, der das in jüngerer Vergangenheit erkannt hat, war Zinedine Zidane. Nach drei Champions-League-Titeln in Serie kündigte sich ein gewisser Aderlass bei Real Madrid an und der Franzose zog sich zurück. Mit Blick auf die aktuelle, unruhige Saison der Königlichen hat er alles richtig gemacht. Ein anderer, der aus der Vergangenheit gelernt hat und sich dieses Sprichwort vielleicht zu Herzen nimmt, ist Bruno Labbadia.


Der aktuelle Trainer des ​VfL Wolfsburg steht noch ohne Vertrag für die neue Saison da. Gespräche zwischen ihm und Geschäftsführer Jörg Schmadtke sind für das Frühjahr geplant, wie beide immer wieder betont haben. Der ​kicker berichtet nun in seiner Donnerstagsausgabe, ​dass die Tendenz klar in Richtung Trennung gehe. Schmadtke dementierte dies zwar bereits gegenüber der Deutschen Presse-Agentur und bezeichnete die anstehenden Gespräche als "ergebnisoffen", doch das Fachmagazin könnte durchaus richtig liegen.


Rein Sportlich wäre eine Trennung auf den ersten Blick natürlich völliger Unfug. Nach zwei Jahren in der Relegation um den Klassenerhalt befindet sich der VfL Wolfsburg in diesem Jahr auf Europa-Kurs, nach dem 3:0-Sieg bei ​Borussia Mönchengladbach fehlen sogar nur noch vier Punkte zum ersten Champions-League-Platz. Die Wölfe spielen wieder einen ansehnlichen Fußball und sind erfolgreich, das haben sie auch zu großen Teilen Bruno Labbadia zu verdanken, der dem Team eine neue Mentalität eingeimpft hat.


Obwohl er anfangs noch belächelt und von den eigenen Fans verhöhnt wurde, rettete der 53-Jährige den VfL in einer schwierigen Phase vor dem Abstieg und entwickelte die Mannschaft nun weiter. Das alles ist nichts neues für Labbadia: Auch den ​VfB Stuttgart übernahm er 2010 kurz vor Weihnachten in einer schwierigen Lage mit nur zwölf Zählern nach der Hinrunde. In der Rückserie holten die Schwaben unter ihm derer 30 und wurden viertbeste Rückrundenmannschaft.


Nach einer starken Folgesaison (Platz sechs) folgte trotz Erreichen des Pokalfinals ein kleiner Absturz auf Rang zwölf, nach einem Fehlstart in die Saison 2013/14 mit vier Pflichtspielniederlagen zum Auftakt musste Labbadia gehen. "Wir mussten in dieser Zeit den Etat um fast 20 Millionen Euro runterfahren", berichtete er kürzlich in den ​Stuttgarter Nachrichten. "Nach dem zweiten Jahr, in dem wir Sechster wurden, habe ich gesagt: Jetzt müssen wir dranbleiben und investieren. Aber es wurde immer weiter gekürzt – die Erwartungshaltung aber blieb unverändert hoch."

Bruno Labbadia

Bruno Labbadia ist seit ziemlich genau einem Jahr Trainer des VfL Wolfsburg


Ähnlich dürfte es bei Labbadias zweiter Amtszeit beim ​Hamburger SV abgelaufen sein. Im April 2014 übernahm er die Mannschaft im Tabellenkeller und rettete sie gerade eben in der Relegation. Im folgenden Jahr hatte der HSV ausnahmsweise nichts mit dem Abstieg zu tun und wurde zehnter, im September 2016 wurde Labbadia nach einem Punkt aus den ersten fünf Bundesligaspielen gefeuert. Auch hier klafften Erwartung und Realität ein gutes Stück auseinander. 


Nun hat der aktuelle Wölfe-Coach wieder einmal ein Team vor dem Abstieg gerettet und spielt gerade eine formidable Saison. Eine Saison, die der VfL womöglich mit dem Erreichen des ​internationalen Geschäfts abschließt und die erst einmal bestätigt werden will. Die Erwartungen werden wieder ansteigen, das Budget aber nicht. Unter Jörg Schmadtke wird deutlich weniger investiert werden als es früher in Wolfsburg üblich war. "Man muss es akzeptieren oder auch nicht. Das ist eine Sache, die man für sich selbst entscheiden muss", sagte Labbadia im Podcast der Bild.


Selbiges gilt für seine Zukunft. "Ich fühle mich in meiner Haut gerade sehr, sehr wohl. Dass ich über mich selbst entscheiden kann, das geht nicht immer im Fußball." Der gebürtige Darmstädter wird sich genauestens überlegen, ob er mit deutlich höherem Druck in die neue Saison gehen möchte. Damit einher geht, dass er während einer schwächeren Phase schnell wieder extrem kritisiert werden könnte und sich die Geschichte wiederholt. Auch wenn es in Wolfsburg medial natürlich anders zu geht als in Hamburg oder Stuttgart.


"Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht"


Zudem ist Bruno Labbadia auch nicht Schmadtkes Mann. Es wurde schon zum Ende der vergangenen Saison spekuliert, dass sich der neue Geschäftsführer auch einen neuen Trainer verpflichtet. Schmadtke sah davon ab, könnte es nun aber nachholen. Das Verhältnis zwischen den beiden soll ohnehin nicht überragend sein und aus Labbadias Aussagen im Podcast bezüglich der "Sparmaßnahmen" und wann und wie ihn sein Chef darüber informiert hat, lassen durchaus die Interpretation zu, dass es im Bereich der Kommunikation Verbesserungsmöglichkeiten gibt.


In der Bild äußerte sich Schmadtke ganz offen zur Beziehung zwischen den beiden: "Wir haben ein arbeitsbezogenes Verhältnis. Wir unterhalten uns sachlich. Es ist nicht so, dass wir eine enge freundschaftliche Verbindung haben. Ich werde sicher mit ihm keine Kochrezepte austauschen oder einen gemeinsamen Urlaub planen. Das ist manchmal so, ist aber auch nicht schlimm aus meiner Sicht. Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht." Dies spiele bei einer möglichen Vertragsverlängerung allerdings keine Rolle. Klar ist aber: Läuft es sportlich nicht mehr, wird der 53-Jährige seinen Trainer eher früher als später entlassen.


Bruno Labbadia hat einige Optionen zum Ende der Saison. Er kann bei den Wölfen bleiben und versuchen zu beweisen, dass er auch langfristig erfolgreich sein kann. Oder er kann als gefeierter Trainer mit deutlich gestiegenem Ansehen gehen und beispielsweise ein Engagement im Ausland, das er sich laut eigenen Aussagen durchaus vorstellen kann, beginnen. Die Frage wird sein: Wieder weitermachen oder diesmal aufhören, wenn es am schönsten ist?