​Den 23. Spieltag der ​Fußball-Bundesliga läuteten am Freitagabend der ​SV Werder Bremen und der VfB Stuttgart ein. Das Spiel endete 1:1-Unentschieden, doch allein mit dem Ergebnis ist noch nicht alles gesagt. Wir verschaffen euch einen Überblick über das umkämpfte Duell und ziehen einige Erkenntnisse.


Beide Trainer verzichteten auf viele Wechsel, nur auf ​Bremer Seite kam es zu zwei Änderungen. Trotzdem war Werder eigentlich der Favorit, war man doch seit fünf Bundesliga-Partien ungeschlagen. Die von Beginn an wachen ​Stuttgarter machten den "Grün-Weißen" aber schnell einen Strich durch die Rechnung.


Zwei unterschiedliche Hälften - Teams lassen Kaltschnäuzigkeit vermissen

Schon in der zweiten Spielminute ließen es die Gäste klingeln. Zuber schloss einen gut ausgespielten VfB-Angriff ab. Damit gelang Stuttgart ein fulminanter Start und Werder musste sich in der Folgezeit erst einmal mit reinem Ballbesitz begnügen. Stuttgarts ehemaliger Nationalstümer Mario Gomez verpasste es genauso wie der umtriebige Werderaner Milot Rashica, ein Tor für seine Farben beizusteuern.


Erst kurz vor der Halbzeit gelang auch dem SVW mal eine Offensiv-Aktion. Der Niederländer Davy Klaassen konnte seine Klasse nach einem Zuspiel von Max Kruse zeigen und stellte somit etwas überraschend auf Unentschieden. ​Nach der Pause zeigte sich dann ein verändertes Bild, denn nun kam Bremen besser ins Spiel, ließ aber auch weitere gute Chancen aus.

Davy Klaassen,Max Kruse

Werder Bremen bejubelt den Ausgleichstreffer von Davy Klassen (re.)



Von Stuttgart kam nach der Pause offensiv kaum noch etwas, konnte sich aber hinten wenigstens auf eine stabile Ordnung gegen relativ ideenlose Bremer verlassen. Es blieb bei der Punkteteilung, die am Ende für beide Teams in Ordnung geht, denn auch Stuttgart hatte in Hälfte eins seine starken Phasen.


Zahlen und Fakten zum Spiel

  • Werder Bremens "Oldie" Claudio Pizarro, kam zu seinem 464. Bundesliga-Einsatz. Er teilt sich nun den 20. Platz in dieser ewigen Bestenliste mit Harald "Toni" Schumacher.
  • Der VfB erzielte ein Tor in der zweiten Minute. Es war das erste Tor in der Anfangsviertelstunde in dieser Saison überhaupt, auch gelang dem VfB seit sechs Jahren kein früheres Tor mehr.
  • Insgesamt hatte Werder Bremen 69 % Ballbesitz, zum Sieg reichte diese Marke aber nicht.
  • Der Argentinier Santiago Ascacíbar vom VfB spulte ganze 13.58 km ab, mehr schafften in dieser Saison bisher nur vier Spieler.


Bremen und Stuttgart treten auf der Stelle

Nach dem ​Spiel lässt sich für beide Mannschaften sagen, dass sie weit unter ihren Möglichkeiten gespielt haben. Bestimmte Erkenntnisse lassen sich da natürlich auch ziehen und vor allem für den VfB und Coach Markus Weinzierl bedeuten sie noch einen harten Saisonendspurt.


Werder Bremen: Europa muss wahrscheinlich warten - Der SVW ist noch nicht reif genug


Für den Nordclub kann man vor allem feststellen: Für höhere Aufgaben kann man mit diesen Leistungen noch nicht bereit sein. Der Kader ist überdurchschnittlich stark und im Team herrscht eine gute Atmosphäre. Trotzdem kann man vor allem gegen die schwächeren Teams der Liga zu selten die vollen Punkte mitnehmen. Noch bestimmt die Tagesform zu sehr über das Endergebnis.


Die Mannschaft braucht vielleicht noch eine Saison, um miteinander zu wachsen. Ein Lichtblick ist aber weiterhin die Serie an ungeschlagenen Spielen. Auch wenn noch nicht die ganz große Konstanz im Spiel unter Florian Kohfeldt zum Vorschein kam, so muss man immer mit Bremen rechnen. Vielleicht findet man im Werder-Spiel ja noch die letzten fünf Prozent, die es braucht, um sich für Europa qualifizieren zu wollen.


VfB Stuttgart: Zwischen Abstiegskampf und Niemandsland - Stuttgart braucht einen Wandel


An Europa denkt in Stuttgart aktuell niemand. Das oberste Ziel beim VfB sollte erst einmal der Klassenerhalt sein. Mit nur 16 Punkten steht man am 23. Spieltag nur auf dem Relegationsrang. Doch die Frage stellt sich, ob der Meister von 2007 überhaupt die Klasse für die Bundesliga hat. Klar, gegen den Favoriten aus dem Norden konnte man mal wieder punkten, doch dass in der zweiten Halbzeit kaum mehr als ein ängstliches Verteidigen zustande gebracht wurde, erschreckt doch sehr.


Schließlich zeigte sich schon früh in der Partie, dass mehr drin ist, als nur dieser eine Punkt. Da erkennt man aber auch schon das große Problem für die Schwaben in dieser Saison: Kaum zeigte man einmal, dass man über 90 Minuten konkurrenzfähig ist. Dass man immer wieder auf den alternden Gomez zurückgreifen muss, der auch in diesem Spiel wieder viele Hochkaräter ausließ, zeigt die schwierige Situation im Kader.


Es wird also ein harter Kampf bis zum letzten Spieltag werden. Immerhin machte die wirklich solide Defensiv-Arbeit gegen die Bremer Hoffnung. Wenn man den Spaß am Fußball bis zum 34. Spieltag aber nicht wieder findet, wäre das Minimalziel in großer Gefahr. In der aktuellen Situation ist sich außerdem auch niemand sicher, ob der VfB einen weiteren Abstieg verkraften würde.


Nach dem Unentschieden ist also beiden Teams nicht wirklich geholfen. Gut nur, dass man aus jedem Spiel lernen kann. Nun liegt es an den Mannschaften, welche Lehren sie aus dem 23. Spieltag mitnehmen können, denn dies wird für den Verlauf der Saison von entscheidender Bedeutung sein. Auf Seiten der Stuttgarter wird Weinzierl durch das Remis wahrscheinlich erst einmal Cheftrainer bleiben.