Der ​VfB Stuttgart zeigte sich bei der 1:3-Niederlage gegen ​RB Leipzig zwar etwas verbessert, doch die Mannschaft hat nach wie vor grundlegende Probleme. Bis zum Klassenerhalt ist es deshalb noch ein weiter Weg.


„Wir haben heute ein ganz anderes Gesicht gezeigt, als zuletzt“, wird Torwart Ron-Robert Zieler nach der Pleite seines VfB gegen Leipzig auf der Vereinswebsite zitiert und lag mit der Aussage sicherlich richtig. Eine Woche zuvor zeigten die Stuttgarter noch einen blutleeren Auftritt in Düsseldorf und gingen mit 0:3 unter, nun befanden sie sich mit einem Champions-League-Aspiranten zwischenzeitlich auf Augenhöhe und waren trotz der Niederlage grundsätzlich positiv gestimmt.


Denn ganz anders als in der Vorwoche stimmten zumindest die Einstellung und der Einsatz. Die Schwaben kamen nach einem frühen Rückstand zurück ins Spiel, ließen nur wenige RB-Torchancen zu und schafften es, selbst offensiv gefährlich zu werden. Nach einer guten Stunde hatte Santiago Ascacibar sogar den Führungstreffer auf dem Fuß, scheiterte aber an Leipzigs Torwart Peter Gulacsi. Stattdessen setzte es wenig später das 1:2 per direkt verwandeltem Freistoß, durch einen Konter der Gäste war die Partie schließlich endgültig entschieden.


„So ist das eben, wenn man unten steht“ - nein, kein VfB-Spieler oder -Verantwortlicher brachte dieses Zitat, aber irgendwie lag es in der Luft. Der Freistoß zum 1:2 sei „fragwürdig“ gewesen (zugegeben, er war mehr als das) und alles in allem war es doch ein guter Auftritt. „Die heutige Leistung gibt uns definitiv Kraft. Wir waren gegen einen starken Gegner ebenbürtig“, sagte Mario Gomez, der den auf die Bank verbannten Kapitän Christian Gentner in dessen Amt vertrat. „So müssen wir auch in den nächsten Wochen weitermachen.“ Er sei „tausendprozentig“ überzeugt, dass der VfB in der Liga bleibt.



Trainer ​Markus Weinzierl hatte über weite Strecken ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen: „In den nächsten Wochen müssen wir diese Leistung über 90 Minuten durchziehen und konsequenter agieren.“ Und in diesem Satz steckt schon drin, was unter anderem das Problem der Stuttgarter ist: Konsequenz. Ja, gegen Leipzig war eine Verbesserung der Leistung erkennbar und ja, es gab Torchancen – aber bis auf den Strafstoß zum Ausgleich wurde keine genutzt.


Der VfB braucht im Schnitt 14,6 Torschüsse, um ein Tor zu erzielen. Da ist es einerseits wenig hilfreich, dass er pro Spiel durchschnittlich lediglich zwölf Torschüsse zustande bringt, und andererseits ist dies der schwächste Wert der Liga. Die zweitschlechteste Mannschaft in diesem Ranking ist der ​FSV Mainz 05 mit 13,1 Schüssen pro Tor, der ​BVB braucht beispielsweise nur fünf. Schon die gesamte Saison ist die offensive der Stuttgarter erschreckend schwach, die lediglich 18 Saisontore kommen nicht von ungefähr. Seit dem Trainerwechsel von Tayfun Korkut zu Weinzierl hat die Effektivität im Angriff sogar noch gelitten – und über die Defensive haben wir noch gar nicht gesprochen.


Die entscheidenden Dinge stimmen nicht


50 Gegentore kassierte der Deutsche Meister von 2007 in der laufenden Saison und damit die meisten in der Bundesliga, auch gegen Leipzig pennte die Mannschaft in der Anfangsphase und ließ sich dann nach dem zweiten Rückstand eine Viertelstunde vor Schluss übel auskontern. Weinzierl hatte auf der Pressekonferenz im Vorfeld noch von den „zu vielen und zu einfachen Gegentoren“ gesprochen, gegen die Roten Bullen stellte sich hier definitiv noch keine Verbesserung ein.


„Wir brauchen Punkte“, stellte der 44-Jährige ebenfalls vor dem RB-Spiel fest, nach dem 22. Spieltag sind es aber nach wie vor lediglich 15, so schwach waren die Kicker aus Bad Cannstatt in der Bundesliga noch nie. Deshalb: Ja, der VfB hat gegen die Leipziger eine verbesserte Leistung gezeigt, aber in Dingen wie Laufleistung oder Zweikampfquote gehört die Mannschaft statistisch sowieso zum soliden Mittelfeld der Bundesliga. Doch in allen entscheidenden Dingen, also Tore, Gegentore, Punkte und alles was dazugehört, ist Stuttgart momentan nicht bundesligatauglich. Die größte Hoffnung auf den Klassenerhalt machen deshalb ​Hannover 96 und der ​1. FC Nürnberg.