Trainer Hannes Wolf (37) hatte vorher gesagt, dass er ein erstes Fazit der bisherigen Rückrunde erst nach dem Spiel seiner Elf bei Jahn Regensburg ziehen wolle. Nach dem ernüchternden 1:2 und der vierten sieglosen Auswärtspartie hintereinander (drei Niederlagen, ein Unentschieden) dürfte diese Zwischenbilanz wohl ziemlich negativ ausfallen. In der Rückrunde ist dem ​HSV vor allem in den Auswärtsspielen die Effizienz abhanden gekommen. Höchste Zeit, diese Fehlentwicklung vor dem finalen Sprint der Saison aufzuhalten und wieder an die Leistungen der Hinrunde anzuknüpfen.


Zuerst wüteten sie gegen den Schiri (Felix Zwayer). Der habe, so Holtby, so manches Mal den guten Ton vermissen lassen. Und sei wohl gefrustet gewesen, aus dem Oberhaus kommen zu müssen und ​eine Etage tiefer zu pfeifen. Außerdem hatte der Mittelfeld-Akteur, mit Blick auf die gelb-rote Karte gegen Orel Mangala, fehlendes Fingerspitzengefühl beim Referee verortet. Wie dem auch sei: keine vierundzwanzig Stunden später dürften sich alle beruhigt und damit begonnen haben, sich an die eigene Nase zu fassen. 


Denn, dass der HSV wieder einmal ein Auswärtsspiel nicht gewinnen konnte, lag wirklich nur bedingt am Unparteiischen. Vielmehr lag es - wie eigentlich auch immer - an eigenem Verschulden, an eigenen Fehlern und Schwächen. Wie zum Beispiel die, ein Spiel nicht frühzeitig zu entscheiden. Dies zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Selbst hoffnungslos unterlegene Gegner (der der Jahn am Sonntag aber nicht war!) werden bis zum Schluss am Leben gelassen. Und, dass dann im Fußball immer "alles denkbar" sei, wie Wolf regelmäßig anmerkt, macht es für den HSV so gefährlich. Zwar schwächelt auch die Konkurrenz, gibt es momentan keine Mannschaft, die regelmäßig und überzeugend Dreier einfährt, doch sollte man sich in Hamburg nicht allzu sehr darauf verlassen. 


Personeller Engpass gegen Fürth


Mit Greuther Fürth gastiert am kommenden Montag (20.30 Uhr) ein Gegner im Volkspark, der dem HSV schon in der Hinrunde Paroli bieten konnte und momentan schwierig einzuschätzen ist. Dazu wird Hannes Wolf personell umstellen müssen, denn durch die beiden Platzverweise gegen Mangala und Janjicic (sah in der Nachspielzeit glatt Rot für eine Notbremse) fehlt im Grunde genommen das komplette defensive Mittelfeld. Sollte Aaron Hunt für das Spiel gegen die Franken wieder fit sein, wird wohl Lewis Holtby den Sechser geben. Ansonsten wäre Gotoku Sakai eine Option. Für ihn müsste dann wohl Gideon Jung wieder hinten rechts ran - umgekehrt wäre es wohl genauso möglich.


Doch vor allem wird es in dieser Woche für Wolf darauf ankommen, seiner Mannschaft wieder das nötige Quäntchen Dreckigkeit, Abgezocktheit einzubläuen. Damit man vielleicht auch mal die letzte Viertelstunde aus einer komfortableren Führung heraus agieren kann und nicht nur auf das panische Verteidigen eines hauchzarten Vorsprunges beschränkt ist.  ​