Von Mannheim nach Darmstadt sind es keine 60 Kilometer. In Zeiten, in denen die Welt gefühlt sowieso immer kleiner wird, ist dies eine Entfernung, die man umgangssprachlich als "Katzensprung" bezeichnet. Warum diese geographische Einleitung? Weil auch die Fußball-Welt immer kleiner wird. Und weil sich das Karussell namens Profi-Fußball immer schneller dreht. Einer, der im Oktober von diesem Karussell, na, sagen wir mal, "abgesprungen" wurde, steht nach Informationen der Mopo kurz davor, wieder aufzuspringen.


Christian Titz (47), gebürtiger Mannheimer, hatte in Hamburg fast schon so etwas wie Heldenstatus erreicht. Als alle Stricke gerissen waren beim großen ​HSV, erinnerte man sich im Klub seines Regionalliga-Trainers, machte ihn kurzerhand zum Cheftrainer - und, siehe da, es schien zu funktionieren. Mit seiner angenehmen ruhigen, sympathisch-bodenständigen Art, mit seinen unkonventionellen Ideen (Torwart als Quasi-Spielmacher) machte er den alten Kahn (fast) wieder flott. Doch den Abstieg in ​Liga Zwei konnte auch er nicht mehr verhindern.


Im Unterhaus blieb er seinen Prinzipien treu, doch die Mannschaft spielte längst nicht mehr so mitreißend, wie noch in den letzten acht Bundesligaspielen unter seiner Ägide. Zweifellos auch dem ihm zur Verfügung (oder eben nicht mehr zur Verfügung) stehenden Personal geschuldet. Und ein anderer Fußball wird in der zweithöchsten deutschen Spielklasse auch gespielt. Im Oktober war dann Schluss für Christian Titz. Seitdem lässt er sich noch ab und zu mal rund um den Volkspark blicken, verfolgt die Geschicke (nicht nur des HSV) aber überwiegend von zuhause aus.


Und da wären wir wieder in Mannheim. Auch dort wird man am gestrigen Abend zur Kenntnis genommen haben, dass Trainer Dirk Schuster (51) beim ​SV Darmstadt 98  ​beurlaubt worden ist. Ein Sieg aus den letzten zehn Spielen waren zu wenig für die Ansprüche der Hessen. Gleichzeitig mit dieser Entscheidung wurde der frühere HSV-Torwart Carsten Wehlmann (46) zum Sportlichen Leiter ernannt. Erste Aufgabe: einen neuen Trainer finden. Und jetzt wird die Spur richtig heiß: Wehlmann war noch bis letztes Jahr als Chefscout von Holstein Kiel unterwegs. In dieser Funktion war er dann auch öfter in Hamburg zu Besuch, um sich die Arbeit von Christian Titz beim HSV mal genauer anzugucken.


So, und jetzt braucht man bloß noch eins und eins und eins zusammenrechnen. Wer auf drei kommt, kann sich sicherlich auch vorstellen, dass Christian Titz demnächst neuer Trainer der Lilien ist. Und deren übernächstes Auswärtsspiel findet wo statt? Genau, in Hamburg. So klein ist die Welt. Die Fußball-Welt allemal. ​