Mit großen Ambitionen verpflichtete der FC Schalke 04 Christian Heidel vor zweieinhalb Jahren als neuer Sport-Vorstand. Zuvor war der 55-Jährige 24 Jahre als Sportchef des FSV Mainz 05 tätig und sollte nun Königsblau nach der langjährigen Amtszeit von Horst Heldt weiterentwickeln. Mittlerweile wird Heidel jedoch mehr als kritisch beäugt, weshalb immer wieder über ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit spekuliert wird. Im Interview mit der ​SZ bekräftigte er, seinen Vertrag erfüllen zu wollen - eine Rückkehr nach Mainz schloss er derweil aus. 


Die bisherige Amtszeit von Christian Heidel auf Schalke glich einer Achterbahnfahrt. Nach seinem Wechsel von Mainz nach Gelsenkirchen verpflichtete er Markus Weinzierl vom FC Augsburg als neuen Cheftrainer, doch nach einem Fehlstart mit fünf Niederlagen in der Bundesliga, einem zehnten Platz in der Abschlusstabelle sowie dem Ausscheiden im Viertelfinale des DFB-Pokals und der Europa League musste Weinzierl - auch aufgrund des Verhältnisses zwischen Mannschaft und Trainer - gehen.


Im Sommer 2017 folgte mit Domenico Tedesco ein Trainer der jungen Generation. Der 33-Jährige stellte die Mannschaft auf den Kopf, setzte auf eine defensive Spielweise und sollte in seinem ersten Jahr massive Erfolge feiern. Schalke erreichte im Pokal das Halbfinale, feierte zudem die Vizemeisterschaft und kehrte in die Champions League zurück.

Christian Heidel

  Mit dem FC Schalke entschied sich Christian Heidel für eine Aufgabe der besonderen Art - dies bekam er von Anfang an zu spüren


Das zweite Jahr unter Tedesco entwickelte sich allerdings zur Farce: Zwar erreichte S04 das Achtelfinale der Königsklasse, in der Bundesliga rangiert man vor dem 22. Spieltag jedoch auf Platz 14. Spielerisch ist wenig auf dem Platz zu sehen, Konstanz ist kaum vorhanden. Heidel stärkt seinem Trainer den Rücken, doch immer mehr wird er derjenige, der in den Fokus der Kritiker gerät.


Seit Sommer 2016 investierte der Verein rund 154 Millionen Euro in neues Spielermaterial, im selben Zeitraum wurden etwa 112,5 Millionen eingenommen (via transfermarkt.de). Doch Spieler wie Breel Embolo, Coke, Pablo Insua, Omar Mascarell oder - der prominenteste Fall - Sebastian Rudy konnten (noch) keine bleibenden Spuren in der Veltins-Arena hinterlassen. Für seine Transfers wurde Heidel auch intern kritisiert, weshalb Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies durch die Verpflichtung eines zusätzlichen Kaderplaners Abhilfe schaffen wollte - doch Heidel stimmte dem nicht zu, will stattdessen weiterhin die alleinige Verantwortung tragen.


Keine Flucht von Schalke


Nicht selten wird über ein vorzeitiges Ende seiner Ära spekuliert, zumal mit Jonas Boldt in den kommenden Monaten ein möglicher Nachfolger bereitstünde, der seine Klasse bei Bayer Leverkusen unter Beweis stellen konnte und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist. Heidel will seinen Vertrag allerdings erfüllen - zumindest, "wenn die Gesamtgemengelage stimmt."

Jonas Boldt

    Jonas Boldt bewies bei Bayer Leverkusen große Qualitäten als Sportdirektor - Wird er Heidels Nachfolger?


Im Vordergrund stehe die Frage, "welche Erwartungen bestehen. Anspruch und Möglichkeiten müssen im Einklang stehen", so Heidel, der auch betont, dass es "die notwendigen wirtschaftlichen Möglichkeiten" benötige, wenn man wieder die Spitzengruppe in der Bundesliga angreifen wolle. "Natürlich gab es schon Zeiten mit viel mehr Spaß, und die Aktualität ist nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig", räumt der Sportchef ein, doch dessen sei er sich bewusst gewesen.


Rückkehr nach Mainz? "Es wird leider zu viel Unsinn erzählt"


Es sei nun mal "nicht immer der Traumberuf, für den ihn viele halten." Doch neben einer Flucht von Schalke steht auch eine Rückkehr zu Mainz 05 nicht im Raum. Bei den Rheinhessen würde er auf ein gewohntes Umfeld treffen, zudem genießt Heidel aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit mit Trainern wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel noch immer ein hohes Ansehen. Spekulationen dieser Art bezeichnet er allerdings als "Unsinn. Ich hatte einen Abschied bei Mainz 05, den ich nie vergessen werde. Aber die Betonung liegt auf Abschied - und dabei wird es bleiben."

Christian Heidel

  Eine Rückkehr zum FSV Mainz 05 schließt Heidel kategorisch aus


Heidel will sich auf Schalke durchsetzen, solange ihm die Gelegenheit geboten wird. Doch ob die Zusammenarbeit auch über 2020 hinausgeht, gilt in der aktuellen Situation als kaum denkbar. Gemeinsam mit Domenico Tedesco, der dann seine dritte Spielzeit bei S04 erleben würde, steht er nicht nur jetzt, sondern ​auch über das Ende der laufenden Saison hinaus auf dem Prüfstand. Der 55-Jährige wird darauf hoffen müssen, dass der Geduldsfaden bei den Verantwortlichen nicht voreilig reißt.