Als der ​VfB Stuttgart seine Startaufstellung für das Bundesliga-Heimspiel gegen RB Leipzig (1:3) verkündete, fehlte überraschend Kapitän Christian Gentner. Der 33-Jährige verpasste in dieser Saison erstmals ein Pflichtspiel, was Trainer Markus Weinzierl aus taktischer Sicht zu erklären versuchte.


Dass Christian Gentner über 90 Minuten auf der Bank sitzt, ist ein absoluter Ausnahmefall. Der Mittelfeldspieler verpasste in der Vergangenheit nur dann Spiele, wenn er verletztungsbedingt oder gesperrt fehlte - ansonsten war er immer dabei. 363 Mal trug er das Trikot des VfB Stuttgart, 312 Mal begann er dabei von Anfang an. Das letzte Mal, dass er in der Liga nur auf der Bank Platz nehmen durfte, war beim 0:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern am neunten März 2012 der Fall.


Dass Markus Weinzierl auf der Pressekonferenz nach der Partie auf seine Startaufstellung angesprochen wurde, war daher von vornherein klar. Der Trainer, der nach der Entlassung von Sport-Vorstand Michael Reschke weiterhin in der Kritik bleibt - ​obwohl er vor der Partie Rückendeckung von Thomas Hitzlsperger erhielt- , relativierte seine Entscheidung und war darum bemüht, den Fokus nicht allein auf Gentner zu legen: "Wir haben uns viele Gedanken nach dem Düsseldorf-Spiel gemacht. Ich hätte elf Spieler auswechseln können", so der 44-Jährige laut ​​ARD Sportschau.

Markus Weinzierl

   In 16 Partien als Trainer des VfB Stuttgart kommt Markus Weinzierl auf einen erschreckend schwachen Schnitt von 0,63 Punkten pro Spiel.


Im gewählten 5-4-1 System vertraute Weinzierl auf Santiago Ascacibar und Gonzalo Castro im defensiven Mittelfeld, da er mit Letzterem "einen spielstarken Spieler aus dem Rückraum" aufbieten wollte. Dies sei "in der Grundidee richtig" gewesen, befindet Weinzierl, der sich darüber ärgern musste, dass seine Mannschaft zwar keine schlechte Leistung zeigte, ​jedoch erneut mit leeren Händen dasteht und weiterhin auf den ersten Sieg seit dem 15. Dezember (2:1 über Hertha BSC) wartet.


"Natürlich geht es um Punkte in der Bundesliga, nicht nur um Leistungen. Wir müssen es umsetzen", weiß Weinzierl. "Wir haben heute ein anderes Gesicht gezeigt als in Düsseldorf. Das zweite haben wir nicht geschafft: Zu punkten." Um seine persönliche Zukunft mache er sich jedoch keine Gedanken, viel mehr wolle er sich auf die Mannschaft fokussieren: "Ich kann der Mannschaft heute nicht so viel vorwerfen. Es war entscheidend, dass wir einen Freistoß gegen uns bekommen, den nicht jeder Schiedsrichter pfeift und es war der Unterschied, dass (Marcel) Sabitzer den in den Winkel schießt. Darüber mach ich mir Gedanken, nicht um meine Zukunft."


Doch sich über die Mannschaft Gedanken zu machen bedeutet auch, sich den Fragen um Christian Gentner zu stellen. Dementsprechend versuchte Weinzierl zu beschwichtigen und beteuerte: "Natürlich bleibt Christian Gentner ein wichtiger Spieler, der eben mal nicht gespielt hat."