Raul Bobadilla erlebte in den vergangenen Jahren Höhen und Tiefen. Der 31-Jährige, der in der Bundesliga für ​Borussia Mönchengladbach und den ​FC Augsburg aktiv war, genießt speziell in der Schweiz aufgrund von disziplinarischen Fehltritten keinen allzu guten Ruf. Im Interview mit dem ​Blick bemüht er sich um eine Erklärung und hofft zugleich darauf, eines Tages noch einmal in der Super League zu spielen.


Schon in seiner Jugend erlebte Bobadilla keine einfache Zeit. Seine Kindheit war von Armut und Gewalt geprägt, die Flucht in den Fußball schien der einzige Ausweg zu sein. "Es war ein Risiko, auch weil ich mit 15 die Schule geschmissen habe", so Bobadilla, der nicht weiß, wo er in seinem Leben stünde, hätte er niemals in der Nachwuchsabteilung der Boca Juniors gespielt.


Schon als Zwölfjähriger habe er hart für seine Karriere gearbeitet, aber auch für seine Familie, die aufgrund der Arbeitslosigkeit seines Vaters von massive Geldsorgen geplagt wurde. "Ich stand morgens früh auf, ging zur Schule, um zwölf fuhr ich mit dem Bus drei Stunden zum Training im Nachwuchs von Boca Juniors, dann drei Stunden zurück. [...] Ich ging zu den reichen Leuten. Pools säubern, Rasen mähen - mit einem Freund, der das übrigens heute noch macht. Um 7 Uhr zog ich los, um 22 Uhr kam ich nach Hause."


Doch bei Boca sollte er keine Zukunft haben. Mit 13 Jahren flog er aus der Akademie, bei weiteren Vereinen in Buenos Aires wurde er nicht angenommen. Club Atlético Belgrano vertraute jedoch auf das Talent Bobadillas - ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte: "Der Zufall wollte es, dass es eine Kooperation mit River Plate gab – und der Trainer mich mitnahm."

Dede,Raul Bobadilla

   Über Umwege landete Raul Bobadilla (l.) im Sommer 2009 bei Borussia Mönchengladbach


In der Folgezeit machte der Stürmer mit Alkoholexzessen auf sich aufmerksam, nach einigen weiteren Fehltritten wurde er in die dritte Mannschaft beordert, die bei einem Turnier in Mailand antrat. Dort entdeckten ihn Murat Yakin und Walter Grüter - das damalige Trainer-Duo von Concordia Basel - auf Empfehlung von Erich Vogel. Für Concordia erzielte er in 28 Einsätzen 18 Tore und wechselte daraufhin zu Borussia Mönchengladbach, wo er mit über einer Promille am Steuer von der Polizei erwischt wurde.


"Raser Raul" - Schnelles Aus in Basel


Im Januar 2012 folgte die Rückkehr in die Schweiz, diesmal zu den Young Boys Bern. Von da aus ging Bobadilla zum FC Basel - ein Fehler, wie er heut gesteht. "Es lief in allen Bereichen gut. Aber ich wollte mehr, Basel war mehr und ich wechselte. Auch, weil Murat Yakin dort Trainer war." 


Nach nur einem halben Jahr ging er wieder nach Deutschland, wechselte zum FC Augsburg. Grund hierfür war vor allem ein Vorfall, bei dem Bobadilla mit 111 Kilometern die Stunde durch eine 50er-Zone in seinem Maserati raste. "Als der Polizist mich anhielt, realisierte ich meinen Fehler sofort und dachte: 'Ich bin der grösste Vollidiot, was für ein Depp bin ich.' Aber es gab Gründe, warum es passiert ist", blickt er nun zurück. "Ich bin selber schuld an diesem Skandal und will nichts beschönigen. Man darf nicht wütend Auto fahren. Ich habe mich selbst kaputtgemacht, ich ganz allein."

​Daraufhin erhielt er den Spitznamen "Raser Raul", der damalige Trainer Murat Yakin wandte sich von ihm ab. "
Das ist sein gutes Recht. Weder er noch der FC Basel haben einen Fehler gemacht. Ich entschuldige mich hier nochmals bei der ganzen Schweiz und Präsident Bernhard Heusler. Der Klub hat nichts falsch gemacht, und auch die vielen Bussen waren in Ordnung." 

Johan Djourou,Raul Bobadilla

   Nach seinem Aus beim FC Basel ging Bobadilla erneut in die Bundesliga


Die Raserei sei keineswegs zu entschuldigen, doch er wolle "erklären, warum es so weit kam. Es ist mir wichtig, der Schweiz zu erklären, was für ein Mensch ich bin." So sei es schwierig, aus einer armen Region in Südamerika plötzlich in der Schweiz zu leben. 


"Alles ist wow und super und Party. Und du hast als Fussballer Geld, schnelle Autos, Versuchungen." Bobadilla war dem zum damaligen Zeitpunkt "nicht gewachsen, so ehrlich muss ich sein."


Traum von der Schweiz


Nun strebt er eine Rückkehr in die Schweiz an. Im vergangenen Sommer wechselte er von Borussia Mönchengladbach zu den Argentinos Juniors. Von Spaß könne in der argentinischen Primera Division allerdings keine Rede sein: "Es geht nur um Härte und null um Technik. Als Stürmer bekommst du nur auf die Socken, und die Schiris pfeifen nichts." 


Für welchen Super-League-Klub er auflaufen würde, spiele keine Rolle. "Ich habe für die Schweiz nur gute Gefühle", so Bobadilla, der sein Selbstvertrauen keineswegs verloren hat: "Ich hätte eine grössere Karriere als Mohamed Salah machen können. Und ich wäre noch heute in der Premier League, davon bin ich überzeugt."