Nach der deutlichen Niederlage beim ​SC Freiburg ist dem ​FC Augsburg endgültig klar geworden, in welch prekärer Lage er ist. Die Gründe für den aktuellen Misserfolg sind vielschichtig und charakterisieren einen Absteiger - die Verantwortlichen müssen schnell Lösungen finden.


​Vor dem Spiel gegen den ​FC Bayern München wollte der FC Augsburg mit dem Thema Abstieg noch nichts zu tun haben. Zwar waren die bayerischen Schwaben da schon auf Rang 15 und nur knapp über dem Relegationsplatz, doch Manager Stefan Reuter wollte in der Augsburger Allgemeinen "nicht über das Thema Zweite Liga sprechen, weil unser Ziel ganz klar der Klassenerhalt ist. Wir sind überzeugt, dass wir unser Ziel erreichen."


Mittlerweile hat der FCA gegen die Bayern und am vergangenen Samstag auch beim SC Freiburg verloren, letzteres sogar krachend mit 1:5. Nun erklärte Reuter dem kicker, dass die Augsburger sich dem Ernst der Lage durchaus bewusst seien. "Wir werden die Dinge intern analysieren und dabei sicher nichts schönreden. Da muss man sich schon einige Fragen stellen."


Eine Frage, die dabei aber nicht gestellt werden soll, ist die nach dem Trainer. "Nein, das ist überhaupt nicht unser Thema", stellte der 52-Jährige klar, Manuel Baum sitzt also scheinbar weiterhin fest im Sattel. Denn auch die Spieler stärken ihrem Coach den Rücken, so meinte Jonathan Schmid ebenfalls im kicker: "Die Spieler sind auf dem Platz, nicht der Trainer. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht das gemacht, was er geplant hatte. Das ist unser Fehler, nicht der des Trainers."


Es entsteht allerdings immer mehr der Eindruck, dass es innerhalb der Mannschaft nicht so recht stimmt, auch wenn es nicht gegen den Trainer gerichtet ist, wie Torwart Gregor Kobel betonte. Doch in dieser Saison gibt es ungewöhnlich viele Unruheherde in Augsburg: Zunächst die ​Posse um Caiuby, dann die kritischen Aussagen von ​Martin Hinteregger über den Trainer und auch die Verpflichtung von Gregor Kobel dürfte den anderen Keepern im Kader nicht geschmeckt haben, ​Andreas Luthe wollte angeblich sogar weg.


"Es kam ein Schlendrian rein", berichtete Mittelfeldspieler ​Rani Khedira nach dem verpatzten Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf dem kicker. "Das Zuspätkommen hat zugenommen. Es kam das ein oder andere Mal zu oft vor, und es wurde vielleicht nicht in aller Deutlichkeit klargemacht, dass Disziplin beim FC Augsburg ein hohes Gut ist." Für die Disziplin hat in der Regel der Trainer die Verantwortung, dies könnte also durchaus auch als Kritik an Manuel Baum verstanden werden. Das war noch vor Hintereggers Aussagen.

Martin Hinteregger

Martin Hinteregger wurde nach seinen Aussagen direkt an ​Eintracht Frankfurt abgegeben


Abgesehen von den Querelen innerhalb der Mannschaft brodelt es angeblich auch hinter den Kulissen: Nachdem Jens Lehmann als neuer Co-Trainer engagiert worden war, saß Stephan Schwarz, Technischer Direktor der Augsburger und eigentlich immer Dicht dran an der Mannschaft, plötzlich nicht mehr auf der Bank. Der kicker berichtete von "inhaltlichen Differenzen in Bezug auf die sportliche Ausrichtung", was von Stefan Reuter aber abgestritten wurde.


Diese ganzen Diskussionen rund um die Mannschaft und den Verein haben sicher auch Auswirkungen auf den sportlichen Bereich und trugen dazu bei, dass der FCA aus den vergangenen 14 Bundesligaspielen lediglich einen einzigen Sieg holen konnte und nach der Klatsche in Freiburg gefühlt am Tiefpunkt angekommen ist. 15 Punkte nach 23 Spieltagen sind unterirdisch und es ist nur den noch schwächeren Teams aus Stuttgart, Hannover und Nürnberg zu verdanken, dass die Fuggerstädter noch knapp über dem Strich stehen.


Problematisch ist aber auch die deutlich schlechtere Defensive im Vergleich zum Vorjahr. Nach 23 Spieltagen in der vergangenen Saison hatten die Augsburger 32 Tore erzielt, genau wie aktuell auch, ein sehr guter Wert im Tabellenkeller. Allerdings standen vor einem Jahr lediglich 29 Gegentreffer zu Buche, heute sind es 45. Die Abwehr ist dabei in der Hinrunde eigentlich die gleiche geblieben, erst jetzt hat sie sich durch Hintereggers Abgang verändert. Der Österreicher war sicherlich Augsburgs bester Innenverteidiger und wird sportlich fehlen, der junge Reece Oxford kann noch gar nicht die Qualität haben, um ihn zu ersetzen.


Merkmale eines Absteigers


Vor allem aber die Torwartposition war und ist eine Baustelle. Der FCA verzichtete nach dem Abgang von Marwin Hitz auf eine externe Lösung und vertraute zunächst Fabian Giefer. Doch nachdem dieser in Mainz und gegen Bremen gleich mehrfach spielentscheidend patzte, wurde er durch Andreas Luthe ersetzt. Der 31-Jährige machte zwar keine großen Fehler, wirkliche Sicherheit strahlte aber auch er nicht aus. Deshalb wurde Gregor Kobel aus Hoffenheim ausgeliehen. Nach abgewehrten Torschüssen ist er deutlich schwächer als Luthe, beim 2:2 der Bayern durch Kingsley Coman am vorletzten Spieltag sah er ebenfalls nicht besonders gut aus. So richtig behoben ist das Problem mit Kobel auch nicht, er ist aber erst 21 und hat sein großes Potenzial bereits gezeigt.


Der FC Augsburg hat in dieser Saison einige Probleme: Unruhe im Kader und im Verein, Qualitätsprobleme in gewissen Mannschaftsteilen und nach dem Freiburg-Spiel machte sich eine große Ratlosigkeit breit, woran es denn nun genau liegt. Das alles sind Dinge, die oft auf Absteiger zutreffen. Die Verantwortlichen müssen schnell Lösungen finden, denn am Freitag wartet bereits Borussia Dortmund, danach geht es nach Leipzig. Das aktuell einzig Positive für den FCA sind die Teams auf den Plätzen 16 bis 18.